Bürgernähe

Laubharke und Kaffeetafel

Laub harken und aufladen: SPD-Landeschef Burkhard hat beim städtischen Bauhof die Ärmel hochgekrempelt und ein „Praktikum“ absolviert.

Von Andreas Pinkert

Calbe l Blau-getreiftes Hemd, Jeans, robuste Schuhe, Harke in der Hand: Das ist nicht die berufliche Kleiderordnung von Bundestagsmitglied Burkhard Lischka, seit April Landesvorsitzender der SPD von Sachsen-Anhalt. Der 51-Jährige legte am Donnerstag das Jackett bei Seite, um sein jährliches Praktikum im Wahlkreis zu absolvieren.

Übrigens war es nicht das erste in der Saalestadt, schließlich legte sich der Sozialdemokrat in der Vergangenheit schon bei der Zwiebelhalle in der Agrargenossenschaft kräftig ins Zeug.

Bei gutem Wetter sind an diesem Tag zahlreiche Menschen auf den Beinen und sehen nach den Gräbern ihrer Angehörigen. „Viele, mit denen ich nebenbei ins Gespräch kam, haben mich gar nicht oder erst sehr spät erkannt“, sagt Lischka im Anschluss. Empörung habe es gegeben, als einige Calbenser hörten, dass es sich bei der Grünpflege um ein unbezahltes Praktikum handele. Da war der Sozialdemokrat selbst an der Basis der Arbeitsmarktpolitik angekommen. „Das ist der Sinn dieser Aktion“, meint Lischka. Auch sein Mithelfer Klaus Henning absolviert ein Praktikum, ebenfalls unentgeldlich, allerdings bei einem Schönebecker Bildungsinstitut und berichtete Lischka von Problemen beim Bezug von Sozialleistungen. Dabei wurde natürlich auch gearbeitet. Olaf Schmidt vom städtischen Bauhof bestätigt, dass mehrere Transporterladungen Laub im Friedhofsbereich entlang der Trauerhalle zusammengeharkt wurden.

Anschließend hörte Lischka zusammen mit Bürgermeister Sven Hause bei einer Bürgersprechstunde zu. So belastet Handball-Abteilungsleiter Gunnar Lehmann die derzeitige Trainingssituation der Mannschaften, da durch die zum Ende Juni geschlossene Sporthalle Zuckerfabrik die Trainingszeiten deutlich eingedampft werden mussten. „Bei zehn Nachwuchsmannschaften reicht einzig die Heger-Sporthalle nicht aus“, berichtet Lehmann, der einen Qualitätseinbruch und damit einen Bedeutungsverlust für den Calbenser Handball befürchtet. Lehmann hat dazu konkrete Vorstellungen: Er möchte einen Vertrag mit der Stadt vereinbaren, in welchem die Nutzung gegen eine Gebühr für Strom, Wasser/Abwasser und Gas festgeschrieben wird.Im Ergebnis des Gesprächs solle nun ein Termin mit dem Bauordnungsamt des Salzlandkreises zum Zustand des Gebäudes vereinbart werden.

Thematisch gab es mit der aktuellen Wahl-Affäre um Landtagspräsident Hardy Peter Güssau (CDU) einen Ausflug in die Landespolitik. Horst Kober, selbst mehrere Legislaturperioden für die CDU-Fraktion im Stadtrat, kann über den Skandal nur den Kopf schütteln. Lischka als Kopf einer der beiden Koalitionspartner der Landesregierung unterstrich seine Haltung: „Wenn wir als SPD vor die Wahl gestellt werden, Haltung zu zeigen oder Treue zur Koalition, dann werden wir uns für die Haltung entscheiden“, sagte Lischka mit Verweis auf einen möglichen Abwahlantrag Güssaus.

Im Anschluss lud er Mitglieder des Heimatvereins ein, um unter anderem über das Ehrenamt zu sprechen. „Die gesetzlich auf wenige Monate begrenzte Beschäftigungsdauer von Ein-Euro-Jobbern ist für unsere ehrenamtliche Arbeit sehr hinderlich“, gab Heimatvereinsvorsitzender Uwe Klamm dem Bundestagsabgeordneten die Forderung nach einem verlässlichen Rahmen für das Ehrenamt mit auf den Weg. „Fähige und motivierte Personen müssen wir nach sechs bis neun Monaten wieder gehen lassen“, bemängelt Klamm, der auch Auswüchse der eingeleiteten Arbeitsmarktreformen im Rahmen der Agenda 2010 bemängelte.

Lischka gab dabei „Web-Fehler“ bei der Hartz-IV-Gesetzgebung unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung zu. So sei die Anerkennung eines Beziehers mit zurückliegendem Berufsleben mit der eines Beziehers ohne Erwerbsbiografie gleichgesetzt.