Calbe l Anubis, der altägypische Gott der Totenriten, ist der Namensgeber für das neue Tierkrematorium in Calbe. Alexander Topf hat sich den Namen nicht ausgedacht, sondern das Geschäftsmodell eines Franchisegebers übernommen. In Magdeburg und Leipzig unterhält er Standorte. Bislang fehlte dem Unternehmer die Möglichkeit, die Tiere zu verbrennen. Dazu musste er bislang die Dienst in Tierkrematorien in anderen Bundesländern in Anspruch nehmen. In wenigen Wochen soll dies aber der Vergangenheit angehören. Dann soll die Tierkrematorium am Stadtrand von Calbe die Arbeit aufnehmen.

In der Halle, in der einst Lkw standen, steht inzwischen ein moderner Verbrennungsofen. Mit der Leistung von 800 Kilowatt Leistung arbeitet die riesige Anlage. Die Abgase der gasbefeuerten Anlage werden nachbehandelt. „Hier kommt nichts raus“, sagt er und zeigt auf den großen grauen Kasten, der zwischen dem Ofen und dem Schornstein verbaut ist.

Eigener Chef sein

Als Alexander Topf sich vor Jahren in das Abenteuer der Tierbestattung stürzte, hatte er noch angenommen, schnell zum Ziel zu kommen. Gelernt und gearbeitet hatte er früher bei einem Unternehmen, welches Tiernahrung verkaufte.

Groß war sein Wunsch, später einmal sein eigener Chef zu sein. Zunächst betrieb er die beiden Büros für Tierbestattungen in Magdeburg und Leipzig. Lange habe er anschließend nach einem Standort in Magdeburg gesucht, um ein Tierkrematorium aufzubauen, erzählt er. Allerdings seien die angebotenen Standorte dort nicht finanzierbar gewesen. Deshalb habe er sich im Umland umgesehen und sei dabei auf eine Halle in Calbe aufmerksam geworden.

„Am Anfang habe ich noch gedacht, in einem halben Jahr ist die Genehmigung durch“, erzählt er. Inzwischen seien fast zwei Jahre vergangen. Bis zur Genehmigung sei es ein weiter Weg gewesen, blickt er zurück. Das habe schon damit begonnen, dass nicht jeder einfach so eine Verbrennung von Haustieren anbieten dürfe. Außerdem habe die Kreisbehörde bei der Umnutzung der Halle in Calbe immer wieder Vorgaben gemacht, erzählt er. So wie er sich die Nutzung zunächst gedacht habe, sei sie nicht möglich gewesen. Außerdem habe für die ganze Anlage ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchgeführt werden müssen. Streng getrennt ist die Halle in einen sogenannten Schwarz-Weiß-Bereich. Den schwarzen Bereich dürfen die Haustierbesitzer dabei nicht betreten. Ein Abschied am Ofen ist daher nicht möglich. In jedem Bundesländern gelten dabei andere Regeln, sagt er. Damit der Abschied dennoch stattfinden kann und die Tierbesitzer sehen, wie ihr Haustier in den Ofen gefahren wird, hat er eine Kamera über der Ofentür installiert. Auf einem Fernseher im Raum, in dem sich die Tierbesitzer von ihrem Tier verabschieden können, verfolgen sie am Bildschirm den letzten Weg. Damit sich die Asche nachher zweifelsfrei zuordnen lässt, wird jedem Tier eine nummerierte tönerne Plakette beigegeben. Sie liegt später ebenso der Asche bei und beweist damit, dass es sich um die Überreste des einst geliebten Haustieres handelt, erklärt er.

Mensch und Tier bestatten

In Magdeburg gibt es bereits Friedhöfe, die die Bestattung von Mensch und Tier in einem Grab erlauben, weiß Alexander Topf. Allerdings müsse immer zuerst ein Mensch bestattet sein, bevor ein Tier dazu kommen dürfe. Das sei aber kein Problem. Denn die Asche können die Tierbesitzer in einer Urne mitnehmen. Eine riesige Auswahl gibt es hier. Die Tierbesitzer könnten mit der Asche hinterher machen, was sie für richtig halten. Manche, weiß er, verstreuen die Asche später. Andere wiederum vergraben sie im Garten oder im Wald. Rücke der letzte Weg des geliebten Haustieres immer mehr in das Bewusstsein.

In den kommenden Wochen will der Tierbestatter nun den Betrieb in Calbe aufnehmen. Dann müsse er die toten Tiere nicht mehr zu anderen Krematorien fahren. Er könne dann für seine beiden Standorte einen neuen Service anbieten. Rund 800.000 Euro habe er inzwischen in Calbe investiert, sagt er. Das sei etwas mehr, als er zunächst geplant habe. Dennoch habe die Bank immer zu ihm gehalten und ihn in den vergangenen Jahren immer unterstützt, auch wenn der Weg bisweilen mühsam gewesen war, meint er.