Schönebeck l In Ostelbien könnte sich mittelfristig ein Wolfsrudel ansiedeln. „Ich habe mit einer Fotofalle ein größeres und ein kleineres Tier aufgenommen“, sagte Jens Dedow, Vorsitzender der Jägerschaft Schönebeck. Dem Augenschein nach soll es sich dabei um ein männliches und ein weibliches Tier handeln, das aber offenbar noch nicht trächtig ist. „Im nächsten Jahr könnte es allerdings so weit sein“, sagte Jäger Jens Dedow. Dann könnte es auch erstmals wieder ein Wolfsrudel in der Region Schönebeck geben.

Nach Angaben des Wolfskomepetenzzentrums Sachsen-Anhalt wurde in dieser Woche wieder ein Kalb in Ostelbien bei Schönebeck gerissen. Experten waren am Freitag vor Ort, um das Tier zu begutachten. Zwar stehen die endgültigen Ergebnisse der DNA-Analyse noch aus. „Nach einer ersten Begutachtung können wir einen Riss durch einen Wolf aber zumindest nicht ausschließen“, sagte ein Experte des Kompetenzzentrums auf Nachfrage der Volksstimme.

Gerissene Kälber

Auch Jäger Jens Dedow bestätigte, dass in Ostelbien immer wieder Nutztiere gerissen werden. „In der Umgebung von Ranies und Grünewalde wurden schon gerissene Kälber und Schafe gemeldet“, sagte der Vorsitzende der Jägerschaft Schönebeck. Das werde von den Betroffenen und den Behörden in der Regel aber nicht an die große Glocke gehängt. „Wenn es nach den Wolfsbefürwortern geht, sollen sich die Landwirte alle einen Herdenschutzhund für 1000 Euro kaufen“, sagte Jens Dedow, der keinen Hehl daraus macht, dass er von der Rückkehr des Wolfes wenig hält.

„In unsrer Kulturlandschaft kriegt der Wolf seine Beute mit den Nutztieren auf dem Silbertablett serviert und kann sich stark vermehren“, gibt Jens Dedow zu bedenken. „Aber was passiert, wenn das Futter auf dem Silbertablett irgendwann nicht mehr reichen?“ Jens Dedow befürchtet, dass früher oder später auch Menschen durch den Wolf zu Schaden kommen könnten. Und dann müssten die Jäger das Problem lösen, dass sie eigentlich schon vorher hätten eindämmen wollen.

Rudel bei Lödderitz

Kritik übte der Jäger auch an der Arbeit des Wolfskompetenzzentrums. „Die Leute beschäftigen sich gern mit den Wölfen und sagen uns Bescheid, wenn die Tiere da sind. Das wissen wir aber schon und es ändert auch nichts an den Problemen“, sagte Dedow.

Das Landesamt für Umweltschutz hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass sich im Steckby-Lodderitzer Forst zwischen Aken und Barby ein Wolfsrudel angesiedelt hat. Demnach konnte mit Hilfe von DNA-Proben nachgewiesen werden, dass die Tiere schon mindestens seit dem vergangenen Jahr leben. Erste Hinweise auf die Wölfe hatte bereits 2016 in den angrenzenden Gebieten Mosigkauer und Kühnauer Heide gegeben. Seitdem wird die Region vom Wolfskompetenzzentrum und weiteren Einrichtungen untersucht.

Bisher wurden dort mit Hilfe einer Fotofalle ein männliches Elterntier bestätigt sowie zwei männliche Welpen, die im Mai vergangenen Jahres geboren wurden. Ein weiteres Jungtier war offenbar an einer Lungenentzündung gestorben. Weitere Rudel wurden in der Altmärkischen Höhe und der Stresower Heide gemeldet.