Schönebeck l „Die Voraussetzungen sind ungleich schlechter als 2018, als wir wenigstens bis Mitte April noch Regen hatten und damit etwa 100 Milliliter verfügbares Wasser im Boden.“ Wenn Carl-Albrecht Bartmer aus Löbnitz über die frisch bestellten Felder schaut, stehen ihm tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Der Landwirt und Ehrenpräsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) macht deutlich: „Der Boden ist im Vergleich zu vor einem Jahr leer.“ Alles was jetzt wachsen will, benötigt Wasser. Wenn das ausbleibt, gehen die Pflanzen ein. Der Zustand – weit vor der Ernte – sei schon jetzt katastrophal.

Deutschland droht eine noch extremere Dürre als im letzten Sommer. Und auch in Schönebeck und Umgebung droht großes Ungemach. Der April war bisher sehr trocken, noch liegen keine Daten vor, weil der Monat ja noch nicht zu Ende ist. Aber: „Es deutet sich an, dass es ein sehr trockener Monat wird“, sagt der ehrenamtliche „Wetterfrosch“ Hans-Eberhardt Gorges, der das Wetter im Salzlandkreis seit 1991 beobachtet. Für seinen Heimatort Calbe hat er bisher im April gerade einmal fünf Liter pro Quadratmeter gemessen. Das liegt weiter unter Normalwert.

Was sagt der Wetterfrosch?

„Wetterfrosch“ Gorges blickt mit Sorgen in den Sommer 2019, auch wegen der Erinnerung an den Sommer 2018. „Das war im Juni die extremste Dürre seit 20 Jahren“, wie er sagt. Das scheint sich 2019 zu wiederholen. Überall blüht es. Das ist zwar schön anzusehen. „Aber nicht normal“, wie Gorges sagt. „Früher hatten wir am 1. Mai manchmal noch keine Knospen. Jetzt ist seit 14 Tagen schon alles da. Das ist nicht normal, das ist Klimawandel.“

Der Ehrenpräsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Carl-Albrecht Bartmer macht sich auch Gedanken über die globalen Auswirkungen. Die Getreidevorräte weltweit seien zwar ausreichend, aber die Trockenheit ist schon ein Thema international, denn sie habe dazu geführt, dass die Vorräte gesunken sind, weil weniger produziert als verbraucht wurde im vergangenen Jahr. „Eine zweite so schlechte Ernte in Mitteleuropa wird auch global eine gewisse Nervosität erzeugen“, meint der DLG-Ehrenpräsident. Russland, Weißrussland und die Ukraine würden schon eine Rolle spielen bei der Getreideerzeugung.

Im Moment würden die Preise auch nicht automatisch steigen, weil die Ware knapp werden könnte, erklärt der Experte. „Aber, wenn es in Osteuropa auch nicht so läuft, würde sich das schon auf den Märkten bemerkbar machen.“ Und das wiederum hätte weitreichendere Auswirkungen, gerade für die weniger wohlhabenden Regionen in der Welt. Carl-Albrecht Bartmer erinnert an die „arabische Rebellion“ vor einigen Jahren. Eine Ursache dafür seien auch die Preiserhöhungen für Getreide gewesen.

Und die hätten unter dem Blickwinkel Migration wiederum auch Konsequenzen für uns. „Da sitzen wir wieder in einem Boot.“ Und deshalb müsse man in Europa auch ausreichend ernten, verdeutlicht Bartmer die Zusammenhänge, weit über die eigenen Ackerflächen hinaus.

Beihilfen für Landwirte ausgschlossen

Und dann hat Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) bereits kategorisch ausgeschlossen, dass die Landwirte wie im Vorjahr wieder mit Beihilfen rechnen können, sollte es zu einer erneuten Dürre kommen. „Die Beihilfen waren damals überlebenswichtig“, gibt der Landwirt und Ortsbürgermeister aus Ranies, Rüdiger Kunze, zu bedenken. Prognosen über den Sommer möchte er noch nicht abgeben. Nur eins steht für ihn fest: „Wenn es in den nächsten vier Wochen nicht ordentlich regnet, könnte es richtig schlimm werden.“

Revierförster Jens Dedow macht sich vor allem Gedanken um die Auswirkungen der Trockenheit auf die Wälder in der Region. „Gerade jüngere Bäume mit flachen Wurzeln werden Probleme bekommen, wenn sie kaum noch Wasser aufnehmen können“, sagt der Förster. Das macht sie außerdem anfälliger für Schädlinge wie Käfer oder Pilzerkrankungen. Genaue Vorhersagen über den kommenden Sommer möchte aber auch Förster nicht machen. „Der Wald ist ein sehr komplexes und sensibles Ökosystem. Da hängt alles miteinander zusammen“, sagt Dedow.

Zudem ist da noch die Sorge, dass auch die Waldbrände wieder zunehmen können. Damit droht auch für die Feuerwehrleute im Salzlandkreis erneut ein heißer Sommer. Derzeit herrscht Waldbrandgefahrenstufe 3. Größere Brände sind bisher ausgeblieben.

Auch für die Kleingärtner in der Region wird vor allem die Trockenheit wieder eine große Herausforderung in dem absehbar heißen Sommer. „Die Gärtner werden kaum Regenwasser sammeln können“, sagt Fachberater Siegfried Kliematz vom Kleingartenverband Schönebeck und Umgebung. Sein wichtigster Tipp: „Am besten wird der Boden im Garten mit Mulch bedeckt, um ihn zu kühlen und vor dem Austrocknen zu schützen.“ Der Mulch sollte allerdings unbedingt aus Grünschnitt, Laub, Gras oder Heu bestehen. Rindenmulch sollte wegen der Gerbstoffe nicht verwendet werden. Fachberater Kliematz legt sein Vertrauen zudem in die Forschung. „Es werden neue Pflanzensorten entwickelt werden müssen, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen“, sagt er.