Plötzky l Natürlich reden die Leute. Auch in Plötzky. Am Wochenende hat es in dem Ortsteil schon wieder zwei Einbrüche in Einfamilienhäuser gegeben. Einmal im Akazienweg, einmal in der Albert-Schweizer Straße. Geld und Schmuck wurden gestohlen, die Wohnung durchwühlt.

Die Bewohner sind außer sich. Während der Taten sollen sie ihr Zuhause nicht mal lange verlassen haben. Sie waren beim Friseur, bei Bekannten oder im Kino, erzählt man sich in Plötzky auf der Straße. Offenbar wurden sie zuvor von den Einbrechern ausgekundschaftet. Ein beunruhigender Gedanke, sagen die Menschen in Plötzky, wenn man sie fragt. Gerüchte kursieren. Jemand will einen verdächtigen Mercedes mit drei Männern gesehen haben. Die trugen Sonnenbrillen, am Abend, es war bereits dunkel. Soll ja vorkommen. Ist das schon verdächtig?

Jeder Einbruch einer zu viel

Im Oktober hatte es bereits zwei Einbrüche im Fliederweg und im Robinienweg gegeben, einen weiteren im benachbarten Pretzien. Am vergangenen Sonntag ist in Plötzky noch eine Satellitenschüssel abhanden gekommen. Zumindest gefühlt nehmen die Vorfälle zu, die Unsicherheit wächst. Doch ist das berechtigt?

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Jeder Einbruch ist einer zuviel und für die Betroffenen traumatisierend. Nichtsdestotrotz ist die Gesamtzahl der Einbrücke nach der Statistik des Polizeireviers Salzlandkreis in der Region seit einigen Jahren eher rückläufig. Vor allem seit 2016, als die Beschaffungskriminalität eines Drogensüchtigen zu einer Einbruchsserie führte. So registrierte die Polizei 2016 ganze 359 Einbrüche im Salzlandkreis, davon 26 in Schönebeck, wozu auch Plötzky gehört. Auf die einzelnen Ortsteile bricht die Statistik die Zahlen nicht herunter. 2017 waren es insgesamt noch 192 Einbrüche im Salzlandkreis, was einem Rückgang um mehr als ein Drittel entspricht.

In Schönebeck blieb die Zahl der Einbruchsdelikte relativ konstant bei 27. In diesem Jahr sind in der Polizeistatistik im Kreis bisher 139 Einbrüche vermerkt, davon 22 in Schönebeck. Auffällig: Bei den Einfamilienhäusern in Schönebeck hat sich die Zahl der Einbrüche auf 13 erhöht, nachdem sie in den vergangenen Jahren nur bei etwa der Hälfte lag. Und das Jahr ist noch nicht rum und die dunkle Jahreszeit, in der die meisten Einbrüche verübt werden, hat gerade erst begonnen.

Mehr Aufklärung

Die Polizei führt den Rückgang auch auf eine immer bessere Sicherung von Gebäuden zurück. „Die Leute schützen ihre Wohnungen effektivere, auch dank unserer Aufklärungsarbeit“, sagt Polizeisprecher Marco Kopitz vom Polizeirevier Salzlandkreis.

Am Donnerstag hat das Innenministerium eine neue Kampagne unter dem Motto „Sicher Wohnen mit Einbruchsschutz“ gestartet, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Landesweit wurden 170 Banner mit dem Banner aufgehangen, darunter in Schönebeck, in Barby, Calbe und Biere. Dazu liegen in öffentlichen Gebäuden wie der Volkshochschule Schönebeck kostenlose Broschüren mit Tipps zur Sicherungen von Wohnungen aus.

Desweiteren bietet die Polizei bei Anmeldung auch eine kostenlose Beratung an, um die Schwachstellen von Eigenheimen zu analysieren. Anders als bei Sicherheitsfirmen sei die Beratung neutral, da die Unternehmen ein Interesse am Verkauf ihrer Produkte haben. Zu empfehlen sei etwa der Einbau von Pilzkopfverriegelungen gerade bei Fenstern in Kellern oder im Erdgeschoss. „Fenster mit herkömmlicher Verriegelung können von Einbrechern mit einem Schraubenzieher innerhalb von wenigen Sekunden aufgehebelt werden“, sagt Polizeisprecher Marko Kopitz.

Problemzone Fenster

Und bei mehr als 70 Prozent aller Einbrüche dringen die Täter durch die Fenster ein. Fenster könnten nachgerüstet oder durch neue Fenster mit Pilzkopfverriegelungen ersetzt werde. Wobei eine Nachrüstung etwa 150 Euro pro Fenster kostet. „Wenn ein Fenster dem Einbruch mindestens fünf Minuten standhält, verschwinden die Täter in der Regel wieder“, sagt Kopitz. Völlig unsicher seien zudem angekippte Fenster.

Ein weiterer wichtiger Punkt zum Schutz des Zuhauses ist nach Angaben der Polizei eine intakte Nachbarschaft. „Es ist wichtig, dass die Nachbarn wachsam sind und verdächtige Dinge melden“, sagt Polizeisprecher Kopitz. Das habe auch nichts mit spionieren zu tun. Wenn jemand verreist, können Nachbarn die Blumen gießen, den Briefkasten leeren und die Rollos bewegen, damit das Haus belebt wirkt. „Das kann potenzielle Einbrecher abschrecken“, sagt der Polizeibeamte.