Auktionshaus

Kommunales soll unter den Hammer

Drei kommunale Grundstücke samt Immobilien will die Stadt Calbe durch eine Firma zum Verkauf anbieten lassen.

Von Andreas Pinkert

Calbe l Das Haus am Markt 14 zählte wohl zu den repräsentativsten in der Saalestadt. Tuchfärbermeister Jean Tournier ließ es 1725 erbauen. Sein Vater war Flüchtling. Im katholischen Heimatland Frankreich als protestantisch-calvinistischer Hugenotte verfolgt, siedelte dieser schließlich nach Preußen über. Sein Sohn wurde mit einer Waid- und Schönfärberei so reich, dass er sich das prächtige Haus bauen lassen konnte. Die Räume waren mit viel Stuck versehen, Reste blauer Velours-tapete sind heute ebenso noch zu sehen wie zwei prachtvoll verzierte Kamine. 1936 zog die Polizeistelle in das Haus ein, Vergitterungen und Stahltüren kamen hinzu. Zuletzt nutzte das Einwohnermeldeamt der Stadt dort Räumlichkeiten. Seit Jahren steht das Haus mitten am Marktplatz leer und wird auf der Internetseite der Stadt zum Verkauf angeboten. Bislang ohne Erfolg. 

So ergeht es auch einem Teil der ehemaligen Heine-Schule am Kirchplatz Nr. 1/2. Der zweigeschossige Bau in Zentrumslage ist verwaist. Ein 1400-Quadratmeter-Grundstück wartet auf einen neuen Eigentümer.  Beide Gebäude weisen einen enormen Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf auf. Grundstücksauktion gewünscht?

 „Aus städtebaulicher Sicht sollten diese Gebäude wieder einer Nutzung zugeführt werden“, heißt es in der Beschlussvorlage. Zusammen mit einem Grundstück eines ehemaligen Getränke- und Imbissladens in der Kleinen Mühlenbreite sollen sie im Rahmen einer Grundstücksauktion durch die Sächsische Grundstücksauktionen GmbH zum Verkauf angeboten werden. Die Firma würde ein Wertgutachten erstellen und einen Mindestgebot festlegen. Im Falle eines Verkaufs erhält die Firma 10 Prozent, findet sich kein Käufer, muss sich die Stadt nicht finanziell beteiligen. 

 Angesichts der geschichtlichen Bedeutung meint Historiker Dieter Steinmetz: „Versteigerungen sind allemal besser als herrenloser Verfall.“ Es müsse nur darauf geachtet werden, dass die kulturdenkmalgeschützten Objekte nicht wieder - wie einige Male schon - dubiosen, windigen Spekulanten in die Hände fallen.  Nach Vorberatungen in den Ausschüssen soll der Stadtrat am 3. Mai dazu einen Beschluss fassen.