Schönebeck l Der Malermeister Dieter Löwigt ist ein wahrer Meister seines Faches. Er verfügt über altes Wissen seiner handwerklichen Vorfahren und setzt dieses Kapital bei Haussanierungen gerne ein. Ob historisches Werkzeug oder spezielle Farbmischungen: Rentner und Malermeister Löwigt weiß auf alles eine Antwort.

Wie die Volksstimme schon einmal Anfang des Monats berichtete, ist Löwigts jüngstes Objekt ein Haus in der Republikstraße. Dort sind Gerüst und Planen inzwischen gefallen und geben den Blick frei auf ein Gebäude, das aussieht, als wäre es erst in diesen Tagen errichtet worden. Ockerfarbene Fenstereinfassungen, hellblaue Fassade und einige Farbtöne dunkler die angedeuteten Säulen. Wäre der Schönebecker nicht schon längst Meister, dies wäre sein Meisterstück.

Urin in der Farbmixtur

Noch viel interessanter ist eine Geschichte, die der 67-Jährige vor Wochen andeutete und am Donnerstag wieder umsetzte. Es klingt so ungewöhnlich, dass die Volksstimme bei den Malerarbeiten dabei war. Die Farbmixtur enthält Urin des Meisters und soll einmal auf die Wand aufgetragen ein Leben lang und länger halten.

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Wie kommt man auf diese brillante Idee? „Das sind Überlieferungen von alten Handwerkern“, berichtet der Dieter Löwigt. Dieses Wissen ist für ihn kein Herrschaftswissen. Bereitwillig gibt er seine Erfahrungen in Ausbildungsveranstaltungen an zukünftige Meister und an die Volksstimme zum Mitschreiben wie Omas bestes Kuchenrezept weiter.

„Also“, beginnt der Malermeister seinen kurzen Fachvortrag. Zunächst hat er sich die Originalfarbe am Haus angesehen. In diesem Fall sagt ihm sein geschulter Blick, dass er die Pigmentfarben Englischrot und Ocker mischen müsse. Pigmente sind farbgebende Substanzen. Im Gegensatz zu Farbstoffen bestehen sie aus Teilchen und sind im Anwendungsmedium praktisch unlöslich. „Beide Farben werden dann für 24 Stunden eingesumpft“, beschreibt Löwigt, was nicht mehr bedeutet, als dass sie gemischt stehen und ruhen. Danach kommt das, was für Handwerker, die ihre Produkte im Baumarkt fertig kaufen, ungewöhnlich klingen mag: „Ich habe daraufhin meinen Urin als Bindemittel hinzugegeben, weil die Pigmentfarbe ansonsten ungeeignet wäre“, so der Maler. Rund 20 Prozent Harn sind schon erforderlich, am Ende entstand rund ein halber Liter Farbe, den kein Baubedarf mal eben anrührt. Danach muss die Farbe noch einmal 24 Stunden stehen, bevor sie genutzt werden kann.

Nur noch einmal abschleifen

Nun malt Dieter Löwigt die vorgezeichneten Buchstaben akribisch nach. Auch das sieht das ungeschulte Volksstimme-Reporter-Auge: Die Farbe zieht sofort in den Stein ein. „Hier verbindet sich die Harnsäure mit dem Kalk“, zeigt der Experte auf den Schriftzug. Ist dieser trocken, wird vorsichtig mit Sandpapier nachgerieben. So entsteht ein gewisser Sepia-Effekt auf der Fläche.

Als nächstes will sich der Altmeister an die historische Eingangstür des Hauses in der Republikstraße wagen. Nach dem Abbrennen der alten Farbe bekommt das Holz eine „Schonkur“. Unter anderem wird dafür bestes Bier eingesetzt. Aber das ist schon wieder eine neue Geschichte.