Schönebeck l Es deutete sich bereits Ende 2015 an. Schon damals war das städtische Freibad kurz vor einer Schließung. Die Wasseraufbereitungsanlage war defekt und musste repariert werden. Der Stadtrat gab nach hitziger Debatte grünes Licht und 140.000 Euro frei. Schon 2015 machte die Verwaltung deutlich, dass diese kurzfristige Maßnahme den Betrieb nur für einen bestimmten Zeitraum sichere.

Die Bereitstellung dieser sechsstelligen Summe damals war einer politische Entscheidung und so weit entfernt von Wirtschaftlichkeit wie Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un vom Friedensnobelpreis. Zu dieser Zeit wurde im Rathaus bereits hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen, dass jeder weitere Euro, der in das Freibad investiert werde, in den Sand gesetzt sei.

Zwei Jahre später kommt es nun ganz dick. Auf drei Seiten listet die Verwaltung den Stadträten schwarz auf weiß den aktuellen Renovierungs- und Investitionsstau auf und beziffert die finanzielle Misere auf satte 480.000 Euro – im günstigsten Fall. Hinzu kommen Auflagen des Gesundheitsamtes des Kreises.

Täglich 20.000 Liter Wasser

Hier ein Überblick über die einzelnen Mängel und die geschätzten Kosten:

• Durchströmung 50-Meter-Becken: Die Zuleitung des gereinigten und chlorierten Badewassers erfolgt über Einströmöffnungen unter dem Beckenboden. Ein Teil der Zuleitungen sind defekt, so dass größere Bereiche des Beckens nicht ausreichend durchströmt werden und die geforderte Badewasserqualität nicht gewährleistet werden kann. Die Verschmutzung durch Algenbildung wurde durch den Fachdienst Gesundheit des Salzlandkreises bemängelt. Die weitere Erteilung einer Betriebserlaubnis sei ohne Beseitigung dieses Mangels kritisch zu sehen. Kosten: 200.000 bis 240.000 Euro.

• Umwälzpumpen Wasseraufbereitung: Das Alter der Pumpen liegt bei rund 20 Jahre. Die Pumpen sind verschlissen. Der Austausch ist dringend erforderlich. Kosten: 25.000 Euro.

• Beckenbeschichtung: Der Fachdienst Gesundheit des Kreises fordert eine Erneuerung Boden- und Wandbeschichtung im Spaß- und Babybecken. Kosten: 25.000 Euro.

• Abdeckung Überlaufrinnen: Es besteht Unfallgefahr. Erforderlich ist die Erneuerung der Roste, die etwa 20 Jahre alt sind. Kosten: 15.000 Euro.

• Filteranlage: Das Alter der Anlage liegt bei 20 Jahre. Es muss die komplette Sanierung der Filteranlage erfolgen inklusive der Erneuerung der dazugehörigen Klappen, ein Kies- und Kohlewechsel. Kosten: 30.000 Euro.

• Instandsetzung der Mess-, Steuer- und Regeltechnik: Auch das Alter dieser Anlage beträgt rund 20 Jahre. Erforderlich ist die Erneuerung der Treibwasserpumpen, der Steuerung der Filteranlage und der Druckluftversorgung. Kosten: 20.000 Euro.

• Instandsetzung von Rutsche, Speier, Pilz und Schächte: Das Alter der Anlage beträgt etwa 20 Jahre. Wichtig ist nun die Neubeschichtung der Rutsche, Abdichtungsarbeiten am Speier und die Erneuerung der Pumpe beziehungsweise Instandsetzung der Pumpenschächte. Kosten: 20.000 Euro.

• Wasserverluste: Durch Undichtigkeiten im Leitungssystem der Badewasseraufbereitung treten nach wie vor täglich Wasserverluste von rund 20 Kubikmeter auf. Das sind jeden Tag 20.000 Liter Wasser. In das große Becken passen knapp 1,9 Millionen Liter. Des Weiteren zieht das System Luft, die die Messergebnisse der elektronischen Volumen-Strom-Messung verfälscht und die automatische Chlorierung des Badewassers außer Betrieb setzt. Zur weiteren Ursachenforschung ist es nach Ansicht der Stadt notwendig, die Schwallwasserleitungen, den Schwallwasserbehälter selbst und die Leitungen zu den Umwälzpumpen zu überprüfen. Im ungünstigen Fall sind umfangreiche Tiefbauleistungen und der Austausch von Leitungen erforderlich. Kosten 50.000 Euro.

Im Haushalt kein Geld

• Modernisierung der Sanitäranlagen der Gäste: Das Alter der Sanitäranlagen beträgt etwa 50 Jahre. Diese sind absolut verschlissen und unhygienisch. Kosten: 70.000 Euro.

• Renovierung Gebäude (Minimalprogramm): Auf der Liste stehen das Technikgebäude, der Raum des Schwimmmeister sowie die Instandsetzung von Kasse und Umkleide: Kosten: 25.000 Euro.

An dieser Stelle dürfte sich berechtigte Ernüchterung breit machen – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stadt diese Summe nicht einmal ansatzweise zur Verfügung hat. Schon für das Jahr 2017 gibt es keinen beschlossenen Haushaltsplan, für 2018 schon gar nicht. Im Gegenteil: Das Minus häuft sich auf Millionenhöhe. „In der jetzigen Haushaltssituation sind die zusätzlich zu erbringenden Reparaturleistungen nicht zu finanzieren“, ist das Fazit aus der Beschlussvorlage, die den Stadträten nun vorliegt. Zudem drängt sich die Frage auf, ob eine Sanierung für eine knappe halbe Million Euro ein von der Kommunalaufsicht geforderter „sparsamer und wirtschaftlicher Umgang“ mit Haushaltsmitteln ist.

Und jetzt: Wie geht es nun weiter? Die Mitglieder in den Ausschüssen und der Stadtrat selbst werden die Problematik erörtern. Viele Alternativen bleiben den Räten nicht, zumal bei einer theoretischen Abarbeitung der Mängelliste die notwendigen Planungsleistungen und Ausschreibungsfristen nicht eingehalten werden können. Damit deutet sich eines an: Es könnte ein trockener Sommer im Freibad Schönebeck werden.