Calbe l Der Wind fegt über den Calbenser Marktplatz und lässt die Blusen und T-Shirts am Stand von Shahzad Anwar wehen. Der 45-Jährige hängt Kleiderbügel auf, sortiert die Textilien und holt ab und an neue Klamotten aus dem Transporter. Neben Anwar sind noch drei weitere Händler diesen Donnerstag auf dem Marktplatz vor dem Rathaus: Es ist Wochenmarkt.

Rund ein Dutzend Calbenser schlendern diesen Donnerstagmorgen über den gepflasterten Boden. Meist steuern sie recht zielgerichtet einen der vier Händler an. Vor allem am Wagen der Metzgerei „Sambill“ bildet sich regelmäßig eine kleine Kunden-Schlange von vier oder fünf Personen. Hinter dem Verkaufstresen steht Daniel Otto, in einem grell-grünen Pullover gekleidet, und bringt Pferdewurst, Hausschlachtwurst, Bratwurst und auch Eier an den Mann. „Zwiebelwurst geht auch sehr gut, wir sind nunmal in Calbe“, sagt Daniel Otto.

Treue Stammkunden

Schon seit über 20 Jahren steht der Metzger-Wagen jeden Donnerstag, früher auch immer dienstags, auf dem Calbenser Marktplatz. Das Geschäft läuft gut. „Wir haben sehr treue Stammkunden. Vor allem auch viele Senioren, die Wurst einkaufen, die es eben nicht in jedem Supermarkt gibt“, erzählt Otto. Manchmal würden sogar schon Kunden auf ihn warten, wenn er morgens vor dem Rathaus den Wagen für den Verkauf vorbereitet.

Bilder

Am Stand gegenüber der Wursttheke gibt es kein Fleisch. Dafür aber Blumen, Kräuter und andere Pflanzen. Hier berät Kerstin Kuhlbrodt die Calbenser, gibt Tipps für die richtige Pflege der Gewächse und verkauft diese natürlich auch. Aktuell sind vor allem Kräuter und bunte Stiefmütterchen sehr gefragt, berichtet die Calbenserin. Auch Kuhlbrodt nutzt den Wochenmarkt schon viele Jahre. „Wir sind kurz nach der Wende das erste Mal zum Verkauf auf den Markt gefahren und seitdem regelmäßig vor Ort. Ich finde es auch schön hier. So kommen die Leute auch mal raus und die Omis haben einen Platz um sich zu treffen und zu plauden. Und einkaufen können sie auch direkt hier“, sagt Kuhlbrodt.

Beratung zu Pflanzen

Dann kommt eine Kundin auf sie zu, streckt ihr das Smartphone entgegen und zeigt ihr ein Foto auf dem Gerät. „Was ist das? Ist das Goldlack?“, erkundigt sich die Frau bei der Gärtnerin. Zeit für ein Beratungsgespräch.

Für die Calbenser, die mit knurrendem Magen über den Marktplatz spazieren, hat Angela Doll was im Angebot. Im Wagen des Brauer Fetenservice aus Wedlitz verkauft sie Gulasch, Nudeln mit Tomatensoße, Erbsensuppe und andere Leckereien. Ende des Monats gibt es zudem auch immer Soljanka. „Die Leute fragen auch oft danach, deshalb bieten wir sie zumindest einmal im Monat mit an“, sagt Doll.

Beliebte Erbsensuppe

Aber auch die Erbsensuppe gehört mit zu den beliebtesten Gerichten am Stand. „Die bereitet meine Chefin Michaela Winterfeld zuhause vor und hier vor Ort wird sie dann gekocht.“

Besonders zur Mittagszeit herrscht an dem Wagen Hochbetrieb. Wenn so mancher sich seine Mahlzeit für die Pause besorgt. Komplett alle geworden sei das Essen aber bislang noch nie, sagt Doll. Zumindest in Calbe. In Städten wie Bernburg würde es schon mal vorkommen, dass Suppe und Co. restlos verkauft werden.

An Stand gewöhnt

Textilhändler Shahzad Anwar ist übrigens noch nicht so lange am Calbenser Wochenmarkt beteiligt. „Ich habe erst letztes Jahr hier angefangen. Inzwischen haben sich die Leute auch an den Stand gewöhnt, denke ich. Zum Anfang waren eher wenige Leute bei mir“, erklärt der Textilien-Händler. Er habe schon Tage erlebt, an denen er nicht einen einzigen Cent eingenommen hat. Doch das sei die Ausnahme. Irgendetwas verkaufe er meistens schon, so Anwar. Ihm gefällt am Markt, dass er an der frischen Luft arbeiten kann und in Kontakt mit anderen Menschen kommt. „Es macht mir Spaß. Und wir Händler verstehen uns untereinander auch“, sagt Shahzad Anwar.

Alle vier Händler haben eines gemein: Sie schätzen den Calbenser Wochenmarkt und wollen auch weiterhin hier ihre Waren verkaufen – und für die Calbenser bleibt es nebenbei auch ein beliebter Treffpunkt.