Siegfried Puder-Werner saniert Gebäude in Schönebecks Altstadt nach historischem Vorbild

Markt 22: Ein Stück Geschichte bewahren

Von Heike Liensdorf

Das Haus Markt 22 in Schönebeck hat seinen Charme von einst wieder. Siegfried Puder-Werner hat das Gebäude mit viel Liebe zum Detail saniert - (fast) so, wie es früher einmal aussah.

Schönebeck l Alles ist wieder da: der Stuck an den Außensäulen, die Gaube im Dach, die Tritte aus Sandstein, die Biberdacheindeckung, der Haken an der Fassade für die Straßenbahn-Oberleitung ... Siegfried Puder-Werner hat darauf geachtet, das Haus Markt 22 in Schönebeck möglichst so wieder zu sanieren, wie es einst ausgesehen hat. Getreu dem Bildmaterial, das er dazu im Stadtarchiv gefunden hat. Die ersten Aufzeichnungen gehen in das Jahr 1851 zurück. Doch das Haus müsse älter sein, ist sich der 30-Jährige sicher, denn auf den Dokumenten existiere sowohl das Haupthaus als auch schon der Anbau.

"Ein neues Haus hat für mich keine Seele. Das Haus kann erzählen."

Für den Krankenpfleger, der in Ranies lebt, ist es eine Herausforderung: "Es hat mich einfach gereizt, es wieder so herzustellen, wie es früher war. Mir ist es wichtig, ein Stück Geschichte zu bewahren." Neu bauen könne jeder, meint Siegfried Puder-Werner. "Ein neues Haus hat für mich keine Seele. Das Haus hier ist etwas gewachsenes, das kann etwas erzählen."

Vor zwei Jahren hat er das Haus Markt 22 gekauft, in das er sich schon lange "verguckt" hatte. Am 1. Oktober 2011. Vor dem Winter habe er erst einmal nur das Dach abgedichtet und Sicherungsmaßnahmen gemacht. "Aus der Dachrinne wuchsen schon Bäume, das Wasser lief an der Fassade herunter", weiß er noch genau.

In dem Haus waren seines Wissens nach immer Geschäfte und sollen es auch in Zukunft sein. Zuletzt war in der rechten Hälfte der Blumenladen Fricke. Diese 70 Quadratmeter sind jetzt ein Weinladen. In der linken Hälfte verkaufte die Bäckerei Ladebeck Brot und Brötchen. Derzeit gibt es für diese 15 Quadratmeter Geschäftsfläche noch keine Nutzer. Aber Interessenten. Und darüber: 200 Quadratmeter Wohnfläche. "Aus den einst drei soll nun eine Wohnung werden", erzählt Siegfried Puder-Werner.

Mittelalterliches Kellergewölbe: "Das ist so faszinierend."

Hinter dem Haus befindet sich ein 800 Quadratmeter großer Garten. Eingekreist von der Stadtmauer. Sozusagen ein ganz besonderer Platz in Schönebeck. Dessen ist sich Siegfried Puder-Werner bewusst. Und das Gebäude hat noch etwas Außergewöhnliches zu bieten: Im Keller gab es einst einen Fluchtweg zum Salzturm, der sich zwei Häuser weiter befindet. Die Treppe, die zum mittelalterlichen Kellergewölbe - "Das ist so faszinierend" - führt, ragte schon immer inmitten des Geschäftsraumes empor, reichlich verziert. Auch diese hat der 30-Jährige teils aufarbeiten, teils nach historischem Vorbild neu erstellen lassen. Sie ist - wie auch damals schon - immer noch ein Hingucker.

Siegfried Puder-Werner hat schon während der Arbeiten gemerkt, wie sehr die Schönebecker an diesem stadtbildprägenden Gebäude interessiert sind. "Wir haben 21 Container mit je 5,5 Kubikmetern an Müll abfahren lassen müssen. Immer beim Vollmachen kam jemand vorbei und hat uns auf das Haus angesprochen", erinnert er sich. Siegfried Puder-Werner muss schmunzeln, denn er weiß, was für einen Schatz er mit dem Markt 22 hat: Zum einen ist das Haus ein Einzeldenkmal, zum anderen ist es im denkmalgeschützten Bereich und zudem ist es ein archäologisches Flächendenkmal.