Bierer Gartenverein lockt mit Mini-Pacht in die Gärten

Kommen Kleingärten bei Bürgern wieder in Mode?

Von Thomas Höfs

Im Bierer Gartenverein Erholung gibt es bei der Vorstandswahl Kontinuität. Der alte und neue Vorstand sieht die Hauptaufgabe in der Gewinnung neuer Mitglieder.

Biere l Als der Mangel in den Gemüseläden zum Ende der DDR regierte, waren die Kleingärten beliebt und gefragt. Auf dem eigenen Stück Erde bauten viele Obst und Gemüse an und wurden so teilweise zu Selbstversorgern. Mit dem Mauerfall schwemmte Obst und Gemüse in bislang unbekannten Mengen in das Land. Für die Selbstversorgung musste sich niemand mehr krumm machen.

Der Obst- und Gemüseanbau ist wieder zu einem aufwändigen Hobby geworden, sagt der Vorsitzende des Bierer Gartenvereins Erholung, Dieter Wiemann. Die Erholung stehe bei den meisten Mitgliedern allerdings deutlich im Vordergrund. Trotzdem habe der Verein mit dem demografischen Wandel sowie der Verlagerung der Interessen zu kämpfen, meint er weiter.

160 Gärten hat der Verein, den es seit 1927 gibt, zu vergeben. Bei nur 105 Mitgliedern wird deutlich, dass der Vereinsvorstand noch viele freie Gärten hat. Mit Mini-Jahresbeiträgen versuchen die Bierer, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Für 500 Quadratmeter Pachtgarten verlangen sie pro Jahr nur knapp 23 Euro Miete. "Selbst für einen Hartz IV-Empfänger ist das bezahlbar", meint Dieter Wiemann. Indirekt haben die sozialschwachen Familien dennoch etwas vom Bierer Gartenverein. Auf einem Teil der freien Flächen werden Ein-Euro-Jobber mit dem Anbau von Obst und Gemüse beschäftigt. Nach der Ernte gehen die biologisch erzeugten Produkte dann nach Schönebeck zum Verein Suppe und Seele, schildert der Vereinschef. Damit seien die leeren Gärten wenigstens gut genutzt und ernähren einige Bewohner der Nachbarstadt.

Früher kamen die Pächter für einen der Gärten am Bierer Ortsrand vor allem auch aus Magdeburg, Schönebeck und Calbe, erinnert er sich. Ganz aus der Mode sei der Kleingarten allerdings nicht gekommen, meint Dieter Wiemann beobachtet zu haben. "Es wird aber nie mehr so schön wie früher", ist er überzeugt. Noch vor dem Mauerfall waren die Menschen dichter beieinander. Die Hilfsbereitschaft sei größer gewesen, trauert er etwas der Zeit hinterher.

Das Zusammenleben auf kleinem Raum begeistert heute noch die langjährigen Kleingärtner. Eine Leidenschaft haben alle für den Gartenbau entwickelt. Auch wenn es draußen noch kalt ist, haben einige Gartenfreunde bereits mit der Jungpflanzenaufzucht begonnen. "Ich möchte meinen Garten und meine Früchte nicht mehr missen", sagt ein Gartenfreund am Rande der Jahreshauptversammlung am Sonnabend. Die selbst produzierten Früchte schmeckten doch anders als die Massenware aus dem Supermarkt.

Den ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz haben die Bierer Gartenfreunde schon hinter sich gebracht in diesem Jahr. Zusammen haben sie Bäume verschnitten, sagt Christel Kramer. Sie freut sich schon auf den Frühling und das damit verbundene Erwachen der Natur. "Ich hoffe, der Wintereinbruch ist nur von kurzer Dauer", sagt sie. Denn auch in der Gartenanlage sind die Frühlingszeichen unverkennbar. Die ersten Krokusse haben sich bereits aus dem Boden geschoben und strecken stolz ihre kleinen Blüten in den grauen Himmel. Die Natur warte bereits auf das warme Wetter, weiß die langjährige Kleingärtnerin.

Es sei jedesmal faszinierend, wie die Natur wieder zum Leben nach dem Winter erwache und wie schnell die Landschaft in ein zartes Grün getaucht werde.