Schönebeck/Staßfurt l „Von der aktuell in weiten Teilen von Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgetretenen Massenvermehrung von Feldmäusen ist auch der Salzlandkreis betroffen. Naturgemäß fühlen sich Feldmäuse auf guten Böden besonders wohl, so dass auch viele Landwirte in unserem Kreis auf ihren Flächen eine Mäuseplage verzeichnen“, teilt Katharina Elwert, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Salzland, auf Nachfrage mit.

Laut Elwert haben elf Betriebe auf einer Fläche von 12.500 Hektar einen Mäusebefall gemeldet. 70 Prozent sind stark oder sogar sehr stark befallen, informiert die Bauernverband-Geschäftsführerin. Elwert spricht von „großen Etragsverlusten“.

Ernte und Aussaat betroffen

Betroffen ist einerseits die bereits abgeschlossene Getreideernte. Die Mäuse haben dort teilweise das Getreide vom Halm auf aufgefressen und somit Ernteeinbußen verursacht. Und auch auf die demnächst anstehende Herbstaussaat wirken sich die kleinen Nagetiere negativ aus. „Für die Mäuse sind die jungen Triebe ein Festmahl. Sie gehen aber auch in Zuckerrübenbestände und richten große Schäden in Futterflächen und auf Grünland an“, sagt Katharina Elwert.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht das Problem in einem an die Landwirtschaftsminister der Länder gerichteten Brief an. „Es sind bereits massive Schäden eingetreten oder noch zu erwarten“, so Klöckner. „Die sachgerechte Nutzung der chemischen Mäusebekämpfung im Einklang mit dem geltenden Pflanzenschutz- und dem Naturschutzrecht ist in der aktuellen Lage für viele Landwirte existenziell“, schreibt sie. Mechanische Verfahren würden nicht mehr ausreichen, um der Mäuseplage Herr zu werden.

Greifvögel als Gegenmaßnahme

Insgesamt gibt es drei Arten, um Mäuse zu bekämpfen. Zum Beispiel auf biologische Weise durch den Einsatz von Greifvögeln. „Dabei unterstützen Sitzstangen für Greifvögel deren Beutefang und lenken die Aktivität der Vögel auf bestimmte Befallsflächen. Das wird durch Landwirte auch auf vielen Flächen genutzt“, informiert Elwert. Allerdings ist die Wirkung dieser Methode natürlicherweise begrenzt.

Dann gibt es noch die mechanische Bekämpfung von Feldmäusen. Indem mittels intensiver Bodendurchmischung, zum Beispiel durch das Pflügen, Gänge und Baue der Feldmäuse zerstört werden, wird ihre Population eingedämmt. „Dies ist aber aufgrund von Erosionsschutz nicht auf allen Flächen möglich. Außerdem geht durch tiefe Bodenbearbeitung noch mehr von dem wenigen vorhandenen Bodenwasser verloren“, so Elwert.

Methode schädlich für Hamster

Zudem ist diese Methode schädlich für Hamster, weil auch deren Baue zerstört werden und sie auf solchen Äckern keine Nahrung mehr finden. Und das ist ein Problem, denn Feldhamster sind vom Aussterben bedroht. Laut Weltnaturschutzunion könnte der Nager bis 2050 von der Bildfläche verschwunden sein, wenn keine weiteren Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Daher ist in Regionen, in denen Feldhamster vorkommen, besondere Vorsicht geboten. Der Salzlandkreis gilt als so eine Region, informiert Elwert.

Eine gute Möglichkeit, um Mäuse zu bekämpfen, ist laut der Geschäftsführerin des Bauernverbandes Salzland, das Auslegen von zugelassenen Feldmausködern. „Die Köder werden durch geschulte Personen mittels Legeflinte verdeckt direkt in die Feldmauslöcher reingelegt.“ Darüber hinaus gibt es noch den sogenannten Feldmauspflug, der die Köder verdeckt in 20 Zentimeter Tiefe ablegt. Der Einsatz dieses Gerätes wurde jedoch verboten.

Hmasterschutz beachten

Dass sich ein Hamster in eine Feldmausröhre verirre und dort die verdeckt ausgelegten Köder frisst, sei in der Praxis noch nicht beobachtet worden, so Elwert. Unter Beachtung des Hamsterschutzes verbiete sich aber das flächige Ausstreuen der Köder, sagt sie.

Jedoch gibt es Notfallzulassungen für bestimmte Anwendungen, die die Bekämpfung von Schädlingen unterstützen sollen. Landwirte müssen dazu einen Antrag beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellen. In ihrem Brief macht Klöckner klar, dass sie darunter auch die Nutzung des Feldmauspfluges versteht. Man könne Landwirten helfen, indem Anträge auf Notfallzulassungen kurzfristig geprüft und darüber entschieden wird, so Klöckner.

Ernte schützen

Es zeigt sich, dass die Landwirte es mit einem kniffligen Problem zu tun haben. Einerseits wollen und müssen sie ihre Ernte schützen. Auf der anderen Seite gilt es verschiedene Vorgaben bei der Schädlingsbekämpfung einzuhalten. Vor allem mit Hinblick auf den Hamsterschutz. „Artenschutz und Schutz der Ernte und des Einkommens müssen im Einklang stehen“, findet Katharina Elwert.