Bernburg/Schönebeck/Staßfurt l Wo sehe ich die Schwächen im Kreis und wo liegen die Stärken? Das war die Aufgabenstellung, der sich bereits im vergangenen Jahr regionale Akteure aus Unternehmen, Vereinen, Verbänden und Bildungsstätten des Salzlandkreises beim Regionalforum und in einer umfangreichen Online-Befragung widmeten. Zum Forum in Bernburg waren regionale Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Vereinen und Ausbildungsstätten eingeladen, davon auch viele aus dem Raum Schönebeck und Staßfurt – online durften sich zudem alle Unternehmen aus dem Salzlandkreis an der Umfrage beteiligen. Die Umfrageergebnisse wurden jetzt ausgewertet – ein Konzept zur Kreisentwicklung geht derzeit durch die Ausschüsse.

Markus Bauer erklärte bereits beim Regionalforum im vergangenen Jahr das Ziel eines solchen Konzeptes. Er sagte: „Am Ende soll ein Bild entstehen, das zeigt: ‚Wir sind der Salzlandkreis – und darauf sind wir stolz.‘“

Demografischer Wandel

Hintergrund der Aktion ist für den Landrat nicht zuletzt der demografische Wandel, der bedeuten könnte, dass bis 2030 15 Prozent weniger Menschen (170.000 Einwohner) im Kreis leben werden, als das heute (200.000 Einwohner) der Fall ist. Bauer sagte dazu: „Wir möchten hier keine Angst machen, sondern wachrütteln.“

Für die Erarbeitung einer Standortmarketingstrategie, für die ein externes Regionalentwicklungsunternehmen beauftragt wurde, bekommt der Kreis Fördermittel in Höhe von 46.000 Euro von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt und dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr.

Ein paar der wichtigsten Punkte und Erkenntnisse des Konzeptes hat die Volksstimme für ihre Leser zusammengefasst:

Pendlerströme

Im Salzlandkreis wohnen 72.190 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Von ihnen pendeln 25.097 (34,8 Prozent) zur Arbeit in einen anderen Kreis. Gleichzeitig pendeln 14.970 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in die Region.

Standortqualitäten

Anhand der Stärken und Schwächen, die Unternehmen, Vereine und Verbände in der Region – aufgeteilt in die drei „Ws“ Wohnen, Wirtschaft und Wissenschaft – identifiziert haben, wurden Standortqualitäten herausgearbeitet. Ein Auszug an genannten Punkten:

• Der Landkreis bietet ein breites Angebot an modernen, gut erschlossenen Gewerbe- und Industrieflächen, die preisgünstig und verkehrlich sehr gut angebunden sind.

• Die Branchenstruktur ist vielfältig. Besondere Stärke gibt es in den Sparten Maschinenbau, Elektronik, Medizintechnik, Biotechnologie, Ernährungswirtschaft, chemische Industrie und Automotive.

• Es gibt zwei Hochschulen und den Biotech-Campus Gatersleben bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Wissenschaft.

• Die Städte beeindrucken mit ihrer reichen Architektur und dem historischen Stadtbild.

• Zwischen Elbe, Saale und Harz bietet der Landkreis weite, teils naturnah erhaltene Landschaften mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.

• Mit Aschersleben gehört die älteste Stadt Sachsen-Anhalts zum Landkreis, das Ringheiligtum Pömmelte und die im Salzland-Museum ausgestellten Bandkeramik-Funde reichen Jahrtausende in die Vergangenheit.

Alleinstellungsmerkmale

Aus all den Standortqualitäten, ließen sich zwei Alleinstellungsmerkmale erkennen:

• Das Salz gab dem Landkreis seinen Namen. Es wird hier an mehreren Stellen unterirdisch abgebaut, kann im Solepark des ältesten deutschen Soleheilbads Bad Salzelmen therapeutisch genutzt werden und sorgt in Staßfurt für den hohen Salzgehalt des einzigen Binnensolfreibads Mitteleuropas.

• Der Landkreis war schon immer ein Standort, der Ideen fördert: in Bad Salzelmen wurde die Heilkraft der Sole entdeckt. In Staßfurt steht die Wiege des Kalibergbaus.

Mögliche Pläne

Aufgrund der Standortqualitäten sind folgende mögliche Handlungsansätze entstanden:

• Modellprojekt neues Wohnen: neues Wohnen am Fluss, neues Erdgeschoßwohnen, Wohnen in Industriebrachen, Mehrgenerationenwohnen und Aufwertung bestehender Wohnflächen.

• Modellprojekt neue Mobilität: Radschnellweg Salzlandkreis, Förderung der E-Mobilität und Car-Sharing, Bike-Sharing, Boat-Sharing.

• Jugend im Fokus: Schaffung jugendgerechter Ansprache- und Präsentationsformen und Einbeziehung der Jugend in die Landkreis-Entwicklung.

• Gewerbeflächen/neue Medien: Aufbau eines Gewerbeflächeninformationssystems, Modernisierung des Landkreis-Internetauftritts und Angebot digitaler Medien – etwa Präsentation des Landkreises in sozialen Netzwerken, Nutzung moderner Medien.

• Modellprojekt smarte Verwaltung: Optimierte (zügige, vereinfachte, transparente) Genehmigungsverfahren für Bürger und Unternehmen und Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle im Rahmen der „smarten Region“.

• Förderung von Willkommenskultur und Austausch: Neujahrsempfänge des Landrates für Neubürger sowie Unternehmer, Interkommunales Fest zur Förderung des Regionalbewusstseins und Tag der offenen Kulturstätten.

Für Bürger ersichtlich

Die vollständigen Unterlagen zum Standortmarketingkonzept können alle Bürger auf der Seite des Bürgerinfoportals nachlesen. Das umfangreiche Dokument steht unter „Ö 18“ zum kostenlosen Download bereit.