So soll es funktionieren

Lebensmittelabfälle werden angeliefert, in einer geschlossenen Halle (hinteres Gebäude) entpackt und vergärt. Mit der in der Biogasanlage (Türme) gewonnenen Energie wird entwässerter Klärschlamm, der aus Schönebeck und aus anderen Anlagen angeliefert wird, in einer geschlossenen Halle (vorderes, linkes Gebäude) mit Luftfilteranlage getrocknet. Das Klärschlammgranulat wird abtransportiert und in Kraft- sowie Zementwerken verbrannt. Flüssige Gärreste und Abwasser aus der Biogasanlage werden auf der Kläranlage behandelt und einer Faulung zugeführt, wobei auch Energie für die Trocknung gewonnen wird.

Quelle: Veolia/ GD - Die Planer Leipzig GmbH

Frohse l Lebensmittelabfälle aus Industrie, Handel und Gaststättengewerbe nachhaltig verwertet und dabei gleichzeitig regenerative Energie gewinnen, um Klärschlamm zu trocknen – das plant die Veolia Wasser Deutschland GmbH. Dafür will das Unternehmen zwölf Millionen Euro in die Hand nehmen und in Schönebeck ein eigenen Angaben zufolge in Deutschland einzigartiges Projekt realisieren: eine Trocknungsanlage für Klärschlamm mit vorgeschalteter Biogasanlage. Direkt neben der Kläranlage an der Magdeburger Straße in Frohse. Denn Veolia ist mit ihrer Tochtergesellschaft, der Abwasserentsorgung Schönebeck GmbH (AbS), Betreiber dieser Anlage.

Baustart soll im kommenden Jahr sein. Das Vorhaben ist derzeit Thema in den städtischen Gremien. Stimmen die Stadträte dafür, ebnen sie den Weg, damit das Projekt angegangen werden kann.

Jährlich sollen rund 46.000 Tonnen Lebensmittelabfälle verarbeitet werden. Die in der Biogasanlage gewonnene Energie werde genutzt, um den Klärschlamm der Kläranlage in Schönebeck sowie weiterer regionaler, kommunaler Kläranlagen in einer geschlossenen Anlage zu trocknen und ihn in einen hochwertigen Ersatzbrennstoff zu überführen, erklärt Sebastian Lösch auf Nachfrage der Volksstimme. „Wertvolle Energie geht damit nicht verloren, sondern wird sinnvoll genutzt“, so der Veolia-Niederlassungsleiter für den Standort Schönebeck.

Ergebnis: Ersatzbrennstoff

Am Ende des Trocknungsprozesses sollen jährlich rund 10.600 Tonnen Klärschlammgranulat und feste Gärreste übrig bleiben, so die Rechnung des Unternehmens. „Das ist ein hochwertiger umweltfreundlicher Ersatzbrennstoff, der qualitativ hinsichtlich seiner Brennbarkeit der Braunkohle entspricht und damit bestens in Kraft- und Zementwerken der Region verwertet werden kann”, ergänzt Lösch.

Täglich, so die Vorausschau für die geplante Anlage, werden schätzungsweise 21 Laster Lebensmittelabfälle und Klärschlamm in geschlossenen Behältern anliefern beziehungsweise Verpackungsabfälle und getrockneten Klärschlamm abfahren. Zwölf Arbeitskräfte sollen eingestellt werden.

Stadträte haben Fragen

Im jüngsten Bauausschuss ist das Vorhaben erstmals vorgestellt worden. Das Gremium steht dem Vorhaben mehrheitlich positiv gegenüber.

Fragen gab es dennoch. Stadtrat Mark Kowolik (Fraktion FDP/Grüne/Below/Kowolik) fragte nach der Geruchsbelästigung. Der zuständige Ingenieur Burkhard Habermehl verwies auf zu leistende Genehmigungsverfahren gemäß Bundesimmissionsgesetz sowie Umweltverträglichkeitsprüfung. Wesentliche Punkte seien dabei Lärm und Geruchsbelästigung. „Im Regelbetrieb gibt es keinerlei Belästigung“, sagt Habermehl.

Um Kapazität und Auslastung ging es Stadtrat Roland Claus (Die Linke): „Das Wievielfache des in Schönebeck anfallenden Klärschlamms kann verarbeitet werden? Wie weit reicht der Zubringer-Radius?“ Ein Drittel der Gesamtkapazität komme aus Schönebeck, so Niederlassungsleiter Sebastian Lösch. Für die anderen zwei Drittel wollen man sich an Ausschreibungen beteiligen, um die Anlage mit Klärschlamm aus der Region Magdeburg plus 50 Kilometer zu versorgen.

Stadtrat Thoralf Winkler (Fraktion FDP/Grüne/Below/Kowolik) wollte wissen, wohin der Schönebecker Klärschlamm zurzeit hinkomme. Lösch erklärt, dass eine vertraglich gebundene Firma diesen zum Verbrennen bringe. Sie entscheide selbst, wohin – je nach Bedarf.

Der Wirtschaftsausschuss tagt am 26. August ab 17 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Dann geht es auch um das Vorhaben. Veolia-Vertreter werden vor Ort sein.