Schönebeck/Bernburg l Hinter kleinen Polizeimeldungen über Verbrechen und Unfälle verbergen sich immer wieder menschliche Schicksalsschläge, von denen der Zeitungsleser kaum etwas erahnen kann. Nicht zuletzt haben die Geschädigten auch ein Recht darauf, unerkannt zu bleiben.

Doch nach zwei Einbrüchen in Welsleben in der vergangenen Woche, die auch nur eine kleine Randnotiz nach sich ziehen sollten, hat sich eine der Betroffenen im Internet unter ihrem Klarnamen deutlich zu Wort gemeldet. „Auch unser Zuhause in Welsleben wurde auf unmenschlich brachiale und gemeine Art von Einbrechern heimgesucht“, schreibt die Geschädigte auf ihrer öffentlichen Facebook-Seite im Internet. „Neben viel Schaden im und am Haus wurde natürlich alles mitgenommen, was beweglich sowie wertvoll war.“

Beratung durch die Polizei

Darunter waren vor allem Schmuck und jede Menge Fotos auf einem entwendeten Computer, die die Familie an verstorbene Angehörige erinnert – ein unersetzbarer Verlust. „Aus tiefster Verzweiflung“, wie die Geschädigte schreibt, sucht sie daher im Internet nach Zeugen, die Hinweise auf den Einbruch am vergangenen Mittwochnachmittag geben können, unter anderem auf einen organgefarbenen Transporter. Gestohlen wurden auch Eheringe der Familie.

Bereits im November und September war es zu Einbrüchen in Einfamilienhäuser in Welsleben gekommen. In Bördeland gab es zudem eine Einbruchserie, unter anderem in Kitas, Einfamilienhäuser und eine Arztpraxis. Die Täter konnten festgenommen werden. Trotzdem geht es aus Sicht der Polizei in Bördeland und der gesamten Region noch verhältnismäßig beschaulich zu. „Insgesamt geht die Zahl der Einbrüche im Salzlandkreis eher zurück“, sagt Marko Kopitz, Sprecher des Polizeirevier Salzlandkreis. Zumindest gehe das aus den Zahlen der vergangenen Jahre hervor, auch wenn die polizeiliche Kriminalstatistik für 2019 erst nächstes Jahr veröffentlicht wird.

Mehr Einbrüche am Tag

Allein zwischen 2016 und 2017 ging die Zahl der Einbrüche laut Kriminalstatistik im gesamten Salzlandkreis von 359 auf 192 zurück, was einem Rückgang um mehr als ein Drittel entspricht.

2018 gab es noch 180 Einbrüche in Ein- und Mehrfamilienhäuser. Für das laufende Jahr wurden bisher vorläufig 170 Einbrüche ermittelt. Damit ist die Tendenz weiter leicht rückläufig.

Einbrüche nehmen zu

Ausnahme: Einbrüche in Einfamilienhäuser am Tag nehmen wieder zu. Bisher waren es 2019 bereits 39, im Vergleich zu 30 im Vorjahr. In Bördeland schwankte die Zahl der Einbrüche in Wohnhäuser in den vergangenen Jahren zwischen zwei und acht. 2019 hat die Polizei bisher sechs Wohnungseinbrüche in der Kommune aufgenommen.

Dass solche Zahlen für die Betroffenen kein Trost sind, ist den Ermittlern allerdings auch klar. „Neben dem Diebstahl ist es für die Geschädigten vor allem ein Schock, dass fremde Leute ihre private Wohnung durchwühlen“, sagt Polizeisprecher Kopitz. So manche Geschädigte würden sich nach einem Einbruch zu Hause nicht mehr sicher fühlen.

Gelegenheit und Banden

Die Polizei unterscheidet dabei zwischen einfachen Gelegenheitsdieben, die eher in einfach gesicherte Objekte wie Kleingärten oder Kitas einbrechen. Dazu gehören etwa Drogensüchtige. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Banden, die gezielt nach Einfamilienhäusern entlang den Autobahnen Ausschau halten, auf den die Kriminellen schnell entkommen können.

„Die gehen teilweise sehr professionell vor und kundschaften die Ortschaften und Bewohner vor den Einbrüchen genau aus“, sagt Polizeisprecher Kopitz. Die Kriminellen wüssten auch genau, wann es in den Ortschaften Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte gebe und welche Wohnungen daher verlassen seien. Eine beunruhigende Vorstellung.

Trotzdem sind die Zahlen der Einbrüche rückläufig. „Wir führen das auch auf die Präventionsarbeit der Polizei zurück. Außerdem schützen die Menschen ihre Wohnungen und Häuser immer besser“, sagt Polizeisprecher Kopitz. Wobei das eine durchaus mit dem anderen zu tun habe. Denn die Polizei warnt nicht nur auf Bannern vor Einbrechern und ruft Nachbarn zu gegenseitiger Wachsamkeit auf.

Die Beamten geben den Bürgern auch ganz konkrete Tipps, wie sie ihr Zuhause vor den Kriminellen schützen können. Das geht sogar so weit, dass die Beamten nach Terminvergabe kostenlos zu den Bürgern nach Hause kommen, um die Gebäude auf Schwachstellen für Einbrüche zu untersuchen.

Wobei als Warnung vor möglichen Betrügern dazu gleich gesagt werden muss, dass diese Termine nur auf Anfrage durch Bürger vergeben werden und die Beamten in der Regel uniformiert erscheinen und sich ausweisen. Ungefragt werden keine Wohnungen oder Häuser untersucht, wie Kopitz betont, der als Sicherheitsexperte bei der Polizei selbst auch Schwachstellenanalysen anbietet.

Wichtige Sicherung

Schwachstellen an Gebäuden seien dabei vor allem Fenster und Türen im Erdgeschoss und an Kellern. Wichtige Sicherungen sind etwa Pilzkopfverriegelungen an Fensterbeschlägen, abschließbare Fenstergriffe und Stangenverriegelungen für Türen.

Ziel ist es, dass im Erdgeschosse der so genannte RC2-Standard erfüllt wird, wonach das Gebäude den Einbrechern zumindest 15 Minuten standhält. „Nach fünf Minuten verlieren die meisten Einbrecher die Geduld und suchen sich ein einfacheres Ziel“, sagt Kopitz. Wobei es absolute Sicherheit nicht geben kann.

Für den Einbau von Sicherungsmaßnahmen können allerdings schnell mehrere Hundert bis mehrere Tausend Euro zusammenkommen. Marko Kopitz empfiehlt daher, gesicherte Fenster und Türen bereits vor dem Bau eines Hauses einzuplanen, damit sie mit dem Kredit für die Immobilie abbezahlt werden können. Eine teure Nachrüstung müsse hingegen sofort bezahlt werden.

Anfragen für kostenlose Schwachstellenanalyse der Polizei unter E-Mail za.prev-slk@polizei.sachsen-anhalt.de