Jan Michael Horstmann

Vor 50 Jahren wurde Jan Michael Horstmann in Frankfurt am Main geboren. Sein Dirigierstudium absolvierte an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Klauspeter Seibel. Danach arbeitete er zunächst am Tanztheater in Wuppertal.

In Mitteldeutschland ist Horstmann vor allem durch seine Tätigkeit am Theater Magdeburg bekannt. Dort war er von 1996 bis 2004 stellvertretender Generalmusikdirektor. Horstmann war zuletzt Operndirektor das Landesbühnen Sachsen in Radebeul bei Dresden.

Das Multitalent ist Dirigent, Cembalist, Pianist, Moderator, Regisseur und Chansonnier. Gastspiele führten ihn zudem nach Spanien, Schottland, Japan, Brasilien sowie den Niederlanden.

Für die Kammerphilharmonie möchte er vor allem Werke auswählen, die auch zu dem etwas kleinen Orchester passen. Termine für seine bekannten Chanson-Abende gibt es in Schönebeck noch nicht, sollen aber möglicherweise noch folgen. (ji)

Schönebeck l Jan Michael Horstmann ist angekommen. Zumindest fast. In diesen Wochen muss der neue Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie noch mit einer Übergangswohnung vorlieb nehmen, bis er im Oktober mit seiner Familie endlich in die neue Traumwohnung in Bad Salzelmen einziehen kann. Schon die Tatsache, dass er nicht etwa in Magdeburg wohnt, sondern in fußläufiger Entfernung zum Dr.-Tolberg-Saal, hat ihm vorab viel Lob eingebracht in Schönebeck. So kann man auch Teil des gesellschaftlichen Lebens in Schönebeck werden.

In dieser Woche nun hat Horstmann sein Programm für die neue Spielzeit vorgestellt. Es trägt den internationalen Titel „Willkommen – bienvenue – welcome“, was nicht nur zum neuen Chefdirigenten passt, sondern sich auch auf das weltläufige Programm bezieht.

Musikalische Weltreise

Schon allein das Programmheft wirkt neu und frisch, erinnert mit zahlreichen Fotos von Sehenswürdigkeiten aus der ganzen Welt eher an einen Reiseführer als an ein klassisches Orchesterprogramm und macht Lust auf mehr. Tatsächlich will Jan Michael Horstmann, der das Programm in den vergangenen Monaten entwickelt hat, die Besucher mit auf eine musikalische Weltreise mit um den Globus nehmen.

„Ich bin sehr froh, dass wir mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie auch inhaltlich arbeiten können“, sagt Horstmann. Sprich: „Nicht nur ein paar schöne Stücke hintereinander spielen“, sondern sie mit einem roten Faden verbinden und eine Geschichte erzählen. Da sind zunächst die großen „Festlichen cammerphilharmonischen Concerte“, jeweils mit einem C, die die Besucher musikalisch mitnehmen an den Hof Versailles, nach Sanssouci oder zur Freiheitsstatue und jeweils verschiedene Komponisten thematisch miteinander verbinden. Da treffen dann schon mal Joseph Haydn und Béla Bartok aufeinander.

Auch die sogenannte „entartete“ oder verfemte Musik soll immer wieder ihre Rolle spielen. Und dann soll es auch immer wieder Stücke geben, die die Zuschauer von den Stühlen reißen. „Der Saal soll toben“, sagt Jan Michael Horstmann, und es wird nicht ganz klar, ob er das im übertragenden oder tatsächlich im wörtlichen Sinn meint.

Ein neuer Zugang

Noch lockerer geht es bei den „Großen Unterhaltungs-Concerten“ zu. Unter dem Motto „Agthe X“ lösen der Komponist Carl Christian Agthe und sein Assistent Trazom (der wohl nicht ganz zufällig das Ananym eines weiteren Komponisten darstellt) gemeinsam musikalisch Kriminalfälle in der ganzen Welt. Die Reise geht in die USA und nach Portugal, es wird weihnachtlich und selbst die Rockband Led Zeppelin und Filmmusiken aus „Star Wars“ und „Fluch der Karibik“ finden ihren Platz.

Nicht zuletzt will Horstmann dem Publikum damit einen ganz neuen Zugang zur klassischen Musik bereiten. Und so begeistert und begeisternd Horstmann vom Programm berichtet, möchte man eigentlich noch mehr hören.

Und tatsächlich wird Horstmann bereits vor Beginn der großen Konzerte 45 Minuten lang Einführungen geben. Für alle Besucher, die interessiert sind und ein bisschen eher kommen. Das soll ganz allgemeinverständlich sein, „nicht professoral oder nur für Musikwissenschaftler“, wie er verspricht. Und so wie Horstmann von der Musik spricht, dürften diese Veranstaltungen wohl bald sehr gut besucht werden.

Für Neubürger

Dann plant der neue musikalische Direktor auch eine Reihe mit Neubürger-Konzerten, und das gleich im doppelten Sinnen. So möchte er etwa Flüchtlinge zu den Generalproben einladen, damit sie, wie so oft gefordert, die europäische und deutsche Kultur kennenlernen können.

Neubürger Nummer zwei: Es soll tatsächlich Baby-Konzerte geben, bei denen Eltern mit ihren Kleinkindern auf Matratzen im Dr.-Tolberg-Saal Platz nehmen können, um der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie zu lauschen. Auch das Lieblingskuscheltier darf gern mitkommen.

Denn wie Horstmann in seiner eigenen Familie festgestellt hat, reagieren auch kleine Kinder ganz besonders auf Live-Musik. So sind seine kleinen Zwillinge gerade neu Monate alt. Im Programmheft finden sich noch keine Termine. Interessierte können sich allerdings im Büro der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie melden.

Den ersten Auftritt des Orchesters gibt es am Freitag kostenlos zur Spielzeiteröffnung des Bernburger Theaters. Am Sonnabend wird es im Ringheiligtum Pömmelte mit „In Brudersphären Wettgesang“ das erste Konzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie mit Jan Michael Horstmann geben. Am alten Ringheiligtum wird sich musikalisch alles um Planeten, Sternbilder und die Entstehung des Universums drehen.