Schönebeck l Eine Werbekampagne des Lebensmittelhändlers Edeka ging gehörig nach hinten los und hat unter zahlreiche Bauern für Unmut gesorgt. Auch in Schönebeck finden sich die Plakate, mit denen sich das Unternehmen bei Landwirten unbeliebt gemacht hat.

Angefangen hat alles mit dem Slogan: „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten.“ Das haben zahlreiche Bauern wörtlich genommen. Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, sagte: „Wir haben kein Verständnis dafür, dass Edeka zu seinem Jubiläum nichts anderes als ‚der niedrigste Preis‘ einfällt. Hier sollen hochwertige Lebensmittel verramscht werden. Wertschätzung von Essen und Lebensmitteln erzeugt man damit nicht.“

Protestaktion vor Großlager

Zudem wurden während einer spontanen Protestaktion Ende Januar die Zufahrten zum Edeka-Großlager Wiefelstede bei Oldenburg durch etwa 200 Traktoren blockiert. In den sozialen Medien wie Facebook und Twitter machen Landwirte ihrem Unmut Luft. So schreibt beispielsweise der Twitternutzer „BauerMitHeimat“: „Die Preisdumping Plakate hängen noch. Die Erklärung zur Entfernung seitens Edeka Minden Geschäftsleitung ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurde!“

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In einer Veröffentlichungbeteuert die Geschäftsführung von Edeka Minden-Hannover nämlich, dass es sich um ein Missverständnis handle. Mit „Essen“ seien nicht Lebensmittel gemeint, sondern der Ort Essen/Oldenburg. Das wird auch klar, wenn man die Plakate in anderen Orten – wie eben in Schönebeck – betrachtet. Dort ist keine Rede davon, dass Essen oder Lebensmittel den niedrigsten Preis verdienen. Neben Komiker Otto Waalkes, der das Gesicht der Werbeaktion ist, steht der Slogan: „Schönebeck hat einen Preis verdient: den niedrigsten.“ Ziel der Marketingkampagne war es, so die Mitteilung von Edeka, die Ortschaften individuell anzusprechen.

Plakate entfernt

Darüber hinaus habe der Lebensmittelhändler die Plakate, die zu dem Missverständnis geführt haben, nach den ersten Hinweisen umgehend entfernt.

Susanne Brandt, Geschäftsführerin des Bauernverband Salzland, findet die Werbeaktion „nicht in Ordnung“. Ob es sich nun um ein Missverständnis handelt oder nicht. „Trotzdem ist von dem ‚niedrigsten Preis‘ die Rede. So sollte nicht für Lebensmittel geworben werden“, sagt Brandt. Das schmälere den Wert von Nahrungsmitteln und somit auch die Wertschätzung für die Arbeit der Bauern, findet sie.

Diskussion angeheizt

Auch anderen Landwirten geht es nicht nur um das missverständliche „Essener Plakat“. Das hat die Diskussion nur befeuert: Die Diskussion um den Wert von Lebensmitteln und um die Marktmacht der großen Supermarktketten.

Dies war auch am Montag, 3. Januar, Thema bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte die Chefs von Aldi, Lidl, Edeka und Rewe eingeladen – denn mehr als 85 Prozent des Lebensmittelhandels werden von diesen Konzernen bestimmt.

Aufruf zu Fairness

Die Kanzlerin rief die Handelsvertreter zu „fairen Geschäftsbeziehungen mit den Landwirten“ auf, damit diese auch „auskömmlich“ ihr Geld verdienen können. Einen Eingriff des Staates auf die Preisgestaltung lehnte Merkel ab.

Ob und wie der Handel auf Merkels Aufruf reagiert, wird sich noch zeigen. Unabhängig davon, sagt Susanne Brandt: „Das ist ein wichtiger Schritt, dass sich die Kanzlerin dem Thema annimmt.“ Bauern müssen von ihrer Arbeit leben können, fordert die Geschäftsführerin des Bauernverband Salzland.