Glinde l Rund 2000 Besucher pilgerten am 4. Februar zur Glinder Lichtmess, wo es 19 Schaubilder mit rund einhundert Mitwirkenden im Festumzug zu bestaunen gab. Die Szenen nahmen politische wie auch Themen aus dem Klamauk-Spielfeld aufs Korn.

Der wohl technisch aufwändigste Umzugswagen hieß „Hefners Erben“. Dabei machte das achtköpfige Team um Gero Weinhardt das Dahinscheiden des Playboy-Gründers Hugh Hefner (1926 bis 2017) im vergangenen Jahr zum Thema.

Warmes Wasser im Pool

Das Szenenbild: In einem Pool voll warmem Wasser räkeln sich ein paar leicht bekleidete Damen mit Hasenohren. Es sind unübersehbar Hugh Hefners Bunnys. Hinter ihnen plätschert ein knapp zwei Meter großer Wasserfall. Über ihm schwebende Herzen wollen sagen: Hier geht es frivol-lotterhaft zu. Schließlich war Hefner für sein ausschweifendes Leben bekannt und lebte in seinen späteren Jahren zeitweilig mit bis zu sieben Frauen gleichzeitig zusammen.

Bilder

Realität hinterher gehastet

Doch wo war er in Glinde? Der Meister im Morgenmantel (Robert Hoffmann) und mit Kapitänsmütze hastete außerhalb des rollenden Pools hinter seinen Bunnys her, wurde am Einsteigen aber von einem kleinen Himmelsgeist (Til Herbert Natho) gehindert. Während die Damen sich quietschvergnügten, jammerte Hugh immer wieder verzweifelt: „Ich will da rein!“

Actionreiche Darstellung

„Das ist eine sensationell actionreiche Darstellung von Gero Weinhardt, Ulf Seidel, Robert und Ruben Hoffmann, Philipp Wenzel, Torsten Münzberg sowie Till und Matze Natho als Hefners Erben“, kommentierte Lichtmess-Vorstand Christoph Randel.

Das Bemerkenswerte an dieser heiteren Fuhre war ihr technischer Aufbau. Man bedenke: Die Bunnys tummelten sich bei null Grad Lufttemperatur im etwa 30 Grad warmen Wasser.

„Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie wir das Wasser im Pool warm bekommen“, erinnert sich Ulf Seidel an die Ideenfindung. Der Trupp habe sich im Internet schlau gemacht und stieß auf Kupferheizwendel. „Die eigneten sich für unsere Zwecke aber nicht von der Größe her“, erklärt der Maschinenbauingenieur. Also sei man auf die Idee mit dem „ganz normalen Plattenheizkörper“ gekommen. Der wurde in einem Fass installiert, in dem ein Holzfeuer brannte. Mittels konventioneller Heizungspumpe wurde das Badewasser durch den Heizkörper geleitet. Auch der Wasserfall wurde auf ähnliche Weise durch eine Tauchpumpe zum Plätschern gebracht. Ein Notstromgenerator mit fünf Kilowatt Leistung sorgte für die notwendige Spannung.

Vier Wochen Arbeit

Um 14 Uhr begann der Lichtmess-Umzug, gegen 9 Uhr wurde der „Fass-Kessel“ angeheizt. Somit herrschten zu Beginn angenehme 30 Grad, die nach der dritten Umzugsrunde allerdings weniger wurden.

„Wir haben an dem Wagen vier Wochen gearbeitet“, verrät Ulf Seidel. Ähnliche Erfahrungen hatte das Team bereits vor vier Jahren gemacht, als sich die Glinder Kerle als Baywatch-Rettungsschwimmer von Malibu präsentierten. Auch damals wurde das Bassin geheizt.

Jedenfalls ein unglaublicher Aufwand für eine Stunde Umzugsspektakel.

Die Frage, was nach Umzügen mit der ganzen Technik gemacht wird, die erstens einen gewissen Wert hat und zweitens eine Menge Lagerraum einnimmt, beantwortet Bunny-Ulf gelassen: „Die Baywatch-Technik haben wir damals als Heizung für einen Swimmingpool verkauft.“