Welsleben l Hans-Jürgen Korn strahlt über beide Ohren. Endlich geht es weiter mit der Renovierung „seiner“ Kirche. Der Ortsbürgermeister von Welsleben und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates ist stolz auf die bisher geleistete Arbeit in der Kirche. „Das Dach und der Putz wurden schon mit vorherigen Zuwendungen saniert und 2012 fertig gestellt, und der Innenputz und der Fußboden wurden danach noch ausgebessert“, erklärt Hans-Jürgen Korn.

„Jetzt haben wir den Zuwendungsbescheid für die Sanierung der Empore, des Altars, der Beleuchtung und der Kirchenbänke zugesendet bekommen“, so Korn weiter. Doch wieso sind schon einige der Bänke fertig gestellt? Und warum erstrahlt der Altar bereits wieder mit goldenen Farben?

Auf eigenes Risiko

„Wir haben einen vorzeitigen Maßnahmebeginn beantragt“, erläutert Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Korn. Da der Bewilligungsbescheid für die Zuwendungen der Leader-Aktionsgruppe noch ein wenig auf sich warten ließ, haben die Verantwortlichen der Kirchengemeinde auf eigenes Risiko schon zu arbeiten angefangen. „Bei Leader-Projekten ist es ja bekanntlich so, dass wir die Summe immer erst vorfinanzieren müssen und wir diese danach zum Teil zurück bekommen“, so Korn.

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Knapp 90 000 Euro musste die Kirche erstmal also bereit legen. „Das Geld kommt vom Kirchenkreis Egeln. Ein Topf, in den alle Kirchen dieser Region Geld einzahlen, wurde dafür verwendet“, erklärt Korn weiter. Das Geld stammt nach eigenen Aussagen des Welslebener Dorfoberhauptes zum größten Teil aus eingenommenen Ackerpachten der Gemeinden. „80 Prozent der Ausgaben bekommen wir nun wieder“, weiß Korn weiter. „20 Prozent müssen wir selbst zahlen.“

Währenddessen arbeitet nur ein paar hundert Meter weiter Frank Froese an den neuen Sitzbänken für die Kirche. „Allein für den Prototyp der Bank haben wir etliche Wochen und Monate gebraucht“, erzählt er mit einem Lachen. „Die Denkmalbehörde wollte, dass die neuen Bänke möglichst ähnlich wie die alten aussehen. Und die Verantwortlichen der Gemeinde hatten auch ganz eigene Vorstellungen“, so Tischlereimeister Frank Froese aus Welsleben. Nicht ganz zu Unrecht standen die Bänke zur großen Debatte. Die alten Sitzgelegenheiten, immerhin gut 100 Jahre alt, besaßen kaum Sitzfläche, waren unbequem und hart.

Bequeme Bänke

„Früher standen die Besucher der Kirche bloß. Luther machte dann die Predigt zum Hauptelement des Gottesdienstes und wollte gleichzeitig, dass die Leute nicht so lange stehen müssen. Also waren Bänke die Folge, auf denen zwar gesessen werden konnte, aber die so unbequem waren, sodass man nicht einschlief während der 60-minütigen Predigt“, weiß Hans-Jürgen Korn. Dies behielt man für Jahrhunderte so bei. Auch das dunkle Holz, aus denen die Bänke lange Zeit gefertigt wurden, findet heute keinen Platz mehr in der modernen Kirche. Ein helles, freundliches Grau ist nun an der Reihe. „Neu sind auch die runden Einstiege, welche die Bänke auf für Geh-Behinderte Personen zugänglich machen, die größere Sitzfläche und die leicht geneigte Rückenlehne“, so Froese weiter. Insgesamt 39 Bänke müssen angefertigt werden. 26 Kleine und 13 Große. „Dafür benötigen wir in etwa fünf Kubikmeter Holz“, erklärt Froese. „Und alles in Handarbeit.“ Nach eigenen Angaben brauchen Frank Froese und seine Mitarbeiter knapp 40 Stunden für eine einzelne Bank. Egal ob groß oder klein. „Die Arbeitsschritte sind da ja die gleichen“, weiß der Tischlereimeister. Folglich stecken allein in den Sitzbänken schon mehr als 1400 Stunden an Schweiß, Muskelkraft und millimetergenaue Filigranarbeit.

Gut, dass da schon einige fertig gestellt worden sind. Und auch die erste Generalprobe hat zumindest der Prototyp hinter sich. Zur Diamantenen Hochzeit des Seniormeisters der Tischlerei, also der Vater von Frank Froese, saßen Braut und Bräutigam wie frisch verliebt auf der Bank. „Hat alles gehalten“, grinst Frank Froese zufrieden.

Und tatsächlich, die neuen knapp 60 bis 80 Kilogramm schweren Sitzbänke stehen auch ohne Verankerung sicher auf dem Boden. „Das wollten wir aus dem Grund, da wir die Bänke auf für verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte und Aufführungen gerne verrücken möchten“, so Korn weiter. Und noch eine Besonderheit werden die Besucher im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren bekommen. „Wir haben Steckdosen im Boden eingebaut, sodass wir die Sitzheizungen, die unter den Bänken installiert werden sollen, in Betrieb nehmen können“, freut sich Hans-Jürgen Korn.

Zu DDR-Zeiten verwittert

Damit geht so langsam ein trauriges Kapitel der St.-Pankratius-Kirche in Welsleben zu Ende. Zu DDR-Zeiten verwitterte das Gotteshaus mehr und mehr. Erst nach der Wende wurde sich wieder um den Erhalt der Kirche gekümmert. Dabei ist sie für Kirchenkenner und Architekturprofis eine kleine Besonderheit. Entgegen der normalerweise üblichen Kirchenbauweise schließt sich das Kirchenschiff an der westlichen Seite des Turms an. Zudem ragt es an der Südseite des Turms heraus. „Das Kirchenschiff steht also genau auf der falschen Seite“, wundert sich Korn. Ursprünglich sind Fachleute davon ausgegangen, dass es ein Kirchenschiff auf der anderen Turmseite gegeben hatte, welches abgebrannt sei. Bei Bauarbeiten wurde aber deutlich, dass das Kirchenschiff älter als der Turm sei, sagt er. Damit ist die Theorie hinfällig.

Nichtsdestotrotz ist auch der Kanzelaltar im Inneren beinahe vollständig saniert. Auch hier gibt es erneut eine Besonderheit. „Die Altarplatte war ursprünglich eine Grabplatte vom Ritter Fritz aus Welsleben. Diese wurde dann einige Jahrhunderte später als Altar umfunktioniert“, so Korn.

Und auch die gegenüberliegende Empore ist frisch renoviert worden. „Früher gab es aus Platzgründen sogar zwei Holzemporen. Heute benötigen wir aber keine Mindestanzahl an Sitzplätzen mehr, daher wurde die zweite Empore schon vor vielen Jahren abgerissen“, weiß der Ortsbürgermeister. „Die untere Empore ist geblieben und wurde schon wieder neu bemalt.“

Gottesdienst zu Weihnachten

Bis Weihnachten soll die Kirche weitestgehend fertig sein. Dann soll der Gottesdienst, der zuvor in der ebenfalls sich im Umbau befindenden Sporthalle stattfand, in der Kirche abgehalten werden. „Spätestens bis zum 29. Februar müssen wir dann fertig sein. Das sind die Vorgaben für die Förderung“, erläutert Hans-Jürgen Korn.

Nun sollen, soweit die letzten Zuwendungsbescheide eingetroffen sind, noch einige Fenster und weitere Restarbeiten gemacht werden. Bis dahin wird von Seiten der Gemeinde um Spenden für einzelne Bänke gebeten. „Mit der Aktion Nimm-Platz möchten wir die Kosten für beispielsweise die Sitzkissen finanzieren“, so Korn. „Jeder Spender kann symbolisch eine Sitzbank kaufen und erhält im Gegenzug eine Erwähnung auf einer Tafel.“