Schönebeck l Alles andere als trist kommen seit kurzem vier eigentlich eher unspektakuläre, teils schon lange ungenutzte, Schaufenster in Bad Salzelmen daher. In dem einen tummeln sich sorgfältig platzierte Keramikfiguren, im anderen stehen Staffeleien und zeigen Malereien. Doch was ist da los?

„#kunstSCHAUfenster#“ heißt die Aktion, die hinter den neuerdings zum Leben erweckten Schaufenstern steckt und von zwei Schönebeckerinnen ins Leben gerufen wurde. „Wir wollten wieder Leben in die eigentlich so bunte Schönebecker Kulturszene bringen“, berichten Daniela Polzin und Freundin Anke Zacharias. Und genau deshalb haben die beiden Frauen das Projekt ins Leben gerufen.

Spontane Idee im Spätsommer

Die Idee dazu hatten sie bereits im Spätsommer 2020 – zu einer Zeit, in der an einen zweiten coronabedingten Lockdown noch gar nicht zu denken war. „Wir haben zusammen im Garten bei Daniela gesessen und uns generell über das Thema Kultur in Corona-Zeiten unterhalten. Und als wir uns dann verabschieden wollten, kam die Idee“, berichtet Anke Zacharias. Kurz vor der Verabschiedung durchquerten die beiden nämlich das Büro von Danielas Mann Nick Polzin, das er sich im ehemaligen Fotoladen seines Vaters an der Straße Am Solgraben eingerichtet hat.

Bilder

Die Schaufenster – zu Fotoladen-Zeiten hübsch dekoriert – braucht der Schönebecker, der unter anderen eine Agentur für Onlinemarketing betreibt, aber nicht. Entsprechend „zierten“ schlichte Vorhänge die Schaufenster. Und das ist zumindest in einem der beiden Schaufenster seit Dezember 2020 nicht mehr der Fall. Denn das wird jetzt als Ausstellungsfläche genutzt und zeigt Malerei. Malereien von Anke Zacharias. Die Schönebeckerin ist Hobby-Malerin. Sie geht dieser Leidenschaft, zu der sie ihre Großmutter einst gebracht hat, schon seit ihrer Kindheit nach.

Motive aus der Region

Zu sehen sind in dem Fenster Am Solgraben 28 mehrere – sozusagen ins passende Licht gerückte – Landschaftsmalereien mit Motiven aus der Region. Unschwer zu erkennen sind da das Pretziener Wehr und das Ringheiligtum Pömmelte zwischen Landschaftsmalereien ostelbischer Wälder. Denn das Haus verlässt Hobby-Malerin Anke Zacharias für gewöhnlich nur mit Skizzenblock und Kamera, die – moderne Technik sei Dank – im Smartphone immer dabei ist. „Hauptsache ich kann ein Motiv zunächst festhalten“, erklärt die Schönebeckerin ihr Vorgehen, bevor ein Motiv auf die Leinwand gebracht wird.

Doch gibt es in Bad Salzelmen derzeit nicht nur dieses eine „#kunstSCHAUfenster#“, sondern noch drei weitere, die zu einem künstlerischen Schaufensterbummel einladen. Darum, dass auch andere Schönebecker ihre ungenutzte Schaufensterfläche für diese coronakonforme Freiluftausstellung zur Verfügung stellen, hat sich Daniela Polzin gekümmert. „Ich bin einfach los und habe dort, wo ich leere Schaufenster entdeckt habe, unsere Idee vorgestellt. Teils haben die Leute abgelehnt, teils waren sie von der Idee aber auch total begeistert“, berichtet sie.

Vier Schaufenster in Salze

Und so wird derzeit nicht nur im Büroschaufenster von Nick Polzin, sondern auch in dem der wenige Meter entfernten Versicherung WWK, in einem an der Pfännerstraße 35 und im bodentiefen Schaufenster des Soziokulturellen Zentrums Treff Kunst präsentiert.

Zu sehen sind aber natürlich nicht nur Malereien von Anke Zacharias. Weitere Malereien stammen beispielsweise von der Schönebeckerin Elfi Nitze und sind im Treff-Schaufenster zu sehen. Zudem gibt es in der Pfännerstraße/Ecke Tränkestraße Fotografien von Angelika Will zu entdecken und eben die Keramikkunst von Bärbel Feldbach in zwei Schaufenstern des Versicherungsbüros.

Darum, weitere Künstler ins Boot zu holen, hatte sich Anke Zacharias gekümmert. „Man kennt sich eben“, erklärt die Hobby-Malerin.

Einladung zum Bummeln

Die beiden Freundinnen Daniela Polzin und Anke Zacharias wollen kunstinteressierte Schönebecker mit ihrer Aktion einladen, einen Schaufensterbummel der etwas anderen Art durch Bad Salzelmen zu machen und ihren Stadtteil so künstlerisch wieder beleben – trotz Corona.

Die beiden Frauen hoffen, durch die ersten „#kunstSCHAUfenster#“, dass sich weitere Inhaber ungenutzter Schaufenster melden, um womöglich auch in leerstehenden Ladenlokalen Kunst zeigen zu können. „Der Aufwand ist minimal und die Kosten für beispielsweise Strom doch recht gering“, erklärt Daniela Polzin. Die ersten neugierigen Blicke im Schaufenster des ehemaligen Fotoladens haben die beiden Frauen im übrigen schon entdeckt – und würden sich freuen, wenn viele weitere folgen.