Schönebeck l „Ich war natürlich anfangs etwas überrumpelt und habe mich gefragt, wie und wo ich anfangen soll“, blickt Florian Schleußner zurück. Der Auszubildende in der Calbenser Stadtverwaltung hat nämlich Anfang April, da war Schleußner noch im ersten Ausbildungsjahr, eine ganz besondere Aufgabe übertragen bekommen: Er soll einen Fördermittelantrag erstellen, um Geld für die Modernisierung der Lichttechnik des Sportplatzes auf dem Heger zu akquirieren.

Hintergrund ist, dass das Land Sachsen-Anhalt im April ein Förderprogramm mit einem Volumen von insgesamt einer Million Euro auf die Beine stellte. Das Geld ist für die Vorhaben von Sportvereinen und Kommunen vorgesehen. Projekte können mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden.

Arbeiten unter Zeitdruck

Der Haken: Die Projekte mussten bis spätestens zum 15. Mai eingereicht werden. „Das hieß für uns, dass es schnell gehen muss“, sagt Bürgermeister Sven Hause (parteilos). Der erste Fördermittelantrag, den der junge Azubi bearbeitet, ist also auch noch unter Zeitdruck zu erstellen.

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„Ich habe mich dann erstmal in die ganzen Unterlagen rein gearbeitet. Man muss ja erstmal das Antragsformular lesen und verstehen. Herr Hause hat mich aber unterstützt, wenn etwas unklar war“, so Schleußner.

Weitblick entwickeln

Doch warum wird eine Aufgabe, noch dazu mit einer recht knappen Frist, an einen Azubi übergeben? „Mir geht es darum unsere Auszubildenden zum selbstständigen Arbeiten zu motivieren. Außerdem sollen sie einen Weitblick entwickeln, der über ihre sonstigen Aufgaben hinaus geht“, begründet Hause. Außerdem sei das Projekt – vom Zeitdruck abgesehen – noch ganz überschaubar und daher zum „Anlernen“ gut geeignet.

Florian Schleußner arbeitet sich immer weiter ein und erstellt unter anderem Lagekarten und andere Anlagen. Doch dann ein Rückschlag – der junge Mann erkrankt. Fertig ist der Fördermittelantrag noch nicht.

Riesiger Blätter-Stapel

Térése Harant, die schon ein Lehrjahr weiter ist, springt in die Bresche. Auch für sie ist es der erste Fördermittelantrag, den sie bearbeitet. „Das war ein riesiger Stapel Blätter. Immerhin sind es neben dem Antrag noch 46 Anlagen“, berichtet sie. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Nur eine Woche steht ihr zur Verfügung, um den Antrag final zusammenzustellen. „Der Druck war auf jeden Fall spürbar“, erinnert sie sich noch gut. Doch letztlich klappt alles. Bürgermeister Hause gibt sein Okay. Doch viel knapper könnte es nicht sein. Erst am 15. Mai – also am Tag des Einsendeschlusses – ist wirklich alles picobello. „Wir haben dann zunächst sämtliche Unterlagen via Mail versendet und dann noch den Antrag per Einschreiben abgeschickt“, sagt Térése Harant.

Zusage erhalten

Und offensichtlich hat sich der ganze Stress gelohnt. Die Stadt erhält am 24. Juli die Zusage vom Landesverwaltungsamt. Wenn in den nächsten Wochen der Förderbescheid ankommt, dann ist es auch offiziell in trockenen Tüchern.

Lichtverhältnisse verbessern

Somit konnten die beiden Auszubildenden dazu beitragen, dass die alten Leuchtköpfe noch dieses Jahr gegen moderne LED-Strahler ausgetauscht werden. „Zwölf davon werden den großen Fußballplatz beleuchten und vier den kleinen ‚Bolzplatz‘. Dann gilt die Ausrede ‚Ich habe den Ball nicht gesehen‘ nicht mehr“, scherzt Hause. Und die Sportler dürfte es sicher freuen, immerhin werden so die Lichtverhältnisse massiv verbessert. Gleichzeitig sparen die LEDs auch Energie ein. Und all das fing damit an, dass ein Azubi am Anfang überrumpelt war.