Schönebeck l Wurde ein 34 Jahre alter Mann in einer Schönebecker Shisha-Bar grundlos zusammengeschlagen? Oder war der Schönebecker wegen gesundheitlicher Probleme und starkem Alkoholkonsums in dem Lokal in der Friedrichstraße im Februar 2018 von selbst zusammengebrochen? Diese Fragen sollte das Amtsgericht Schönebeck in diesen Tagen klären. Doch eineinhalb Jahre später ließen sich die Ereignisse vor Gericht kaum noch nachvollziehbar rekonstruieren. Und so endete der Prozess gegen einen 24-jährigen Schönebecker wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht am Mittwoch mit einem Freispruch.

Was war geschehen? Aus Sicht des 34 Jahre alten Geschädigten aus Schönebeck war es im Januar 2018 in der Shisha-Bar in der Friedrichstraße zu einem handfesten Streit zwischen ihm und den Angeklagten gekommen sein. Demnach soll sich die Begleiterin des Angeklagten über den Geschädigten lustig gemacht haben, wie der Mann beim Prozessauftakt Ende August vor Gericht aussagte. Als der Geschädigte sie daraufhin zur Rede stellte, soll er von dem Begleiter der Frau einen Faustschlag ins Gesicht bekommen haben. Beide Männer sind Deutsche.

Tritte gegen Mann am Boden?

Daraufhin soll er in der Shisha-Bar mit einem epileptischen Anfall zusammengebrochen sein. Der Angeklagte soll noch auf den Wehrlosen am Boden eingetreten haben. Zumindest sieht es so der Staatsanwalt. Bei den Tritten gelten die Schuhe des Angeklagten als gefährliches Werkzeug, so dass die Tat vor Gericht nicht mehr als einfache, sondern stattdessen als gefährliche Körperverletzung verfolgt wird. Was wiederum im Falle einer Verurteilung ein höheres Strafmaß zur Folge hätte. Zu guter Letzt soll ein Begleiter des Angeklagten den Geschädigten vor der Shisha-Bar auf die Straße gelegt haben. Zu einem Unfall war es dort aber glücklicherweise nicht mehr gekommen.

Der Angeklagte war bei dem Prozess am Amtsgericht Schönebeck allerdings auch keine besonders große Hilfe mehr bei der Aufklärung der Ereignisse. So machte der Mann von seinem Recht zu schweigen Gebrauch und verweigerte die Aussage. Das sei sein gutes Recht, wie der Richter am Amtsgericht betonte.

Auch die Zeugen konnten nur wenig dazu beitragen, die Auseinandersetzung an dem feucht-fröhlichen Abend vor eineinhalb Jahren aufzuklären. Einer der Bekannten des Angeklagten betonte, dass er am Tatabend gar nicht in der Shisha-Bar gewesen sei, auch wenn er dort ansonsten dort gelegentlich Gast ist. Wieso sein Name in den Ermittlungsakten der Polizei aufgetaucht ist konnte sich der Zeuge nicht erklären. Wie sich im Laufe des Verfahrens allerdings noch herausstellen sollte, hat er jedoch einen Bruder. Der war offenbar am Tattag auch vor Ort in der Shisha-Bar in Schönebeck.

Wer hat den Streit angezettelt?

Ein weiterer Begleiter des Angeklagten sagte ebenfalls als Zeuge aus. Seinen Angaben zufolge soll der Geschädigte selbst die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern angezettelt haben. Er soll sich sogar bereits beim Eintreffen des Angeklagten lautstark mit anderen Gästen in der Shisha-Bar gestritten haben. Worum es in den Auseinandersetzungen gegangen ist, konnte der Zeuge nach so langer Zeit allerdings nicht mehr sagen.

Im Lauf des Streits in der Shisha-Bar soll der Geschädigte schließlich einen epileptischem Anfall erlitten haben und zusammen gebrochen sein. Ganz ohne Schläge des Angeklagten oder sonstige Einwirkungen von außen, so der Zeuge vor Gericht. Danach habe er den Mann mit einem weiteren Begleiter nach draußen vor die Shisha-Bar gebracht, damit er an der frischen Luft atmen kann. Schließlich habe er sich nicht mehr um den Geschädigten gekümmert und sei zurück in die Bar gegangen.

Nachdem der erste Prozesstag ohne Urteil zu Ende gegangenen war, hatte der Richter für diesen Mittwoch zu einer weiteren Zeugenvernehmung geladen. Doch auch der Bruder des ersten Zeugen konnte sich nicht mehr an den Verlauf des Abends erinnern. Neue Erkenntnisse erbrachte der zweite Verhandlungstag damit nicht. In Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung verkündigte der Richter daher einen Freispruch. Denn die Tat sei dem Angeklagten nicht mehr nachzuweisen.