Schönebeck l Edel sehen die Boote aus Mahagoni aus, die in der Schönebecker Bootsbaumanufaktur Beelitz und Maibuhr bearbeitet werden. Es sind vor allem altmodisch anmutende Holzboote, wie man sie aus alten Filmen kennt und heute eher in Saint-Tropez oder Venedig als an der Elbe vermuten würde. „Wir restaurieren und überarbeiten unter anderem klassische Motorboote“, sagt Bootsbaumeister Marcel Beelitz, einer von zwei Geschäftsführern des Unternehmens. Auch Segelboote oder Boote aus anderen Materialien wie Stahl oder Kunststoff werden von der Schönebecker Werft wieder auf Vordermann gebracht.

Seit fast zwei Jahren wird in der Bootsbaumanufaktur auf der Salineinsel relativ lautlos und von den Schönebeckern eher unbemerkt gewerkelt. Dabei geht es in der Halle zum Teil ziemlich laut zu. Bisher wurden die Boote in dem Unternehmen vor allem überarbeitet und umgebaut. „Service, Refit, Restauration“, heißt das in der Sprache der Bootsbauer von heute. Mehrere Dutzend Boote wurden in der Manufaktur bereits generalüberholt.

Erster kompletter Neubau

Ab diesem Herbst kommt erstmals der komplette Neubau von Booten hinzu. „Wir stellen zur neuen Messesaison im Herbst unser erstes eigenes Boot vor“, sagt Marcel Beelitz, der ursprünglich aus Brandenburg stammt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Autoboot, das diesen Namen trägt, weil sich der Motor wie bei einem Wagen vorne vor dem Fahrer befindet. Von der Entwicklung bis zur Produktion stammt das neue Boot komplett aus der Schönebecker Bootsbaumanufaktur. Wobei das schwimmende Fahrzeug je nach Wunsch des Kunden sowohl mit Verbrennungsmotor als auch mit Elektroantrieb ausgestattet werden kann. „Vor allem in Süddeutschland darf man auf vielen Gewässern nicht mehr mit Verbrennungsmotor fahren“, erzählt der Geschäftsführer. Der Preis soll bei etwa 75.000 Euro aufwärts liegen. „Unsere Zielgruppe sind Privatpersonen, aber auch Bootsverleihe“, sagt Beelitz.

Bilder

Mit dem Geschäft in den ersten beiden Jahren ist man bei der Bootsbaumanufaktur nicht unzufrieden. „Vor allem jetzt vor Beginn der neuen Saison haben wir viel zu tun“, sagt Marcel Beelitz. Die Auftragsbücher sind bis in den Sommer hinein gut gefüllt. Und auch nach dem Sommer werden wieder viele Kunden ihre Boote reparieren lassen. Das Problem: Die Bootsbaumanufaktur findet gar nicht genügend Mitarbeiter, um alle Aufträge abzuarbeiten. „Wir sind ständig auf der Suche und würden sofort zwei Bootsbauer einstellen“, sagt Geschäftsführer Beelitz. Außerdem würde das Unternehmen gern jedes Jahr einen Lehrling zum Bootsbauer ausbilden. Derzeit arbeiten in dem Unternehmen neben den beiden Geschäftsführern zwei Bootsbauer, ein Auszubildender sowie ein Praktikant.

Praktikum

Ein Praktikum sei wichtig, damit die Interessenten lernen, dass Bootsbauer nicht romantisch zur See fahren. Stattdessen wird in der staubigen und lauten Halle ordentlich angepackt. „Wir suchen Leute, die handwerklich begabt sind und Biss haben“, sagt Beelitz. Der Beruf sei abwechslungsreich, weil es immer wieder andere Boote zu bearbeiten gibt. Vom Rumpf über das Getriebe bis zur Elektronik kümmert sich der Bootsbauer um alle Teile.

Die Bootsbaumanufaktur wurde im Mai 2017 von einem Dortmunder Architekten und Bootsenthusiasten wieder eröffnet, nachdem die Vorgänger-Werft die Produktion eingestellt hatte. Marcel Beelitz und Dirk Maibuhr kamen als gesellschaftende Geschäftsführer hinzu. Beelitz besitzt drei eigene Boote, von denen bisher allerdings nur eins seetüchtig ist. Die Bootsbaumanufakturwürde irgendwann in der Zukunft auch gern den Salinekanal nutzen, um ihre Boote zu Wasser zu lassen. Dass der flache Kanal ausgehoben wird, ist derzeit aber noch nicht absehbar. Und so müssen die Bootsbauer ihre Boote bis auf Weiteres mit dem Anhänger zur Elbe fahren.