Volksstimme: Wie resümieren Sie 2017?

Bernd Nimmich: Es ist ein Jahr mit Höhen und Tiefen gewesen. Positiv, da wir aufgrund der positiven Haushaltsergebnisse bereits im Februar 2017 einen ausgeglichenen Etat verabschieden konnten. Dieser ist dann auch ohne Beanstandungen von der Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Negativ, da es zu Steuerrückzahlungen und Gewerbesteuerfreistellungen durch das Finanzamt kam.

Und das hat Auswirkungen ...

Ja, das beschäftigt uns derzeit besonders bei der Aufstellung des Haushaltes 2018. Bei etwa einer Million Euro Steuerausfällen 2017 und der aus dem Ergebnis 2016 hohen Steuerkraft verringern sich die allgemeinen Zuweisungen aus dem Finanzausgleichgesetz. Das bedeutet für uns: etwa 500.000 Euro weniger Zuweisungen. Obendrauf eine um 260.000 Euro höhere Kreisumlage – auf 2,8 Millionen Euro, denn dieses Ergebnis wird mit den Erträgen von 2016 berechnet. Das Jahr, in dem es uns finanziell gut ging. Diese bitteren Tatsachen bereiten uns große Probleme bei dem Ausstellen der Haushaltskennzahlen für 2018 und sind nur durch eine erneute Konsolidierung möglich, also durch einen Sparplan. Das ist überhaupt nicht befriedigend. Wir hatten ja acht Jahre lang konsolidiert, waren so froh, seit 2016 raus zu sein. Nun wiederholt sich wohl alles, es ist wie eine Sinuskurve.

Baulich hat sich 2017 in Bördeland einiges getan.

Größtes Projekt ist die Sanierung der Straßenbeleuchtung in allen sieben Ortsteilen gewesen. Alle Lampen sind auf LED-Leuchtköpfe umgestellt worden. Gesamtkosten: etwa 670.000 Euro. 180.000 Euro sind an Fördermittel geflossen, den Rest haben wir über Kredit finanziert. Weiterhin haben zwei Kitas vom Programm Stark V profitiert, das Maßnahmen zu 100 Prozent fördert. In der Kita Großmühlingen sind für 120.000 Euro Dach, Elektro und Sanitär erneuert worden, in der Kita Welsleben für 175.000 Euro Fassade, Elektro, Sanitär und Außenbereich.

Und was ist 2018 geplant?

Wir erhalten für zwei weitere Projekte eine 100-prozentige Förderung über das Stark-V-Programm. Die Kita Eggersdorf wird für 320.000 Euro innen komplett saniert. Der Fördermittel-Bescheid ist da, nun startet das Ausschreibungsverfahren. Um die Bauarbeiten in dem Maße zu ermöglichen, müssen die etwa 45 Kinder ausziehen. Ihr vorübergehendes Domizil wird dann das Bürgerhaus, einen Steinwurf entfernt, werden. Gespräche diesbezüglich sind schon gelaufen. Einiges, wie die Sanitäranlagen, muss noch kindgerecht hergerichtet werden. Da investiert die Gemeinde. Wer derzeit das Bürgerhaus nutzt, zieht um, wie zum Beispiel die Handarbeitsgruppe. Die Bibliothek ruht in der Bauzeit, Leser können die anderen Bibliotheken in Bördeland nutzen. Anfang März soll Start sein. Wir rechnen mit einer Bauzeit von einem halben Jahr.

Weiteres gefördertes Projekt ist die Sanierung des Daches des Verwaltungsgebäudes für 120.000 Euro. Es ist schlicht und einfach marode, hier muss etwas getan werden.

Das sind die komplett geförderten Projekte. Wo investiert die Gemeinde, sofern sie angesichts der Haushaltslage noch kann?

Der Kracher ist der Kauf eines Feuerwehrfahrzeuges HLF 20 für die Ortsfeuerwehr Biere. Das kostet 410.000 Euro, davon werden 190.000 Euro gefördert, den Rest stemmt die Gemeinde. Weiter laufen schon die Straßenbauarbeiten in Eggersdorfer, Eickendorfer Weg, Stichweg I und II, Kosten: etwa 200.000 Euro. Im vergangenen Jahr hat die Maßnahme begonnen, der erste Stich ist bis zur Hälfte fertig. Nach der Winterpause geht es weiter. Vorgesehen ist, über das Projekt Leader die Friedhofsmauer in Eggersdorf zu erneuern. Das wird 100.000 Euro kosten, die Förderung liegt bei 75 Prozent. Und wir gehen in die Planung für ein Feuerwehrgerätehaus in Großmühlingen, um beim Land Fördermittel beantragen zu können. Das vorhandene Haus ist in einem schlechten Zustand, ein Sanieren zu teuer. Deshalb wollen wir neu bauen. Ein favorisierte Fläche gibt es schon: der Festplatz, der auch in Besitz der Gemeinde ist.

Worauf sind Sie 2017 in Ihrer Gemeinde mächtig stolz gewesen?

Ganz klar: Auf die Tatsache, dass wir einen ausgeglichenen Haushalt hatten. Das war super, da war ich echt stolz. Zum Jahresanfang und ohne Beanstandungen. Das ist, glaube ich, das Ziel jedes Kommunalpolitikers. Weiterhin dass wir positive Signale aus dem Finanzministerium erhalten haben: Die Sanierung die Grundschule Welsleben soll mit 2,6 Millionen Euro gefördert werden. Das war ein harter Ritt. Es hat zahlreiche Beratungen gegeben. Ich möchte hervorheben, dass die Zusammenarbeit zwischen beauftragten Planungsbüro und Bauverwaltung unserer Gemeinde sehr gut war, sodass die sehr engen Antragsfristen gemeistert werden konnten. Ich denke, 2019 werden wir mit der Umsetzung starten. Nach dem Erhalt des offiziellen Fördermittelbescheides gehen wir mit dem Projekt in die Planungs- und Ausschreibungsphase. Wir stehen noch in den Startlöchern und werden, wenn der zeitliche Ablauf feststeht, Schüler, Eltern und Pädagogen über die Umsetzung umfassend informieren.

Und natürlich bin ich auch stolz auf die vielen kulturellen Veranstaltungen in Bördeland. Der erste Seniorentag zum Beispiel. Es war sehr ergreifend zu sehen, wie voll das Haus war und auf welch‘ große Resonanz das Angebot gestoßen ist. Oder auch unser Beweg-was-Tag. In diesem Jahr wird er am 2. Juni stattfinden. Nicht zu vergessen die vielen Veranstaltungen der Feuerwehren. Wenn man sieht, mit welchem Engagement sie besondere Aktionen vorbereiten, unterstützt man das als Kommune sehr gern.

Apropos Feuerwehr. Da Zens keine eigenständige Wehr mehr vorhalten kann, kooperiert sie mit Kleinmühlingen.

Das war ein langes Ringen. Aber die Kameraden haben sich zusammengerauft und haben einen positiven Schritt nach vorn gemacht. Es gibt nun die Ortsfeuerwehr Kleinmühlingen-Zens. Ich freue mich auf die erste gemeinsame Jahreshauptversammlung am 17. Februar. Jeder hat erkannt – vereint sind wir stärker.

Die Bördeländer haben in diesem Jahr noch einen guten Grund zum Feiern: zehn Jahre Gemeinde Bördeland.

Ganz wichtig. Am Freitag, 16. Februar, gibt es dazu eine Festveranstaltung im Sport- und Freizeitzentrum in Eggersdorf, ein Bürgerfest. Einladungen werden verschickt. Wir rechnen mit 400 bis 500 Teilnehmern. Das Programm wird bunt mit Beiträgen von unseren Vereinen, Kitas, Chören, Singekreisen, Karnevalsvereinen mit Tanzgruppen, Traditions- und Heimatverein Östliche Börde ... Ich denke, ich werde in der Rede zu recht sagen können, dass wir uns in der Region gut positioniert haben und für die Zukunft gut aufgestellt sind. Da die Festveranstaltung auch gleichzeitig Neujahrsempfang ist, wird es - so ist es Tradition – auch Ehrungen für das Ehrenamt 2017 geben. Dann Abendessen und Tanz bis in die Nacht mit „Ventura Fox“.

Wenn Sie Wünsche frei hätten...?

Auf kommunalpolitischer Ebene, dass die Finanzausstattung im Allgemeinen auf solide Füße steht und im Speziellen die für die Sanierung der Grundschule Welsleben. Wir erhalten zwar eine Förderung von 2,6 Millionen Euro. Doch verbleiben noch 900.000 Euro bei uns, die durch eine Kreditaufnahme finanziert werden sollen. Und das bei der angesprochenen Haushaltssituation. Wir brauchen nun den Landkreis, der uns unterstützt und einer Kreditaufnahme zustimmt. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dieses Projekt als Investition in unsere Kinder und somit in unsere Zukunft im Bördeland zu sehen.

Auf zwischenmenschlicher Ebene, dass wir in Bördeland alle weiterhin gut zusammenarbeiten. Der Gemeinderat, die Ortschaftsräte, die Vereine und alle Bürger. Dass sich die Einwohner der einzelnen Orte weiterhin untereinander zu Veranstaltungen besuchen und ein faires Miteinander pflegen.