Sachsendorf l Sachsendorfs Wahrzeichen fehlen die Flügel. Flügellos seit November 2017. „Die Zugfahrer sprechen uns schon darauf an“, deutet Martin Häniche auf die Gleisstrecke unweit des Mühlengeländes. Er ist der Vorsitzende des ortsansässigen Mühlenvereins. Die 8,50 Meter langen Flügel samt Mühlenkorpus haben für Zugfahrende oftmals ein beliebtes Fotomotiv ergeben. Vor rund einem Jahr wurden diese abgenommen. Häniche hatte zusammen mit seinem 23-köpfigen Team ein ungewöhnliches Schwingen und Wackeln eines Flügels festgestellt. Sicherheitshalber wurden sie abgenommen - und dabei ein Bruchschaden am sogenannten Brustkreuz festgemacht. Die Eichenholzkonstruktion trägt im Normalfall die dort angeschraubten Flügel. „Beim Abnehmen stellt sich heraus, dass einer von Holzfäule betroffen ist“, erzählt der Sachsendorfer selbst. Das neue Bruststück soll nun aus Douglasie gefertigt werden.

Häniche beantragt im letzten Jahr bereits Leader-Fördermittel für Projekte zur Entwicklung im ländlichen Raum. Alle Vereinsmitglieder erhoffen sich eine Genehmigung. Für insgesamt rund 36.000 Euro könnten dann Arbeiten an dem 1701 gebauten Denkmal erledigt werden. Den Eigenanteil von rund 4500 Euro leisten die Mitglieder teils in Form von Sachleistungen, indem sie Arbeiten selbst stemmen. Noch ist das Bewilligen allerdings der große Traum. Vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (Alff), das die Anträge bearbeitet, sei bisher noch nichts eingegangen. Damit haben Häniche und seine Mitstreiter allerdings gerechnet. Mit einem Mühlenbauer aus Sachsen-Anhalt sei bereits alles abgestimmt gewesen.

Ohne Bewilligung keine Mittel

„Aber ohne Bewilligung kann ich auch keine Mittel auslösen“, begründet der Vereinschef die momentan angespannten Gemüter. Diesen Ablaufplan kannte auch das Alff, verweist Häniche auf die versandten Unterlagen.

Bilder

Jetzt im September sollte der Mühlenbauer ans Werk gehen. Da er in Sachsendorf nicht ans Werk gehen kann, widme er sich anderen Aufträgen. „Zum Glück“, atmet Martin Häniche erleichtert auf, „hat er sich bereiterklärt, das Kostenangebot zu halten. Wir können uns melden, sobald wir Bescheid bekommen“.

Erst das zurückliegende Wochenende mit dem bundesweiten Tag des offenen Denkmals hat gezeigt, dass die Mühle für Hunderte Menschen ein interessantes Besucherziel ist. Und das, obwohl durch die fehlenden Flügel nicht einmal zu Schauzwecken gemahlen werden kann. Dafür können sich die Gäste über die geplanten und anstehenden Arbeiten informieren und den bereits gezeigten Einsatz der Vereinsmitglieder. Hinter der Mühle liegen die schweren Mühlenflügel. Zweimal sind sie mitunter bereits mit Holzschutzfarbe gestrichen, meint Reinhard Höfflin, Tischler und Mühlenkenner. Dazu kommt die Erneuerung der Fundamente und Schwellen des Mühlenbocks. „Dort sieht man, dass der Fugbalken angebrochen ist“, zeigt Höfflin auf die Mängel. Der Fugbalken dient der Stabilisierung.

Mühle um 40 Zentimeter anheben

Zu den größeren Aufgaben gehört die Erneuerung des Mühlenbockes, der - salopp gesagt - das Fundament der Windkraft darstellt. Um dort - sozusagen an den Mühlenunterbau heranzukommen, muss die Bockwindmühle mit ihren rund 40 Tonnen um ungefähr 40 Zentimeter angehoben werden. Auch das kann aber erst nach Eingang einer Genehmigung angegangen werden. Bis dahin hoffen die Mitglieder, dass sich andere Teile nicht ebenfalls „kaputt stehen“, weil sie nicht im Betrieb sind.