Schönebeck l Er hatte nur 15 Minuten, um all sein Talent vor einer Jury unter Beweis zu stellen. Insgesamt 900 Sekunden, um mit seinem Instrument eins zu werden und unter anderem Stücke von Joseph Küffner und Jean-Xavier Lefèvre auf höchstem Niveau zum Besten zu geben. Für den Schönebecker Zeit genug, um unter mehr als 1.000 Musikschülern aus dem gesamten Bundesgebiet zu glänzen.

Denn Christoph Blamberg sicherte sich vor kurzem beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in Lübeck mit 24 von möglichen 25 Punkten unter rund 20 Teilnehmern seiner Altersgruppe den ersten Platz in der Kategorie „Klavierbegleitung“. Gemeinsam mit seinem Partner Johann Schlegel an der Klarinette, der ebenfalls in seiner Altersgruppe den 1. Bundespreis erreichte, qualifizierte sich Christoph Blamberg über den Regional- und Landeswettbewerb bis auf Bundesebene. Die Paarung kommt dabei nicht von ungefähr: „Johann nimmt bei meinem Vater Klarinettenunterricht – so schließt sich der Kreis“, erklärt der 17-Jährige im Gespräch.

Immer mehr Klavierstunden

Übung ist der Schlüssel zum Erfolg. Der frisch gebackene Abiturient spielt sei seinem fünften Lebensjahr Klavier an der Musikschule, und der Antrieb dazu kam – nicht ganz überraschend – von Vater Uwe Blamberg, der selbst schon als Lehrer an der Musikschule tätig war. Er motivierte den Sohn zum Spiel an den schwarzen und weißen Tasten. Aus den anfangs noch mühsamen Übungen wurde bald ein harmonisches Zusammenspiel am Instrument. Mittlerweile übt er sogar gerne, erklärt Christoph. Denn von nichts komme nichts. „Insbesondere dann, wenn man ein Ziel vor Augen hat“, so Blamberg.

In den vergangenen Jahren avancierte der bescheidene junge Mann damit zum unterstützten Nachwuchstalent. Christoph gehörte zu durchschnittlich 25 Nachwuchsmusikern im Salzlandkreis, die in der „Studienbegleitenden Abteilung“ der Kreismusikschule untergebracht sind und mehr als die üblichen Klavierstunden ableisten. Damit wird Schülern zum Beispiel in Richtung Kirchenmusik und Musiklehramt der Weg geebnet, den auch ein bis zwei Schüler der Schule in Schönebeck pro Jahr gehen würden, erklärt Sandra Preuß, die musikalische Leiterin der Schule in Schönebeck.

Für Christoph Blamberg endet dieser Weg nun hier, und gleichzeitig tut sich ein neuer auf: So sehr er das Klavierspiel mag, so dient es ihm eigentlich zur Vorbereitung des Spiels auf der „Königin der Instrumente“ (die Orgel). Es habe ihn bei Gottesdiensten ergriffen, die Improvisationen hätten ihn am meisten gereizt, erzählt Christoph. Nun ist für den Musikschüler die Zeit gekommen, sich seinem Traum zu widmen. Im Oktober führt dieses Ziel den Schönebecker nach Halle. Christoph Blamberg will Kirchenmusiker werden und hat sich dafür einen Platz an der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik gesichert. Vier Jahre zum Bachelor und darauf aufbauend soll der Master folgen. Dann bleibt keine Zeit mehr für die Musikschule in Schönebeck. Sandra Preuß – von Anfang an seine Lehrerin – fällt der Abschied schwer. Trotzdem habe sie ein gutes Gefühl, ihm das musikalische Rüstzeug beigebracht zu haben, erklärt die musikalische Leiterin – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Auch Physik habe gereizt

Dabei habe er lange über diese Entscheidung nachdenken müssen, verrät er. Auch mit einem Studium der Naturwissenschaften, zum Beispiel der Physik, hat Christoph geliebäugelt. Ein Studium im musikalischen Bereich sei „ja so eine Sache im Hinblick auf Berufsaussichten“, erklärt der 17-Jährige seine Bedenken. Letztendlich kam aber mit der Bewerbung auch die Zusage und damit der Entschluss. Die Vorteile seines zukünftigen Studiums sieht der Schönebecker in der Vielseitigkeit der akademischen Ausbildung: neben Klavierspiel geht es auch an die Orgel.

Das Singen soll allerdings nichts zu kurz kommen. Damit hat der 17-Jährige vor zirka drei Jahren begonnen. Aus den ersten Probe beim Schulchor ist mittlerweile Gesangsunterricht geworden. „Der Chorleiter hat mich mitgenommen und motivieren können. Das macht viel aus“, erklärt Christoph.

Diese Motivation nimmt er nun auch mit nach Halle. „Mich zieht es weg von Zuhause, und ich möchte etwas neues tun“, sagt er überzeugt. Ganz neu ist alles dann aber doch nicht: Wie es der Zufall will, beginnt auch ein Freund aus der Heimat sein Studium – an der gleichen Hochschule. Bis dahin heißt es erstmal Pause – „Sonst macht es irgendwann keinen Spaß mehr“, sagt Christoph Blamberg.