Schönebeck

Jubiläum der Grünen Damen

Etabliert haben sich inzwischen die Grünen Damen.

Von Kathleen Radunsky-Neumann 19.08.2015, 21:49

Schönebeck l „Das ist ja wie mit den 13 guten Feen im Märchen“, sagt Guido Lenz, Direktor am Ameos-Klinikum Schönebeck. Mit diesen lobenden Worten meint er die Grünen Damen, die seit nunmehr zehn Jahren das Schönebecker Klinikum regelmäßig aufsuchen und den Patienten Beistand bieten. 13 Namen stehen auf der Liste und damit sind das für Lenz 13 Feen. Ein Synonym, das er zurecht verwendet. Denn aus dem Klinikalltag sind die Grünen Damen inzwischen kaum noch wegzudenken.

„Als wir damals angefangen haben, wurden wir von manch einem noch belächelt“, sagt Gudrun Schedler, die das Projekt, das beim Schönebecker Stadtseniorenrat angesiedelt ist, mit aus der Taufe gehoben hat. Vorbild waren damals die Grünen Damen der evangelischen Kirche. Doch die Leitsätze der konfessions- und parteilosen Schönebecker Version sind freilich individuell gestrickt.

„Jede Grüne Dame ist einer Abteilung zugewiesen“, erklärt Gudrun Schedler. Regelmäßig, meist an einem bestimmten Wochentag, besucht die Grüne Dame die Station und hat ein offenes Ohr für die Patienten. „Genau das ist es ja, was die Schwestern und Ärzte zeitlich nicht leisten können“, begründet Gudrun Schedler.

Weil sie sozusagen „nur“ zum Quatschen auf Station gehen, wurde das „Grüne“ Angebot anfangs nicht von jedem für voll genommen. „Das hat sich inzwischen geändert“; schätzt die 73-Jährige ein. „Meist wird uns direkt zu Beginn des Besuches schon ein Hinweis gegeben, in welchem Zimmer wir eventuell am meisten gebraucht werden“, berichtet Gudrun Schedler aus ihrem und dem Alltag ihrer Kolleginnen.

Sie ist stolz auf ihr Team. Auch wenn von den Gründungsmitgliedern nur noch zwei aktiv sind, so wurden die freien Stellen immer wieder durch nachkommende Mitglieder besetzt. Und so sind es inzwischen nicht einmal mehr die anfangs genannten 13 Feen, sondern sogar schon 14. Die Liste im Krankenhaus, auf die sich Guido Lenz bezog, war noch nicht auf dem letzten Stand.

Das Projekt der Grünen Damen ist ein Erfolgsprojekt. Nicht umsonst betreuen drei Grüne Damen beispielsweise die Bewohner in den Altenheimen Burghof und Magdalenenhof. Auch in der Human-WG, einer Art Hospiz von der Bürgerstiftung Salzland - Region Schönebeck, wollen sich die Grünen Damen einbringen.

Das Krankenhaus soll dabei aber nicht vernachlässigt werden. Das Projekt wird eher ausgeweitet. Für Gudrun Schedler steht es auch außer Frage, ihre Station, die Wöchnerinnen, zu verlassen. Jeden Mittwochvormittag geht sie in die Frauenklinik. Kürzlich tat sie das sogar zum 400. Mal. Ein kleines, aber nicht zu verachtendes Jubiläum. Das ist Grund genug für den Krankenhausdirektor, den beiden Damen für ihren Einsatz zu danken. „Heute sind die Grünen Damen zu einem unverzichtbaren Teil der Klinik geworden“, sagt er.

So wie Gudrun Schedler kann auch Eva-Maria Scherf, die sich seit zehn Jahren auf der viszeralen Chirurgie engagiert, auf dieses Jubiläum sehen. Beide führen Buch über ihre Einsätze. Aus einem ganz einfachen Grund: „Wir alle erhalten einen Versicherungsschutz. Für den Fall der Fälle brauchen wir einen Nachweis“, erklärt Gudrun Schedler. Dank dieses Buches kann sie mitteilen, dass sie ihren ersten Einsatz in der Frauenklinik am 10. Januar 2006 hatte.

In der Regel verbringt sie drei bis vier Stunden auf der Wöchnerinnenstation. Dabei hat die Grüne Dame nie die Uhr im Hinterkopf. „Das spüren die Patienten“, sagt Gudrun Schedler. Sie hat nicht nur ein offenes Ohr für die Frauen, die Patientinnen profitieren ebenso von ihrem Hilfsnetzwerk. Eines der Ziele der Grünen Damen sei es, den Patienten ihren Weg in den Alltag zu ebnen. Das sei zudem ein Grund, weshalb Gudrun Schedler daran festhält, das jede Grüne Dame ihre eigene Abteilung hat. Das sei Kontinuität und die Helferinnen können von ihren eigenen Erfahrungen profitieren, „da sich manche Probleme doch immer wieder gleichen“, erklärt sie.

Von der Routine müsse jedoch auch Gudrun Schedler ab und an abweichen. Das sei der Fall eines Kindstodes. „Dann bin ich bereit, die Last von anderen auf mich zu nehmen, aber ich erlaube mir dann auch, mit der Mutti oder allein zu weinen“, berichtet sie. „Am Ende bin ich auch nur Laie“, sagt sie.

Solch ein Schicksalsschlag nehme sie mit, den zu verarbeiten, benötigt die erfahrene Grüne Dame bei jedem Kindstod einige Zeit. Das ist auch ein Grund, weshalb Gudrun Schedler ihre Kollegin Regina Heymann bewundert. „Auf der Onkologie hat sie ständig mit dem Tod zu tun“, sagt Gudrun Schedler.

Nichtsdestotrotz können sich die Grünen Damen die Situationen nicht aussuchen, in die sie sozusagen bei ihrem Einsatz geraten. Um mit den einzelnen Schicksalen richtig umzugehen und sich selbst damit nicht zu sehr zu belasten, treffen sich die Ehrenamtlichen alle zwei Monate zu einer Weiterbildung. Und einmal im Jahr fahren die Damen für ein verlängertes Wochenende weg, um sich dann von der Psychologin Christiane Keller-Zimmermann zusätzlich mit fachlichen Tipps zu bereichern. Diese gelernten Strategien helfen jeder Grünen Dame, ist Gudrun Schedler überzeugt - sie bieten eine Art Sicherheit im Umgang mit den Patienten und ihren Problemen. Wichtig sei für die Ehrenamtlichen bei ihrem Selbstverständnis ein Leitsatz: „Wir können nicht die Welt retten, aber in der jeweiligen Situation helfen.“

Interessenten können sich beim Stadtseniorenrat unter Telefon (03928)42 41 41 melden.