Schönebeck l Schon vor mehr als 70 Jahren haben sich die jungen Leute zum Tanzen im Schönebecker Stadtpark getroffen. So war es auch bei Rosemarie und Günter Burghart, die in dieser Woche ihre Gnadenhochzeit feierten. „Am Anfang war er nicht so mein Typ. Aber dann habe ich ihn doch geheiratet“, sagt die 90-Jährige heute über ihren zwei Jahre älteren Ehemann und lacht.

Geheiratet wurde am 11. Februar 1950 im Schönebecker Standesamt. Kurz nach dem Krieg wurde nicht groß gefeiert. Das junge Paar lebte unter einem Dach mit den Eltern in der Dr.-Martin-Luther-Straße. Und tatsächlich blieb das Ehepaar 70 Jahre lang bis Anfang 2020 dort in der elterlichen Wohnung wohnen. Erst vor vier Wochen sind die beiden in das altersgerechte Wohnprojekt Anker in der Wilhelm-Hellge-Straße umgezogen. Für Rosemarie Burghart war es mit mehr als 90 Jahren der allererste Umzug in ihrem Leben.

Von Oberschlesien nach Schönebeck

Günter Burghart hingegen stammte aus dem damaligen Kreuzburg in Oberschlesien, dem heutigen Kluczbork im Süden von Polen. Als Jugendlicher begann er eine Ausbildung bei der Eisenbahn, wurde jedoch wenige Monate vor Ende des zweiten Weltkrieges noch in die Wehrmacht eingezogen. Das Ende des Krieges erlebte er verletzt im Lazarett und blieb danach noch ein Jahr in russischer Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Prag, bevor er schließlich nach Schönebeck kam, wo er dann seine zukünftige Frau kennenlernte.

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Nachdem er sich in Schönebeck eingelebt hatte, arbeitete Günter Burghart wieder bei der Eisenbahn, bis er wenige Wochen vor der Wiedervereinigung 1990 in Frührente ging. Seine Frau arbeitete als Sekretärin und Stenotypistin, unter anderem beim Energieversorger und zuletzt in der ehemaligen Komarov-Schule in Schönebeck.

In ihrer Freizeit hat das Ehepaar viel Zeit im Garten verbracht. Auch Tanzen waren die beiden immer wieder. Günter Burghart hat zudem leidenschaftlich gern Skat gespielt. Im Fernsehen schaut er bis heute viel Fußball und ist Fan des FC Bayern München. Auch Billard schaut er sich gern im Fernsehen an. Ehefrau Rosemarie spielt gern Rommé und Halma mit Freundinnen und mit den Mitarbeitern im Wohnprojekt Anker.

Erster gemeinsamer Umzug

Und einmal in der Woche fahren die beiden mit ihrem Sohn Heinz-Günter ins Restaurant zum Essen. Besonders gern besuchen sie griechische Lokale. Zum Hochzeitstag feierte das Ehepaar nun mit Familie und Freunden in ihrer neuen Wohnung.