Schönebeck l Wer in Schönebecker Straßen, insbesondere der Garbsener, Moskauer und Prager Straße unterwegs ist, kommt nicht drumherum. Der Müll türmt sich stellenweise an den abgeschlossenen Sammelplätzen, die heißen Temperaturen tun ihr Übriges – der Abfall stinkt zum Himmel. Das haben kürzlich auch Sigrid Meyer von der Städtischen Wohnungsbau GmbH (SWB), Karl-Ulrich Voigt von der Schönebecker Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) und Udo Achtert in Vertretung der zuständigen Abfallentsorgungsfirma Tönsmeier bei einer Begehung der genannten Straßen feststellen müssen.

Seine Firma, in Zusammenarbeit mit Tönsmeier, ist auch für die Entsorgung der Gelben Tonnen zuständig. Schnell kommt die Frage auf, warum sich der Abfall türmt. Laut Geschäftsführer Udo Achtert fahren die Entsorger die Straßen turnusmäßig ab. Das Problem ist ein anderes: Die Mülltrennung der Bewohner funktioniert nicht – noch immer. Wenn die Mitarbeiter sehen, dass die Gelbe Tonne falsch befüllt ist, bekommt sie einen Aufkleber und wird stehen gelassen. Und zwar bis zur nächsten Abholung –höchstens zwei Wochen später. Dreimal geht das Spiel, dann zieht der Entsorger die Tonne ein, so wie es dieses Jahr bereits in der Garbsener Straße (Volksstimme berichtete) passiert ist. Udo Achtert sagt, dass die falsche Mülltrennung bei der späteren, weiteren Sortierung viel Geld koste, daher auch diese Maßnahme.

Hausmüll falsch weggeschmissen

Doch seit die Gelben Tonnen wieder aufgestellt wurden, hat sich nichts verändert. „Ich habe den Eindruck, wenn der Restmüll voll ist, wird der Hausmüll ohne Wenn und Aber in die Gelbe Tonne geschmissen“, so Achtert. Ihn beschleicht das Gefühl, dass sogar die Aufkleber manchmal abgerissen werden.

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Bereits mit entsprechenden Aushängen wurden die Mieter bei der SWB auf korrekte Mülltrennung hingewiesen. SWB-Geschäftsführerin Sigrid Meyer sieht sich machtlos. „Das Problem ist die Anonymität. Es müsste für jede Mietpartei eine Gelbe Tonne geben“, erklärt sie im Hinblick darauf, dass dann nachvollziehbar wäre, wer falsch trennt. „Aber das kann es doch auch nicht sein, wir wollen doch keine Stadt der Gelben Tonnen“, merkt sie an.

Hoher Zeitaufwand

Für Karl-Ulrich Voigt, Vorssitzender der WBG, hat das Problem verschiedene Ursachen. Es beginne schon bei der Anzahl der Tonnen: „Es müssen mehr Tonnen nachgeordert werden“, fordert er. In der Restabfallentsorgungsgebühr, die die Mieter mitzahlen, ist die Entsorgung von 15 Litern Hausmüll pro Woche vorgesehen. „Das ist eigentlich auch zu wenig“, stellt Karl-Ulrich Voigt fest. Ein weiteres Problem sieht er darin, dass viele nicht wissen können, wie korrekt zu trennen ist. „In anderen Bundesländern ist es wieder anders geregelt. Da heißt es Wertstofftonne und kann nochmal anders befüllt werden“, erklärt er vor den Anwesenden.

Extra-Kosten für die Problematik entstehen den Mietern nicht. Die Arbeit bleibt bei den Hausmeistern der Vermieter hängen. Die müssen nämlich den Müll umsortieren. „Eine Person ist bei uns dauerhaft ganztägig damit beschäftigt“, erklärt Hauswart Thomas Pöschke. Der eigentliche Zeitaufwand pro Person dafür sei weit überschritten.

„Das kann doch nicht Aufgabe des Hauswartes sein, dauerhaft Müll zu sortieren“, meint Sigrid Meyer. Die Wohnungsvermieter sehen auch den Kreiswirtschaftsbetrieb in der Pflicht – zum Beispiel durch mehr Restmülltonnen oder häufigeres Entleeren. Der Tenor aller Beteiligten: man müsse sich dringend an einen runden Tisch setzen. Ein Termin in den kommenden Wochen sei anvisiert.