Schönebeck l Für das Sinfoniekonzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie in der Vorweihnachtszeit hatte sich Chefdirigent Gerard Oskamp erneut etwas ganz Besonderes ausgedacht. Auf das kommende Fest soll dieser Abend einstimmen, Freude über die Geburt Christi wecken, fernab von Hektik, Stress und Konsumrausch. Das Programm führte den roten Faden um bekannte Werke und große Solisten fort und thematisierte ein Instrument, das der Bad Salzelmener Dr.-Tolberg-Saal nicht ganz so oft erlebt: die Harfe. Drei junge Solistinnen, Martina Antognozzi, Ula Mlakar und Hana Hrachovinová, allesamt Meisterstudentinnen der Harfenvirtuosin Jana Boušková verzückten für zwei Stunden das Schönebecker Publikum.

Vielseitiges Spiel

Der Abend begann mit dem Harfenkonzert B-Dur HWV 294 von Georg Friedrich Händel. Etwa 1736 als Harfeneinlage für das Oratorium „Das Alexanderfest“ entstanden, diente es zur Illustration des Gesanges des griechischen Sängers Timotheus. Martina Antognozzi agierte flexibel in diesem Charakter, sie sang virtuos, filigran und entlockte ihrem Instrument ein reichhaltiges Klangkolorit von weich und warm bis glockenhell – allseits plastisch und sehr lebendig. Perlende Läufe machten Engelshaar sichtbar, zart und fein, aber auch wallend und kräftig. Ebenso fiel die Begleitung des Streichorchesters aus, einfallsreich und flexibel. Die Zuschauer jubilierten bereits hier und gaben sich im Anschluss ganz den „Deux danses pour Harpe“ von Claude Debussy hin, interpretiert von Ula Mlakar.

Wer hier die Augen schloss, konnte sachten Tanzschritten nachspüren, die sich auf samtenen Orchestergrund bewegten, sogar zeitweise schwebten. Schön auch hier die lebendige Gestaltung von Ula Mlakar, die sowohl die Dramatik des Stückes in Szene zu setzen wusste, als auch die opulente Farbenpracht der Harfe. Farbig auch Oskamps Begleitung, immer das Solo-Instrument ins rechte Licht rückend. Der Rezensentin Favorit erklang vor der Pause. Mit Maurice Ravels „Introduction et allegro“ ertönte Kammermusik vom Feinsten. Ula Mlakar agierte auch hier mit Hingabe und erzeugte wirkungsvolle Spannungsbögen. Der Zuhörer erfreute sich an zarten Läufen wie Meeresrauschen, Gläser schienen zu klingen. Die sechs Damen und Herren (Flöte/Klarinette/1.Violine/2.Violine/Viola/Violoncello) der Kammerphilharmonie musizierten sehr beweglich und ausdrucksvoll.

Maestro ließ es feurig pulsieren

Nach der Pause erklang das Konzertstück c-Moll op. 122 für Harfe und Orchester von Nicolai von Wilm. Die Solistin Hana Hrachovinová wartete mit vollem, runden Klang auf; virtuos und ganz beseelt. Und wie sie sang! Mal vor sattem Streichergrund, mal mit zauberhaftem Hörnerklang. Die Kammerphilharmoniker kosteten ihren spielfreudigen Übermut voll aus und begleiteten höchst opulent.

Mendelssohns Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90, auch als „Italienische“ bekannt und beliebt, beendete diesen wunderbaren Abend. Das Schönebecker Orchester präsentierte sich extrem wach und punktete mit farblich starken Holzbläsern. Erstaunlich, wie wendig und geschmeidig das Ensemble während Oskamps rasanten Flug durch die beiden Ecksätze mitgestaltete. Maestro ließ es feurig pulsieren, verwischte gar das eine oder andere Detail. Der Zuhörer labte sich indes an den beiden schön gestalteten Mittelsätzen und stimmte am Ende in den langen verdienten Applaus ein.