Schönebeck/Staßfurt l Das war nur eine Frage der Zeit. Während die Ausgaben steigen, sinken die Einnahmen. Diese Entwicklung ist auf Dauer unwirtschaftlich. Und wenn die öffentliche Hand nicht eingreift, bleibt das Minus beim Kunden, der zur Kasse gebeten wird. Das geht aus Anfragen der Volksstimme beim Verkehrsverbund Marego und der Kreisverkehrsgesellschaft Salzlandkreis (KVG) hervor. Beide Antworten gegenübergestellt, ergeben ein ziemlich deutliches Bild.

Jost Beckmann, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Marego, begründet die Tarifveränderungen aus seiner Sicht: „Die Preiserhöhung wurde insbesondere durch weiterhin steigende Personal- und Personalgewinnungskosten notwendig, die nicht durch den Finanzierungsbeitrag aus der öffentlichen Hand kompensiert werden können. Darüber hinaus steigen auch die Kosten im Betrieb, für Instandhaltung und Ausbau des Angebotes.“ Auf der anderen Seite haben Marego und KVG mit einem anderen Problem zu kämpfen: „Im gesamten Verkehrsverbund Marego waren die Fahrgastzahlen im Jahr 2018 leicht rückläufig“, betont Verkehrsplaner Bill Bank von der KVG.

Ausgewogene Staffelung

Unter der eigenen Überschrift „leistungsgerecht, nah und offen“ werden die Verkehrsunternehmen im Magdeburger Regionalverkehrsverbund Marego die Fahrkartenpreise ab 1. August also „anpassen“. „Leistungsgerecht, nah und offen“ soll bedeuten, dass die neuen Preise keine Nutzergruppe und keine Stadt oder Landkreis im Marego-Gebiet überproportional betreffen. Konkret heißt das nach Auskunft des Verkehrsverbundes: Kurze Wege im Nachbarortstarif und Einzelfahrten im Stadtbereich werden von der Tarifmaßnahme nicht betroffen sein. Keine beziehungsweise nur geringe Preisanpassungen gibt es für Kunden mit hohen Reiseweiten sowie bei der Gruppen- und Minigruppen-Tageskarte. „Für alle anderen Angebote wird sich die Preiserhöhung im Rahmen halten“, so Jost Beckmann. Im Durchschnitt, über alle Angebote, beträgt sie etwa 2,3 Prozent.

Im Marego-Verbund scheint es ein gallisches Dorf zu geben: Aschersleben. Die KVG Salzland hat im dortigen Verkehrsgebiet bei den Fahrgastzahlen einen gegenläufigen Trend zu verzeichnen. „Hier gab es im Bereich des sogenannten Jedermannverkehrs – also alle Fahrgäste außer Schüler – eine leichte Zunahme der Fahrgastzahlen“, betont Bill Bank. Die Ausnutzung ihrer Angebote ermittelt die KVG auf verschiedenen Wegen, so zum Beispiel an Hand der verkauften Fahrscheine und durch eigene, vollständige Zählungen über bestimmte Zeiträume. Aus diesem Grund sind Zahlen und Aussagen belastbar.

Die Preise im Bereich der Einzel- und Tageskarten steigen im Umland durchschnittlich um 2,2 Prozent. Für Einzelfahrten bedeutet das eine Anhebung um 10 Cent, ab Preisstufen 11 und 12 um 20 Cent, so Marego.

Preis teilweise unverändert

Bei den Wochen-, Monats- und Abo-Monatskarten beträgt die durchschnittliche Steigerung 2,6 Prozent. Bei diesen Fahrkarten bleiben die Preise für die besonders großen Reiseweiten im Verbund nahezu unverändert. Nutzer von Wochen- und Monatskarten der Preisstufen 1 bis 9 zahlen je nach Reiseweite 10 bis 20 Cent pro Tag mehr. „Auch für die Abonnenten steigen die Preise in dieser Größenordnung, wobei auch hier die weitreisenden Pendler besser wegkommen“, macht der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Marego deutlich. Der Preis für die Seniorenabo-Monatskarte kostet weiterhin 51 Euro im Mo- nat.

Die KVG Salzland hat einen ziemlichen genauen Überblick, wie ihre Busse und welche Busverbindungen am häufigsten genutzt werden. Im Bereich des Jedermannverkehrs ist demnach im Schönebecker Bereich die Linie 139 (Bernburg – Calbe – Schönebeck) zu nennen. „Im Verkehrsgebiet Staßfurt sind die beiden Staßfurter Stadtlinien (150 und 151) recht aufkommensstark. Im Schülerverkehr werden, logischerweise, die Linien zu den Schulen mit hohen Schülerzahlen am stärksten genutzt, so zu den Gymnasien in Calbe und Staßfurt“, sagt Bill Bank.

Damit sich alle Fahrgäste auf die Änderungen ab 1. August einstellen können, gibt es Übergangsregeln. „Alte Fahrscheine gelten noch bis zum 31. Oktober und können ganz normal verwendet werden. Bei Abo-Kunden mit monatlicher Zahlung wird der neue Preis ab August erhoben“, erklärt Marcel Czarnecki, Tarifexperte beim Marego.

Neuer Fahrplan ab 15. August

1. August also – 14 Tage mehr Zeit hat die KVG mit der Fahrplanumstellung, die mit dem Schuljahresbeginn am 15. August einhergeht. Seit Monaten arbeiten die Verkehrsplaner der KVG an dem neuen Zahlenwerk, das einfache und übersichtliche Linienführungen, rhythmische Abfahrtzeiten und ein konstantes Basisangebot an Schul- und Ferientagen beinhalten soll.

Das betrifft nach Informationen von Bill Bank vor allem das Verkehrsgebiet Schönebeck. „Hier ist beispielsweise die Linie 139 Bernburg – Calbe – Schönebeck zu nennen, die dann zwischen Calbe und Schönebeck montags bis freitags nahezu stündlich eine Fahrt anbietet, was ihrer Bedeutung als Bestandteil des Grundnetzes laut Nahverkehrsplan des Salzlandkreises ab 2020 entspricht“, kündigt Bill Bank an, was es schon einmal gab. Ein weiteres Beispiel ist die Linie 132 Schönebeck – Glinde/Gnadau – Barby, bei der in Abstimmung mit der Reha-Klinik Barby das Angebot an den Wochenenden erweitert wurde, so dass sich jetzt zum Beispiel auch an Sonntagen die Möglichkeit eines längeren Aufenthalts in Barby ergibt.

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