Schönebeck l Gegen eine mögliche Schließung des Awo-Jugendclubs Rainbow demonstrieren am Mittwoch mehrere Träger der Jugendhilfe. Der Demonstrationszug verläuft ab 16 Uhr vom Jugendclub Treff Rainbow zum Soziokulturellen Zentrum Treff in der Wilhelm-Hellge-Straße. „Die Politik muss die Finanzierung von Jugendclubs dringend überdenken, sonst werden bald immer mehr Einrichtungen schließen“, sagte Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin der Awo Schönebeck, die neben dem Jugendclub Rainbow auch den Teen Club in Calbe betreibt.

Für das laufende Jahr fehlen den Jugendclubs der Awo immer noch rund die Hälfte ihrer Personalkosten. Denn über die Vergabe eines neuen EU-Förderprogramms ist bis heute noch nicht entschieden worden. Die Folge: „Unsere Mitarbeiterin in Schönebeck hat gekündigt, weil sie nicht nur halbtags arbeiten möchte. Unsere Mitarbeiterin aus Calbe muss nun beide Einrichtungen abdecken“, sagte Ines Grimm-Hübner. Das sei aber nur eine Übergangslösung.

Mehr als nur Bespaßung

Denn eigentlich sollen beide Jugendclubs die ganze Woche über geöffnet bleiben. „Es geht nicht nur um die Bespaßung von Kindern. Wir müssen intensive pädagogische Arbeit leisten“, sagte Ines Grimm-Hübner. Denn bei den jungen Besuchern handele es sich in vielen Fällen um Jugendliche aus sozial schwachen Familien mit intensivem Betreuungsbedarf. Daher werde für beide Jugendclubs der Awo in Schönebeck und Calbe jeweils eine Vollzeitkraft benötigt.

Und das sollten in der Regel studierte Sozialpädagogen oder ähnliche Fachkräfte sein. Von der Lösung aus Staßfurt, wo Langzeitarbeitslose in den Jugendclubs mithelfen sollen, hält die Schönebecker Awo-Chefin daher überhaupt nichts. „Manche Politiker denken, es braucht nur jemand zum Aufschließen der Einrichtungen. Aber da gehört schon ein bisschen mehr dazu“, sagte Ines Grimm-Hübner.

Ohne zusätzliche Förderung für entsprechendes Personal wird die Awo daher gezwungen sein müssen, eine der beiden Einrichtungen in Schönebeck oder in Calbe zu schließen. Die Geschäftsführerin fordert daher, dass aus der freiwilligen Aufgabe Jugendarbeit endlich eine Pflichtaufgabe für die Kommunen wird. „Dann können die Gemeinden die Arbeite auch unterstützten, ohne dass die Kommunalaufsicht ständig Druck für Kürzungen macht“, sagte Ines Grimm-Hübner. Hier sei allerdings die Landespolitik gefordert, um eine Änderung herbeizuführen. Nicht zuletzt müsse das Land Sachsen-Anhalt auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Jugendarbeit sicherstellen.

Allzu große Hoffnungen macht sich Ines Grimm-Hübner allerdings nicht mehr. „Wir werden wohl mit unserer Demonstration nicht allzu viel erreichen. Allerdings sind wir es den Jugendlichen schuldig, dass wir noch einmal deutlich auf das Problem aufmerksam machen. Sonst wundern sich am Ende alle, wenn die Jugendclubs zu machen“, sagt sie. Klar sei aber auch: „Wir brauchen weitere Partner für die Personalkosten.“ So würden die Jugendclubs in Zukunft noch stärker auf Spenden und Kooperationen mit Unternehmen angewiesen sein.

Für die Demonstration haben sich auch der Verein Rückenwind, der CVJM und die Volkssolidarität angekündigt. Im Anschluss gibt es gegen 16.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Soziokulturellen Zentrum Treff mit Vertretern der Jugendarbeit, Politik und Jugendlichen.

Treffpunkt für die Demonstration für den Erhalt des Jugendclubs Rainbow ist die Otto-Kohl-Straße, Mittwoch, 16. Uhr.