Calbe l Aaron ist vier Jahre alt. Da er sich seit geraumer Zeit abgeschlagen und müde fühlt, blass aussieht und eine erhöhte Infektionsneigung zeigt, gehen seine Eltern mit ihm zum Arzt. Dort fällt die Diagnose: Akute lymphoblastische Leukämie (ALL), eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Ob Aaron überlebt, ist ungewiss. Der Familie steht eine schwere Zeit bevor; dem Jungen Onkologiestationsaufenthalte. Und dabei brennt Aaron noch ein großer Wunsch auf der Seele. Etwas, das er unbedingt noch erleben möchte: Den Ozean „live“ sehen. Hier käme nun der Calbenser Teddy-Wünsche-Verein ins Spiel. Die Vereinsmitglieder versuchen, krebserkrankten und schwerstbehinderten Kindern einen ihrer großen (mitunter letzten) Träume zu erfüllen.

Das vorgenannte Szenario um den vierjährigen Aaron ist fiktiv; den Verein mit dem Chef-Traumverwirklicher „Teddy“ alias Maik Kuplich gibt es allerdings tatsächlich. Zwölf Wünsche hat Kuplich mit seinem Vereinsteam 2017 erfüllt. Darunter Erholungsurlaube für die Familien an der Ostsee, Wochenenden im Freizeitpark „Tropical Islands“, einen Tag lang im Rettungswagen mitfahren oder bei der Magdeburger Berufsfeuerwehr verbringen. Individueller und emotionaler Höhepunkt für „Teddy“ Maik war ein arrangierter Flug für den siebenjährigen, an Leukämie erkrankten Louis.

Vielleicht der letzte Wunsch

Jede Wunscherfüllung ist besonders, so Kuplich, „denn niemand weiß, ob es für den einen oder anderen Kämpfer vielleicht der letzte Wunsch ist, welcher erfüllt wird“. Durch das Strahlen der freudigen Kinderaugen werde die Traumerfüllung besonders emotional, erzählt der junge Mann.

Im laufenden Jahr sind bis jetzt drei Wunscherfüllungen auf dem Weg, Realität zu werden. Die erste schon am kommenden Sonnabend, 10. März. Ein elfjähriges Mädchen wird dann ihre Idole, die Ehrlich Brothers (Zauberkünstler) nicht nur zuschauen, sondern auch persönlich kennenlernen.

Feststeht auch schon der zweite Wunsch: Es wird ein Hubschrauberflug für einen sechsjährigen Jungen sein, der den Krebs laut Kuplich voraussichtlich nicht besiegen wird. An der dritten Wunschumsetzung hat der Verein seit über einem Jahr gearbeitet: Im Mai dieses Jahres ist es endlich soweit, freut sich Maik Kuplich so sehr wie die Familie. Eine Woche Nordseeurlaub. Ein Erholungsurlaub für zwei erkrankte Kinder in einer Familie. In einem Ferienhaus, in dem sich zugleich sämtliche - für die Erkrankungen benötigten - Hilfsmittel vor Ort befinden. „Diese Familie mit alleinerziehender Mutter konnte noch nie einen gemeinsamen Urlaub machen“, benennt der „Wunscherfüller-Teddy“ eine Motivation, sich hinter alle umzusetzende Projekte mit vollster Kraft hineinzuknien. Der vierjährige Sohn leide an Trisomie 21 (Downsyndrom) sowie an starken, vielzähligen Zusatzerkrankungen.

Ein weiterer Wunsch erfüllt

Emotional anspruchsvoll wird die Situation zusätzlich, da auch seine acht Jahre alte Schwester an einer mehrfachen Epilepsie leidet. Zum dritten Geburtstag des Sohnes realisiert der Teddy-Wünsche-Verein für den jungen Mann bereits einen Tag bei Mitarbeitern im Rettungswagen, bei der Feuerwehr und im Bagger.

Grundsätzlich aber geht es nicht um die einmalige Wunscherfüllung. Die Vereinsmitglieder sorgen für gemeinsame, entspannte Feierlichkeiten. Oftmals schlüpft Vereinsvorsitzender Maik Kuplich ins plüschige Bärenkostüm. „Teddy“, wie ihn die Kleinen dann nennen, hat sich in diesen Zeiten die offensive Bespaßung der Erkrankten auf die Fahnen geschrieben. Oftmals bleiben die Mitglieder mit den Familien auch nach dem Gang des Kindes über die Regenbogenbrücke in den Sternenhimmel in Kontakt. Die Begleitung endet häufig nicht mit dem Gang ans Erdbett, wie Kuplich erzählt. Freundschaften entstehen.

Mal kommen die Anfragen von Eltern der Kinder, ein anderes Mal stellen sie Verwandte oder Freunde. Viele Anfragen, so Kuplich, können aufgrund des (finanziellen) Umfanges nicht erfüllt werden. In jedem Fall aber begegneten die Mitglieder jedem Anliegen mit allerlei Herzblut. Was bleibt, ist die Erinnerung. „Jedes Schicksal, jedes Kind brennt sich bei uns auf der Seele und Kopf ein“, gesteht Kuplich.