Sachsendorf l „Uns hat jemand angesprochen, der fast täglich mit dem Zug an Sachsendorf vorbei fährt. Er meinte, es sähe traurig aus, so eine Mühle ohne Flügel“, sagt eine Dame des Mühlenvereins zu Claus Mangels. Der „Ortscurator Magdeburg“ der Stiftung Denkmalschutz lächelt milde: „Naja, das wird ja wieder!“ In der Hand hält Mangels wie zum Beweis einen Symbolscheck, auf dem die Zahl „10.000“ geschrieben steht. Die Stiftung Denkmalschutz beteiligt sich mit dieser stattlichen Summe an der Mühlensanierung. Sie kommt aus der Glücksspirale und der Lotto-Rentenlotterie.

Sie zu reparieren tut bitternot, weil jenes Holz, das normalerweise die Flügel trägt, dramatisch angefault war.

Die Sachsendorfer Hobby-Windmüller sind stolz darauf: Ihre Windkraft ist kein „hohler Vogel“, der nur dekorativ in die Landschaft lächelt. Sie ist ein technisches Denkmal mit Funktion.

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Seit 2017 nicht mehr „windgängig“

Seit 2017 muss Vereinsvorsitzender Martin Häniche allerdings die Vergangenheitsform wählen, wenn er von „windgängig“ spricht. Weil das Bruststück brach – es trägt die Flügel – wurden die Ruten mit ihren Jalousien vor knapp zwei Jahren abgenommen. Glück im Unglück: Wäre das nicht geschehen, hätte der 2018er Orkan Friederike mit Sicherheit für noch größere Schäden gesorgt.

Seitdem sieht die Sachsendorfer Windmühle aus der Ferne wie ein unscheinbarer Holzturm mit spitzem Dach aus. Was vielen Pendlern auffällt, die mit dem Zug vorbei fahren.

Förderanträge geschrieben

Der 24-köpfige Verein hatte daraufhin seine Schularbeiten gemacht und verschiedene Förderanträge gestellt. So zum Beispiel beim Leader-Programm, das der Entwicklung ländlicher Regionen dient. Zieht man verschiedene Internet-Beispiele zu Rate, wird deutlich, dass mit Hilfe dieses Fördertopfes schon vielen Windmühlen geholfen werden konnte. Hier zahlte sich der Sachsendorfer Müllerfleiß aus. Dietrich Heyer, Vorsitzender der Leader-Gruppe „Elbe-Saale“, bestätigte 25.490 Euro. Damit steht dank Leader und der Stiftung Denkmalschutz der Löwenanteil der benötigten 40.000 Euro bereit.

Doch rund 5.000 Euro fehlen noch. Vereinsmitglieder wollen sie stemmen. Mit ihrer Hände Arbeit übernehmen sie Handwerksleistungen. Das versichert jedenfalls Vorsitzender Martin Häniche. Und ohne die Sicherstellung dieser Eigenmittel wäre auch die Leaderförderung passé gewesen.

Teflonplatte wird Drehen erleichtern

Doch es müssen nicht nur im Bereich der Flügel Hölzer ersetzt, sondern auch andere wichtige Holzteile ausgewechselt werden. Wie zum Beispiel der Mühlenbock, der quasi das Fundament der Windkraft darstellt. Dafür muss die Mühle spektakulär um 40 Zentimeter angehoben werden, was mit vier hydraulischen Hebern geschehen soll. Neue Bockschwellen aus Eiche werden dann eingebaut und das brüchige Steinfundament neu aufgemauert. Allein dieser Posten wird im Kostenvoranschlag mit 12.800 Euro angegeben.

Bei dieser Gelegenheit – wenn die Mühle angehoben ist – soll zwischen Hausbaum und Mehlbalken eine Teflonplatte eingebaut werden. Sie wird das In-den-Wind-drehen des etwa 25 Tonnen schweren Mühlenkörpers erleichtern. Mühlenbauer Martin Wernicke hat bereits das Werkzeug geschultert und wird in den kommenden Monaten in Sachsendorf los-legen. Ziel der Fertigstellung ist der Herbst dieses Jahres.

Die Sachsendorfer Windmühle ist ein gutes Beispiel für die Schaffenskraft des Fördervereins der Mühlenfreunde, der sie in den 1990er Jahren komplett sanierte und funktionstüchtig machte. Die Aktivisten der ersten Stunde gingen kurz nach der Wende ans Werk, um aus dem traurigen Holzskelett wieder eine Mühle zu machen. Gustav Radespiel (†) , der in die Windmüller-Dynastie Liebeherr eingeheiratet hatte, initiierte die Gründung des Mühlenvereins.

Errichtet wurde die Windkraft im Zeitraum zwischen 1701 und 1709, umgebaut 1819.