Calbe l Das Geschirr um die kleine angedeutete Feuerstelle vor der Kindertagesstätte „Märchenland“ steht noch vor den kleinen Sitzgelegenheiten aus Baumstämmen. Viele abwechslungsreiche und spannende Stunden haben Generationen von Calbensern in der Einrichtung erlebt. Ein Vierteljahrhundert kümmerten sich die Johanniter um die Mädchen und Jungen in der Saalestadt in einer von fünf Einrichtungen. Der Pachtvertrag für das zweistöckige Gebäude in der Magdeburger Straße war von der Stadt einst auf 25 Jahre befristet worden.

Zum Ende des Pachtvertrages kamen gleich mehrere Dinge auf die kleinste Kindereinrichtung der Saalestadt zu. So betrachtete die Kreisverwaltung den baulichen Brandschutz als nicht mehr gewährleistet. Die Behörde forderte den Anbau einer Treppe als zweiten Rettungsweg aus dem Obergeschoss. Denn nur eine Treppe steht in dem Haus zur Verfügung. Über Jahrzehnte, sagt Stephan Klauert, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, sei die Behörde davon ausgegangen, dass die Feuerwehr im Brandfall die Menschen aus der oberen Etage mit Leitern sicher retten könne. Zeitlich fiel die Entscheidung der Kreisverwaltung in die Diskussion im Calbenser Stadtrat über einen neuen Pachtvertrag mit den Johannitern.

Mehr als genug Kita-Plätze

In Zukunft, so legte eine Vorlage für den Stadtrat seinerzeit dar, könne die Kommune auf die Einrichtung verzichten. In der Stadt halten die Kindertagesstätten bereits jetzt viel mehr Plätze vor, als in Anspruch genommen werden. Die Schließung der Kindertagesstätte „Märchenland“ habe auf die Betreuung der Kinder keine Auswirkungen. Allerdings, sagt Stephan Klauert, verändere sich die Trägerlandschaft. Die Johanniter betrieben die einzige Einrichtungen mit einem christlich geprägten Konzept. „Ich finde es sehr schade, dass die Einrichtung nun schließen musste“, sagt er rückblickend. Stephan Klauert schwebte immer eine andere Lösung vor. Dass die Kommune die Zahl der Plätze reduzieren wolle, habe er immer nachvollziehen können, erklärt er. Doch hätte die Stadt das gleiche Ziel auch auf andere Weise erreicht, indem sie bei allen Einrichtungen die Kapazität reduziert hätte.

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Darüber sei er mit der Stadt leider nicht ins Gespräch gekommen. Es habe aus seiner Erinnerung heraus immer nur die eine Lösung gegeben, bedauert er. In den kommenden Wochen räumen die Johanniter das Haus aus. Ein Teil der Einrichtung werde in andere Kindertagesstätten der Johanniter gehen, kündigt er an. Der andere Teil werde entsorgt. Bis zum Monatsende habe die Hilfsorganisation Zeit, das Haus zu räumen. Die Mitarbeiter des Hauses sind nun in anderen Einrichtungen untergekommen. Zwei Mitarbeiter hätten sich bei anderen Trägern erfolgreich beworben, zwei Mitarbeiter werden in anderen Häusern der Johanniter beschäftigt, sagte er.

Noch weht die Fahne der Hilfsorganisation vor dem Haus. Doch die Tage sind gezählt.

Interessent springt ab

Die Kinder des Hauses sind in anderen Einrichtungen untergekommen. Frühzeitig dürfen die Vorschulkinder bereits den Hort besuchen. Die Stadt hatte den Johannitern noch angeboten, die Kindertagesstätte einen Monat länger zu betreiben, damit die Vorschulkinder nicht noch für einige Wochen in eine andere Einrichtung wechseln müssen. Dankend hatten die Johanniter aber das Angebot abgelehnt.

Nun gehen die Vorschulkinder jetzt bereits in den Hort der Grundschule. Die anderen Vorschulkinder werden dann in einigen Wochen folgen, wenn für sie die Kindergartenzeit endet.

Noch während der Diskussion im Stadtrat hatte Bürgermeister Sven Hause eine Nachnutzung des Kindergartengebäudes in Aussicht gestellt. Allerdings wollte er sich öffentlich nicht zu dem Interessenten äußern. Als das Thema bei der letzten Sitzung des Sozialausschusses von einem Stadtrat angesprochen wurde, hieß es vom Bürgermeister, dass die geplante Nachnutzung des Gebäudes wohl nicht erfolge. Der Interessent habe offenbar kein Interesse mehr. Wer der Interessent an dem Objekt war, ist weiterhin bislang unbekannt.