Schönebeck l Ein lauschiger Sommerabend nach einem hitzigen Arbeitstag. Einfach nur zur Ruhe kommen ... So geht es wohl vielen. Auch Peter Volz. Doch so richtig will es mit der Ruhe am Abend nicht klappen. Jedenfalls nicht, wenn er auf seiner Terrasse sitzt, die nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt ist. Laute Musik wabert zu ihm herüber. Ein möglicher Grund, warum abends der Marktplatz bei Jugendlichen so beliebt sei, ist aus seiner Sicht der Hotspot – der öffentliche drahtlose Internetzugang für diesen Bereich. Das ziehe die Jugendlichen an und sie würden sich dann lautstark ihre Musik vorspielen. „Warum muss der Hotspot bis 22 Uhr angestellt sein, reicht nicht auch bis 18, 19 Uhr“, fragt sich Peter Volz. Ihm sei jedoch klar, dass dies nicht das Allheilmittel sein werde.

Der Schönebecker Geschäftsmann betont, dass er den Jugendlichen auf keinen Fall verbieten wolle, sich auf dem Marktplatz zu treffen. Jeder habe in seiner Jugend wohl solche Treffpunkte gehabt. Peter Volz spricht sich für gegenseitiges Verständnis aus. „Wenn es spätabends mal ganz laut war, bin ich auch schon zu den Jugendlichen hingegangen und habe mit ihnen gesprochen“, erzählt er. Seine Idee: ein Streetworker. Der könnte auf einer ganz anderen Ebene vermitteln. Zwar gebe es in Schönebeck Jugendclubs. Doch anscheinend erreichen diese die jungen Leute nicht, die sich auf dem Markplatz treffen.

22 Uhr genügt

Anbieter des dortigen Hotspots ist die Städtische Wohnungsbau (SWB) GmbH. Sie finanziert den Zugang seit September 2016 für Bewohner und Besucher des Marktplatzes. „Das muss man in einer Stadt einfach anbieten, heutzutage gehört das doch dazu“, sagte damals SWB-Geschäftsführerin Sigrid Meyer gegenüber der Volksstimme. Und an ihrer Überzeugung hat sich bis heute nichts geändert. „Unser Anliegen war und ist es, den Markt mit Leben zu füllen. Dazu gehört, insbesondere für Besucher, auch ein Hotspot“, erklärt sie auf Nachfrage. „Wenn jetzt Jugendliche abends auf den Bänken sitzen und diese Verbindung auch nutzen, ist das doch gar nicht so schlimm. Wir können uns in der Stadt doch nicht völlig abschotten. Ab 22 Uhr ist ohnehin Schluss, und das sollte auch genügen.“

Ob es in den Abendstunden auf dem Marktplatz weniger laut wäre, wenn es den Hotspot nicht gäbe, das kann René Nickel, Leiter des Sachgebietes Ordnungswesen der Stadt Schönebeck, nicht sagen. „Wir haben auf dem Marktplatz nun mal verschiedene Besuchergruppen mit verschiedenen Verweildauern. Es kann sein, dass das verfügbare Wlan eine höhere Verweildauer mit sich bringt. Aber: Wlan macht keinen Lärm.“ Doch gerade in der Ferienzeit gebe es auf dem Markt eine wiederkehrende Lärmbelästigung. Deshalb sei im vergangenen Jahr die Polizei nachts einmal mehr über den Markt Streife gefahren. Auch in diesem Jahr sei das für die Sommerferien angedacht, so René Nickel. Er räumt ein: „Junge Menschen halten sich nun einmal gern im Freien auf, das soll auch so sein. Und wenn man am Markt wohnt, muss man damit leben.“ Oftmals sei auch die gefühlte Lautstärke höher als die tatsächliche. „Der Markt lädt ein zum Verweilen und um sich zu unterhalten. Doch dazu gehören Spielregeln: Unter anderem eben, die Musik nicht zu laut zu stellen“, sagt der Stadtmitarbeiter.

Aus Sicht der Polizei bestehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf dem Markt von Schönebeck kein Handlungsbedarf, teilt Klaus Peter Schneider mit. Der Sprecher des Polizeireviers Salzlandkreis hatte nach der Volksstimme-Anfrage über ruhestörenden Lärm am Marktplatz bis März 2018 zurück die Einsatzjournale recherchiert: Lediglich am 13. Oktober seien die Beamten diesbezüglich gefordert gewesen, da über ein Autoradio zu laute Musik abgespielt wurde. „Eine Verbindung zu dem Hotspot kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollzogen werden“, heißt es weiter. Doch das Thema sei für ihn nicht neu, sagt Schneider. Am Staßfurter Stadtsee würde es ähnliche Probleme geben. Auch diese sollen von Jugendlichen ausgehen, der dortige Hotspot werde als ursächlich dafür angesehen. Dort habe es in Absprache mit dem Ordnungsamt zu späten Stunden Streifen gegeben. Zudem Lärm-Messungen an verschiedenen Standorten, weiß Klaus Peter Schneider. Ergebnis: Die Werte seien im Normbereich gewesen.