Pretzien l „Dass der sogenannten Sporthalle in Pretzien noch 100 Jahre zugesagt werden, mag beruhigen“, sagt der Sozialdemokrat Martin Kütz. „Auch wenn das Foto der Außenfassade diese Aussage nicht untermauert.“ Wenn städtische Liegenschaften so aussehen dürften und das nicht mehr als „skandalös“ empfunden würde, dann zeige das, wie abgestumpft alle in Gesellschaft, Politik und Verwaltung inzwischen sind.

Aber zurück zum Schulsport: Offensichtlich besteht für den Schulsports der städtischen Grundschule in Ostelbien keine Handlungsnot, so der Stadtrat. Das sei erfreulich. Handlungsbedarf bestünde aber sehr wohl und der werde täglich größer, wie Kütz in einer Mitteilung verfasste. Es hieße, Eulen nach Athen tragen, würde man regelmäßigen Sportunterricht in den Schulen und auch mehr Sportunterricht als heute fordern. Nicht zuletzt im Sinne einer allgemeinen Gesundheitsförderung. Seine Forderung: „Also gehört an jede Schule eine Sporthalle – auch an die städtische Grundschule in den ostelbischen Stadtteilen!“

Keine Frage der Wirtschaftlichkeit

Nun mag man aber die Frage stellen, wie denn bei einer einzügigen Grundschule mit vier Schulklassen die wirtschaftlich akzeptable Auslastung eines solchen Bauwerkes sichergestellt werden kann. Da wäre dann festzuhalten, dass es am Standort der Grundschule auch einen gutbesuchten Hort und eine Kindertageseinrichtung geben würde. Allein diese drei städtischen Einrichtungen würden eine Auslastung von 30 Stunden pro Woche sicherstellen können. „Locker“, wie Kütz meint.

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Sportvereine zur Zeit mit Unmut

Und dann gibt es ja noch Sportvereine, die heute zum Beispiel im Bürgerhaus Plötzky und dort mit großem Unbehagen ihren Sport treiben, denn niemand ist sicher, dass diesem Treiben nicht eine neue Rechtsvorschrift oder der Ermessensspielraum eines Verwaltungsmitarbeiters kurzfristig den Garaus machen könnte. Der Vereinssport in den ostelbischen Stadtteilen würde die Sporthalle mindestens mit weiteren 20 Stunden pro Woche auslasten, hat das SPD-Mitglied geschätzt. „Wahrscheinlich sogar mehr.“ Und Wenn das nicht reicht: „Sollte es dann immer noch freie Kapazitäten geben, könnte man die mit einem Blick über den Gemeindezaun schnell an den Mann oder die Frau bringen.“

Drastische Forderung des SPD-Mannes

Es bleibt also die kategorische Forderung des Hochschulprofessors Martin Kütz, der für die SPD im Stadtrat sitzt: „Die ostelbische Grundschule der Stadt braucht eine eigene Sporthalle. Punkt!“

Für alle Fälle muss ein Plan B her

Nun habe der Stadtrat beschlossen, die Stadt möge entsprechende Fördermittel „beschaffen“. Klappt das, wäre das schön und die Halle könnte gebaut werden, wenn die Stadt dann noch über die benötigten Eigenmittel verfügt. Klappt das mit den Fördermitteln nicht, was dann, fragt er sich? Nicht nur der Stadtrat, sondern auch die Bürger in den ostelbischen Stadtteilen sollten sich darauf vorbereiten, rät Martin Kütz. „Wir brauchen einen Plan B. Denn es geht nicht nur um die Kinder der kommenden vier Jahre, sondern um die Kinder der kommenden 40 Jahre.“ Und Kinder sollten nicht nur eine individuelle Last, sondern vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung sein, findet das Ratsmitglied.

Um Nachnutzung keine Sorgen machen

Kütz: „Ach ja. Und was wird mit der Halle in Pretzien, wenn die Sporthalle der Grundschule steht?“ Er liefert eine Antwort: Nun, zunächst wird noch eine Menge Wasser in der Elbe an Schönebeck vorbeifließen, bis die neue Sporthalle steht. Und bevor die neue Sporthalle dann eingeweiht werden kann, ist noch Zeit zum Vor- und Nachdenken. „Um den Leerstand oder eine „Nachnutzung“ der Pretziener Halle sollten wir uns keine Sorgen machen. Das wird sich finden.“