Schönebeck l Wenn der 26-jährige Ausnahmegeiger Yury Revich auf seiner Stradivari spielt, bringt er ein Meer aus Klangfarben zum Klingen. Am Mittwoch, 18. April, ist er zum wiederholten Mal in Schönebeck. Mit Volksstimme-Reporterin Emily Engels sprach er über sein Gefühl von Heimat und seine Erinnerungen an Schönebeck:

Volksstimme: Sie spielen am Mittwoch wieder in Schönebeck. Was verbinden sie mit der Stadt und dem Orchester?

Yury Revich: Ich freue mich sehr, dass ich bald zurück bin und erneut mit dem wundervollen Orchester hier spielen darf. Ich war bereits einige Male hier, und es war immer eine ganz besondere Atmosphäre. Das Gleiche trifft auf das Publikum zu. Ich fühle mich hier einfach gut aufge- hoben. Und Schönebeck? Die Stadt hat ihren ganz eigenen Charme.

Was finden Sie an Schönebeck denn besonders charmant?

Die Atmosphäre hier ist sehr gemütlich und typisch für deutsche Kleinstädte. Die Menschen sind hier zwar ruhiger als beispielsweise in London, Paris oder New York, dennoch sind sie sehr neugierig. Und sie sind genauso begeisterungsfähig für Musik. Diese Mischung ist für mich als Musiker sehr angenehm.

Als Sie vor zwei Jahren hier waren, haben Sie die temperamentvolle „Symphonie espagnole“ von Édouard Lalo gespielt. Dieses Jahr möchten Sie das Publikum mit dem eher selten gehörten Violinkonzert von Antonín Dvorak überraschen. Was bedeutet dieses Werk für Sie?

Das Violinkonzert von Lalo habe ich damals in Schönebeck zum ersten Mal vor einem Publikum gespielt. Das fand ich spannend. Für das anstehende Konzert habe ich mich mit dem Chefdirigenten Gerard Oskamp darauf geeinigt, eines der besten Violinkonzerte überhaupt aufzuführen – nämlich das von Antonín Dvorak. Auch hier bin ich ganz besonders gespannt. Denn was das Werk betrifft, ist es wieder mein Debüt mit Orchester.

Was macht Dvoraks Violinkonzert für Sie so besonders?

Das Stück handelt meiner Meinung nach von der Kraft der Natur, es verbindet volkstümlich anmutende Melodien mit einer Vielfalt an Klangfarben. Für mich ist das Stück an sich eine wahre Inspiration. Es zu lernen und aufführen zu dürfen, ist ein einzigartiges Gefühl. Das Werk ist vergleichbar mit einem tollen Gemälde voller Farbtöne, das von einem berühmten Maler erschaffen wurde.

Sie sind in Russland geboren, haben in Wien studiert und treten jetzt mit Ihrer Violine auf der ganzen Welt auf. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Ich bin tatsächlich sehr international (lacht). Ich bin zwar in Moskau geboren, jetzt sind aber gleichzeitig Wien und London mein Zuhause. Durch die vielen Reisen fühle ich mich – wie viele andere Musiker auch – eher in der Musik als an einem bestimmten Ort zuhause. Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass wir mit unserer Kunstform den Frieden in die Welt hinaustragen.

Wie meinen Sie das?

Musik ist eine universelle Sprache. Es ist eine Sprache, die jeder versteht. Und es ist gleichzeitig eine Sprache, in der man kaum missverstanden werden kann. Auch kann man niemanden beleidigen, wenn man sie spricht. Außerdem macht Musik Menschen glücklich. Deshalb finde ich, dass Musik eine Sprache des Friedens ist.

Warum sollte das Publikum Ihr Konzert in Schönebeck auf keinen Fall verpassen?

Ich glaube, dass Dvoraks Violinkonzert nicht nur mich, sondern auch die Zuhörer mitreißen und inspirieren wird. Außerdem ist das Stück perfekt für die Jahreszeit – den Frühling. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Leute voller Frühlingsgefühle und mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht den Dr.-Tolberg-Saal verlassen werden. Auch bekommen Zuhörer nicht jeden Tag die Chance, eine Stradivari live zu erleben.

Was mich zum nächsten Punkt bringt. Was bedeutet es für Sie, in so jungen Jahren auf solch einem Instrument spielen zu dürfen?

Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass ich auf der „Princess Aurora“ aus dem Jahr 1709 spielen darf. Die Violine ist eine Leihgabe der Goh-Familienstiftung. Auf diesem Instrument spielen zu dürfen, ist eine große Ehre. Nicht nur, weil der Klang einzigartig ist, sondern auch, weil ich quasi auf einem echten Kunstwerk spiele. Es ist sozusagen so, als hätte man ein Gemälde von Leonardo da Vinci im Wohnzimmer hängen – bis darauf, dass ich auf meinem „Gemälde“ spielen darf.

Das Konzert „Wiedersehen mit Yury“ findet am Mittwoch, 18. April, ab 19.30 Uhr im Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen statt. Neben dem Violinkonzert von Antonín Dvorak in a-Moll werden die Suite für Bläser von Richard Strauss und die Haydn-Variationen Opus 56a erklingen. Karten unter Telefon (0 39 28) 40 04 29 oder an den bekannten Vorverkaufsstellen.