Schönebeck l Annemarie und Wolfgang Stange sind ein seit Jahrzehnten eingespieltes Team. „Er hat mir zu Hause immer den Rücken freigehalten“, sagt die 83-jährige Schönebeckerin über ihren gleichaltrigen Mann, mit dem sie in dieser Woche diamantene Hochzeit feierte. Vor allem hat er sich nach dem Fall der Mauer zu Hause um die Kinder gekümmert, als das Konzept des Hausmanns noch kaum verbreitet war. Doch mit dem Begriff hat Wolfgang Stange kein Problem, wie er sagt.

Gleichzeitig entwickelte sich Ehefrau Annemarie Stange in den 1990er Jahren zur später preisgekrönten Power-Frau, die die Städtische Wohnungsbau Gesellschaft als Geschäftsführerin und den Schönebecker Stadtrat sowie den Kreistag als SPD-Rätin ordentlich aufmischte. Ganze Bücher könnte sie über diese Zeit schreiben, sagt sie, doch sie halte sich da lieber vornehm zurück.

Salzlandfrau mit Bundesverdientskreuz

Annemarie Stange war damals in Schönebeck so viel unterwegs, dass ihre Familie mehr als einmal Scherze darüber machte, eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Belohnt wurde ihr Engagement nicht nur mit der Auszeichnung als Salzlandfrau, sondern auch mit dem Bundesverdienstkreuz für den Aufbau des Verbandes für kommunale Wohnungsgesellschaften in Ostdeutschland.

Doch auch für die Familie, Hobbys und Reisen blieb noch Zeit. Kennengelernt hatten sich die beiden 1958 im Stadtpark, schon damals ein beliebter Treffpunkt, in dem früher aber noch Live-Musik gespielt wurde. „Boogie-Woogie wurde viel getanzt, aber auch noch klassischer Walzer. Damals ging man ja noch zur Tanzschule“, erzählt Annemarie Stange. „Er war groß und sportlich und mochte mich offenbar“, sagt sie über ihren Zukünftigen, der aus Oschersleben stammte. Das kann Wolfgang Stange nur bestätigen: „Ich habe sie einmal gesehen und das hat gereicht.“ Und zwar zum Heiraten.

Ein Jahr später gaben sie sich im Schönebecker Rathaus das Ja-Wort. Im Alter von 23 Jahren, das galt damals noch als sehr spät. Die erste gemeinsame Wohnung war unter einem Dach in Bad Salzelmen, das Bad natürlich auf der halben Treppe. Schließlich kamen ein Sohn und eine Tochter auf die Welt. Sie war kaufmännische Angestellte beim Chemiewerk Hermania, er machte zunächst eine Tischlerlehre und wurde später Maschinenschlosser in einem Magdeburger Werk. Später arbeitete Annemarie Stange bei der Städtischen Wohnungsbau Gesellschaft (SWB), um nach dem Fall der Mauer auch die Geschäftsführung zu übernehmen.

Und wie bleibt man 60 Jahre lang glücklich verheiratet? „Man darf sich nie betrügen“, sagt Annemarie Stange. „Und man darf aber auch nichts runter schlucken, sondern muss seine Meinung sagen“, so ihr Mann Wolfgang. Da kann es schon mal laut werden oder die Türen fliegen. Hauptsache, danach ist alles wieder gut. „Und ohne meinen Mann hätte ich gar nicht so viel Politik machen können“, sagt sie. Wobei er sich ihre Themen immer angehört, sich selbst aber rausgehalten habe. „Das wäre sonst auch schwierig gewesen“, sagt sie.

Inzwischen hält sich Annemarie Stange aber auch selbst aus der Politik raus. „Man hat mich früher zwar immer wieder gebeten, mich weiter zu engagieren. Aber ich will mich darüber nicht mehr aufregen“, sagt sie. Jetzt seien andere dran. Und ihre Nachfolgerin als Geschäftsführerin, findet Annemarie Stange, habe die SWB gut im Griff.

Seit ihrer Rente kümmern sich die Eheleute Stange vor allem um ihren Garten hinterm Haus. Groß gefeiert wird die diamantene Hochzeit erst im Frühjahr am Kurpark, wenn Freunde und Verwandte Zeit haben. Dann kommen auch ihre beiden Kinder und ihre beiden Enkel zum Gratulieren vorbei.