Schönebeck l Am Salinekanal, genauer gesagt vom Einlauf bis zum Röthe-Siel, werden sie auch die nächsten Tage noch häufiger anzutreffen sein, die Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Elbaue. Sie sammeln ein und entsorgen, was einst durch das Wasser bedeckt war: gut 120 Auto- und Lasterreifen, unzählige Schuhsohlen, Schrott, ja sogar ein aufgebrochener Tresor. Das trockene Jahr und damit der niedrige Wasserstand lassen so manches zum Vorschein kommen, das hier vermutlich vor mehreren Jahrzehnten entsorgt worden ist. Sichtbar seit etwa August, kann aber erst jetzt gehandelt werden. Nun ist die Fläche einigermaßen gut begehbar – an einzelnen Stellen nur sehr vorsichtig und umsichtig. Der Schlamm birgt so manche Gefahr.

Gestern haben sich Steffen Jung und Uwe Köhler vom Unterhaltungsverband mit Henrik Scheffler vom Grundwassermanagement und baulichen Hochwasserschutz der Stadt Schönebeck vor Ort getroffen. So richtig überrascht ist von dieser Situation keiner von ihnen. „Zu DDR-Zeiten ist auf dem Kanal, etwa 400 Meter vom Einlauf entfernt, eine Deponie errichtet worden. Sprich es war bekannt, dass hier so einiges entsorgt worden ist, was genau, weiß keiner“, so Scheffler. Die beiden Verbandsmitarbeiter nicken. Das sei öffentlich zugängliches Gelände gewesen.

Ausmaß erst jetzt sichtbar

Nur sei bis dato im Kanal halt immer Wasser gewesen, so dass das wirkliche Ausmaß erst jetzt – im wahrsten Sinn des Wortes – ans Tageslicht gekommen ist. Dass dieser Bereich nun trocken liegt, sei schon etwas Besonderes, räumt Henrik Scheffler ein. Und auch Christian Jung, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Elbaue ist verblüfft. „Ich bin über 50 Jahre wasserwirtschaftlich tätig gewesen. Ich habe noch nie erlebt, dass dort hinten kein Wasser ist“, sagt der einstige Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft.

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Im Zuge der Rekultivierung zum Bürgerpark seien nur die Randbereiche des Salinekanals von Unrat befreit worden, da im Kanal selbst eine Wassersäule stand, sagt Henrik Scheffler. Er erinnert sich, dass im Zuge eines möglichen Ausbaus des Salinekanals vor etwa zehn Jahren einmal geschätzt worden war, was eine Beräumung im großen Stil – also auch mit Entschlammung – kosten würde: rund 1,2 Millionen Euro. Aufgrund der Strömung der Elbe würden sich aber immer wieder Sedimente ablagern, Beräumungen müssten also in regelmäßigen Abständen immer wieder passieren. Doch dazu fehlten und fehlen immer noch die finanziellen Mittel.

Alles Sichtbare wird beräumt

Nun ist das Wasser weg und die Reifen sind wieder da. Alles Sichtbare wird dieser Tage entsorgt. Das hat die Stadt dem Unterhaltungsverband in Auftrag gegeben. Henrik Scheffler vom Grundwassermanagement rechnet mit Kosten im vierstelligen Bereich. Was alles noch nicht-sichtbar schlummert, kann keiner sagen. „Der Kanal ist in der Mitte grundlos, die Schlammdecke etwa 1,50 Meter stark. Da steckt sicherlich noch einiges drin“, meint er.

Mit der Unteren Wasserbehörde sei abgestimmt, dass der Salzlandkreis über die Abfallwirtschaft die Entsorgung übernimmt, sagt Scheffler. Eine Antwort vom Kreis zu den Kosten und wie diese umgelegt werden, steht noch aus.

Allgemein gilt: Der Kanal ist ein Gewässer zweiter Ordnung. Wird Unrat abgekippt, fallen für die Entsorgung Mehrkosten an, die die Stadt übernehmen muss. Geld, das ungeplant ausgegeben werden muss. Dafür muss diese Summe an anderer Stelle eingespart werden. „Wir müssen das jetzt aber machen. Da kommen wir vielleicht nie wieder ran. Zumal es auch ein optischer Schandfleck ist“, erklärt Henrik Scheffler.