Landschaftspflegeverband „Grüne Umwelt“ e. V.

• seit 1993

• hat den Sitz in Schwaneberg im Sülzetal

• Mitglied im Landesverband für Landschaftspflege Sachsen-Anhalt e. V. und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL)

• hat Mittlerfunktion zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitik

• realisiert verschiedene Projekte, auch Forschungsprojekte

• engagiert sich für Erhalt der Kulturlandschaft, die Sicherung von Artenvielfalt und natur-schutzfachlich wertvollen Rück-zugsräumen

Was hat der Landschaftspflegeverband „Grüne Umwelt“ zurzeit für Projekte am Laufen?
Matthias Haase:
Wir kümmern uns um den Schutz der Rotmilane, machen was zum beliebten Futter vom Rotmilan, dem Feldhamster, zusammen mit der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Deutsche Wildtier Stiftung ist Projektträger und Antragsteller dabei. Wir fungieren als Umsetzungspartner, damit die Maßnahmen in die Region zu den Landwirten auf die Flächen gebracht werden, wo die Tiere noch vorkommen. Wir machen Ausgleichsmaßnahmen für verschiedene Partner mit unterschiedlichen Maßnahmen, wie Pflanzungen und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Wir sind außerdem in der praktischen Pflege unterwegs, und wir haben im Rahmen der Artensofortförderung, die das Land angeboten hat, eine Reihe von Anträgen gestellt. Dann geht es um Neophytenmanagement an verschiedenen Standorten, da sollen quasi Lebensräume heimischer Arten wieder aufgewertet werden. Und wir machen Obstverwertung, etwa Apfelsaft.

Sascha Ritter: Und bestücken die Salzlandkiste mit Apfel-Gelee.
Haase:
Ansonsten sind es kleinere Dinge. Und die Pflege von Sonderbiotopen, das machen unsere zwei Kollegen, die immer draußen unterwegs sind. Das ist eine ganz wichtige Arbeit, weil sich einfach die Flächennutzung auch verändert hat. Wir haben in dem Bereich etwa keinen Schäfer mehr, der die Feldränder, die Sonderbiotope, bewirtschaftet.

Wie sieht ein prototypischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ritter:
Prototypisch bedeutet bei uns: Kein Tag ist wie der andere, weil wir so facettenreich aufgestellt sind. Entsprechend agieren wir zeitnah und tagesaktuell, je nachdem, welche Projekte gerade anstehen.
Haase: Es sind ganz vielfältige Aufgaben. Wir machen uns dann schon einen groben Wochen- und Jahresplan, wann was gemacht werden muss. Neben diesen praktischen Aufgaben kümmern wir uns in der Projektbearbeitung in der Geschäftsstelle darum, dass auch Gutachten gemacht werden und dass die nächsten Projekte vorbereitet werden. So ist es für uns beide ein guter Mix aus praktischer Arbeit draußen und Bürotätigkeit drinnen.

Ihr Vorstand setzt sich aus Mitgliedern der Kommunalpolitik, des Naturschutzes und der Landwirtschaft zusammen. Aus welchem der Bereiche kommen Sie?
Ritter:
Ich komme aus der Abfallwirtschaft, da spielt die Altlastensanierung, also auch die Natur, eine große Rolle. Da wird nach biologischen und chemischen Parametern geschaut. Und dort habe ich auch meinen Ausbildungshintergrund, also in der Hydrobiologie und Gewässerkunde und ähnlichem. Das ist auch mein Steckenpferd hier im Verein.

Haase: Was auf der Website mit dieser Drittelparität gemeint ist, hat den Hintergrund, dass die Landschaftspflegeverbände so funktionieren, dass genau in diesem Konfliktbereich zwischen Kommunalpolitik, Naturschutz und Landwirtschaft, die sich häufig nicht ganz grün sind, agiert wird. Es geht letztendlich immer um Geld, Flächen und Ideen, wie man mit solchen Flächen umgeht. Und da eine Plattform zu bieten, wo man sich austauschen kann, die Funktion haben Pflegeverbände an dieser Stelle. Und damit das ausgewogen ist, gibt es diese Drittelparität. Was dann jeder persönlich gemacht hat, ist dann sehr unterschiedlich. Ich habe mal Landespflege studiert.

Kommen wir zu den Themen, die im Bördeland relevant sind: Wie sieht es mit Baumschäden durch den Biber im Motzgraben aus? Gleicht die Natur die Schäden selbst aus? Wie geht man mit Mensch-Tier-Konflikten um?
Haase:
Den konkreten Fall kenne ich nicht, da muss man sich die Situation vor Ort ansehen und abwägen. Aber generell ist das ein klassischer Zielkonflikt. Ich kann nicht immer alles haben und das ein oder andere schließt sich aus. Das Problem begegnet uns immer wieder. Also hier in der Arbeit vor Ort, beim Bauernverband, im Umweltausschuss. Da ist zum einen die Vernässungsproblematik und dass die Unterhaltungskosten ansteigen.
Ritter: Ausgleichen tun sich die Baumschäden aber nicht. Einfach, weil es eine Kulturfläche des Menschen ist.
Haase: Also der Ausgleich funktioniert schon, aber nicht in einem System, wo eigentlich kein Platz mehr dafür da ist. Denn wenn ich jetzt in einen naturnahen Wald gehe und entsprechende Strukturen und Raum habe, kann der Biber Bäume fällen, das ist egal. Dann fließt der Bach eben einen Bogen, wenn der Bereich zugestaut wurde. Aber hier in der Kulturlandschaft werden die Flächen, die zur Verfügung stehen, eben auch genutzt. Und da haben wir rechts und links oft nur einen Streifen von zwei Metern, da ist dann kein Platz mehr dafür da. Das Problem ist nicht aufgelöst.

Warum ist der Biber denn so schützenswert?
Haase:
Der Biber ist als Art schützenswert und ist etwas Besonderes, was wir hier haben. Zum einen ist er nach Naturschutzrecht geschützt und zum anderen ist es eine Art, die hier schon immer vorkam und im Vergleich zu anderen Vorkommen noch eine recht stabile Population vorzuweisen hat. Nichtsdestotrotz sind viele Reviere besetzt, sie verdrängen sich dann gegenseitig und umso mehr wandern sie in suboptimale Gebiete.

Es kamen auch Ausgleichspflanzungen zur Sprache. Was ist das genau?
Haase:
Ausgleichspflanzungen werden angelegt, um einen Eingriff in die Natur zu kompensieren. Ein Beispiel wären Baumaßnahmen: Eine Baumreihe und ein Stück Acker müssen für ein Gebäude weichen. Dabei ist ein „Schaden“ am Naturhaushalt entstanden und der muss nach aktueller Rechtslage kompensiert werden. Das kann auf verschiedene Weisen passieren, sollte aber den Beeinträchtigungen entsprechen. Es stellt den Naturhaushalt ein Stück weit wieder her. Das ist positiv. Man muss sich aber auch immer vergegenwärtigen, dass, wenn dort gepflanzt wird, dem auch immer der Eingriff gegenübersteht. Das heißt, man kann das gedanklich nicht als Mehrwert verkaufen.

Wer ist dafür verantwortlich?
Haase:
Das ist ganz unterschiedlich. Das kommt darauf an, wer Eingreifer ist. Er kann das selber machen, kann es aber auch an andere Institutionen abgeben. Wir machen das auch und setzen einige Dinge für verschiedene Vorhaben um. Das sind häufig produktionsintegrierte Maßnahmen, also nicht unbedingt solche, wo etwas gepflanzt wird. Dabei geht es um die Aufwertung einer Fläche. Etwa durch eine Nutzung, die dem Artenschutz einen Dienst leistet, so dass eine artenarme Wiese zu einer artenreichen Wiese wird.

Haben Sie so etwas bereits im Bördeland gemacht?
Haase:
Nein, noch nicht, können wir uns aber gut vorstellen. Mit dem Salzlandkreis läuft die Zusammenarbeit gut.

Gab es bisher andere Projekte im Bördeland?
Haase:
Jein, die Projekte sind in dem Sinne nicht gemeindebezogen, aber wir haben momentan ein Projekt zum Rotmilanschutz und da sind auch Teilbereiche der Gemeinde Bördeland mit drin. Ein Gemeindeprojekt in dem Sinne gibt es nicht.
Ritter: Da wird ja nicht nach Gemeindegrenzen gegangen, da wird geschaut, wie die Habitatstrukturen so sind.

Welche Maßnahmen setzen Sie zum Rotmilanschutz um?
Haase:
Wir setzen momentan gar keine Maßnahmen um. Es geht an der Stelle um eine Erfassung und eine Begleitung von anderen Maßnahmen. Wir schauen uns Maßnahmen aus einem Stiftungsprojekt an und prüfen, ob sie ausreichende Effekte gegenüber dem Rotmilan haben. Außerdem schauen wir, wo wir die Gemeinden unterstützen können und wie sich Pflanzungen pflegen und als potenzielle Horststandorte für die Art optimieren lassen. Hintergrund ist, dass wir bereits ein Projekt mit Maßnahmen zum Rotmilanschutz hatten. Die Maßnahmen zum Schutz des Rotmilans sind kein Hexenwerk und die Umsetzung ist in erster Linie eine Frage des politischen Umsetzungswillens. Die Pflanzungen sind sehr teuer und unsere Erfahrungen mit den Kommunen sind, dass das Hauptproblem darin besteht, dass sie knapp bei Kasse sind und keine Kapazitäten für eine solche Vorbereitung haben. Es gibt ja auch für Kommunen Förderprogramme. Das wird aber kaum genutzt. Und das liegt einfach daran, dass die Kommunen andere Pflichtaufgaben zu erledigen haben. Es wäre aber wichtig, nach vorne zu denken, vom Reagieren zum Agieren zu kommen. An dieser Stelle haken wir mit dem Projekt ein und unterstützen. Wir sagen, wenn wir fertig sind, haben wir uns geeignete Pflanzungen angeschaut und mit den Kommunen und den Naturschutzbehörden gesprochen, die Maßnahmen sind vorbereitet. Und sobald eine Fördermaßnahme da ist, haben die Kommunen das in der Schublade und können es eins zu eins umsetzen.

Sie unterstützen dann also auch bei den Fördermitteln?
Haase:
Ja, genau. Wir schaffen eine Basis für die Zusammenarbeit und können gegebenenfalls auch bei der Antragsstellung unterstützen.

Wie setzt die Trockenheit der Natur im Bördeland zu?
Haase: 
Wir haben eine Art Prozess, wo sich Dinge verändern, wo wir schauen müssen, welche Bäume wir noch pflanzen können, welche Dinge wir anpassen müssen. Wie müssen wir unsere Nutzung der Flächen verändern, dass die Extreme ein Stück weit lokal ausgeglichen werden? Das gilt aber generell und nicht nur in der Gemeinde Bördeland. Da verändern sich gerade Strukturen, wir haben ja auch hier in der Gegend Pflanzen, die an trockenste Standorte angepasst sind. In Bördeland gibt es etwa Relikte von Magerrasen, der auf Sandkuppen vorkommt. Und diese Arten sind per se schon viel besser an Trockenheit angepasst. Da kann man sich jetzt vorstellen, dass die sich perspektivisch ausbreiten. Und dann auch Orte besiedeln können, wo Pflanzen mit höherem Wasserbedarf nicht mehr klarkommen.
Ritter: Bezogen auf 100 Jahre.
Haase: Ja, das sind langfristige Prozesse. Das, was wir besonders sehen, wenn zwei Jahre extreme Trockenheit durchs Land gegangen sind. Das sind primär solche Flächen, bei denen wir als Menschen prägend eingegriffen haben.

Kann man sagen, dass die Kulturlandschaft stärker von Trockenheit betroffen ist?
Haase:
Ja, natürlich.

Welche Pflanzen sind besonders bedroht?
Ritter:
Um auf eine konkrete Baumart hinzuweisen: Bei den Nadelbäumen ist die Lärche als Erstes ein Anzeiger für die Trockenheit. Zumindest habe ich das so festgestellt.
Haase: Das sind aber auch Pflanzen, die hier nicht hundertprozentig angepasst sind. Das ist dann natürlich auch Prozess. Wir können aber nicht sagen, dass wir uns komplett aus der Kulturlandschaft zurückziehen sollten. Vielmehr sollte man überdenken, wie wir die Landschaft nutzen. Etwa die Frage, was bauen wir für Kulturen an? Können wir es uns leisten, Kulturen mit einem sehr hohen Wasserbedarf weiter so stark anzubauen?

Was wäre da ein Beispiel?
Haase:
Naja, was standardmäßig häufig bewässert wird, sind Kartoffeln.

Was können die Menschen machen, um die Natur nicht noch weiter zu belasten?
Ritter:
Diplomatisch ausgedrückt wäre es wünschenswert, wenn die Menschen ihr Bewusstsein weiter im Umgang mit der Natur schärfen würden. Weil die Auswirkungen menschlichen Seins sind ja deutlich. Also da noch mal der Hinweis Kulturlandschaft: Da ist teilweise eine Überprägung da, wo die Artenvielfalt einfach zurückgeht. Die Verarmung ist ein trauriger Aspekt, der aus dieser Überprägung entsteht.

Und wie kann man das Bewusstsein schärfen?
Haase:
Die Kinder dabei mitnehmen. Außerdem hat jeder die Option, vor seiner eigenen Haustür zu gucken. Muss ich den Rasen zehn-, zwölfmal im Jahr mähen und ihn wässern oder lasse ich da ein kleines Stück mehr Natürlichkeit zu?
Ritter: Es kann beim Bewirtschaften des Gartens darauf geachtet werden, welche Pflanzen man sich in seinen Garten holt. Auch wenn sie schön sind, müssen sie nicht unbedingt für die heimische Flora und Fauna gut sein. Es gibt auch Pflanzen, die sind überhaupt keine Nahrungsgrundlage für hiesige Insekten.