Bad Salzelmen l Pferde waren eigentlich die Leidenschaft von Sabrina-Vivian Höpcker. Ihr Vater war es, der die Geige liebte. Mit fünf oder sechs Jahren, so erzählt es die Musikerin am Sonntag beim Philharmonischen Phrüstück, habe sie dieses Instrument für sich entdeckt. Anfangs habe sie vielleicht so fünfzehn Minuten am Tag geübt. „Heute ist es ein bisschen mehr“, antwortet sie mit ihrem herzlichen Lachen auf die Frage von Gerard Oskamp, Dirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, wie viel sie denn heute als Berufsmusikerin übe. „Bis zu sechs Stunden am Tag“, fügt sie hinzu.

Sabrina-Vivian Höpcker ist eine junge deutsche Geigerin, die 16 Jahre lang als Konzertmeisterin der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford tätig gewesen ist. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Los Angeles. Bekannt ist sie für ihre beeindruckenden Soloauftritte - davon durften die Konzertbesucher im Salzlandkreis am Wochenende mehrfach partizipieren. So spielte sie mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie das Programm „Lieben Sie Brahms?...oder doch Schubert?“ am Freitag in Bad Salzelmen, am Sonnabend in Barby und am Sonntag in Bernburg. Von ihrer privaten Seite zeigte sie sich am Sonntagmorgen in Schönebeck beim Philharmonischen Phrüstück, zu dem der Förderverein des Orchesters regelmäßig einlädt.

Teil des Ganzen oder als Solist

Was macht den Unterschied zwischen Konzertmeister und Solist, fragt Gerard Oskamp in der lockeren Runde. „Als Konzertmeister bin ich Teil des Ganzen und muss mich tonlich zurücknehmen, weil es ein Gruppenklang sein soll“, erklärt die Musikerin. Als Solist hingegen dürfe und müsse sie den solistischen Klang bieten. Dass sie das beherrscht, beweist sie am Sonntag. Mit Kammerphilharmonie-Musiker Jerzy Bojanowski am Keyboard spielt sie unter anderem das Thema aus dem Filmklassiker „Schindlers Liste“ und „Oblivion“ von Astor Piazolla.

Das sind gefühlvolle Melodien, die Emotionen hervorrufen und Erinnerungen wecken. Ein Stichwort für den Moderator Gerard Oskamp. Er fragt seinen zweiten Gast, die neue Geschäftsführerin der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Anita Bader, welches klassische Stück sie einst das erste Mal gehört hat. „Die Königin der Nacht“, sagt sie. 70 Mal am Tag habe sie damals die Schallplatte abgespielt. „Bis meine Mutter mir diese wegnahm“, fügt sie hinzu und schmunzelt. Das kann Gerard Oskamp, selbst Vater eines Vierjährigen, gut nachvollziehen. „Mein Sohn macht immer die Fledermaus an“, erzählt er. Das Publikum lacht - wissen sie doch alle, dass die Fledermaus 2016 beim Operettensommer gespielt wurde.

Dass Anita Bader gebürtig aus Bayern kommt, das höre man gar nicht, geht der Dirigent weiter auf die neue Geschäftsführerin ein. Sie gibt derweil zu, dass, wenn sie in der Heimat ist, der Dialekt auch bei ihr sofort durchschlage. Von München ist die studierte Geigerin und Sängerin damals nach Ulm für ihr erstes Engagement gegangen, danach folgten zwölf Jahre Magdeburg. Dann hat sie umgesattelt. „Theatermanagement hat mich immer schon interessiert“, sagt sie. Und so ist sie nach einem weiterem Studium wieder in die Region zurückgekehrt.