Barby l SSV-Vorsitzender Steffen Grafe macht ein zufriedenes Gesicht, was nicht immer so war: „Das klappt jetzt gut. Stadtverwaltung, Planer und Firmen arbeiten Hand in Hand.“ Zudem habe man die Sportler mit einbezogen, damit sie ihre Verbesserungsvorschläge äußern konnten. Wenn alles nach Plan läuft, soll die neue Sporthalle im September vom Schulsport und dem Verein genutzt werden.

Komplett abgesoffen

Rückblick: Beim Hochwasser 2013, das sich im Hinterland von Barby als Drängewasser verheerend auswirkte, waren der gesamte Sportplatz inklusive Sporthalle und die privat geführte Gaststätte komplett abgesoffen. Ein Jahr später stand noch nicht hundertprozentig fest, ob die alte Halle saniert oder neu errichtet werden soll. Doch viel zu große Bauschäden ließen Reparaturen nicht zu.

Anfang der 1950er Jahre war der Hallenneubau ein Objekt des Nationalen Aufbauwerks (NAW). Als Träger dieser „Masseninitiative“ zur freiwilligen, gemeinnützigen und unentgeltlichen Arbeit trat die Nationale Front auf. Wenige Jahre nach dem Krieg waren die Baustoffe noch knapper, als sie es in den folgenden vier DDR-Jahrzehnten sein würden. Dieser Mangel kam 2014 bei der Untersuchung des Fundamentes zum Vorschein. Der Sporthallenfußboden hatte ein ganz dünnes Fundament. Auf einer Sandschicht lagen Ziegelsteine, darauf ein Hauch von Estrich, worauf die Fliesen verlegt worden waren. Mehrere Probeschachtungen machten diese Bauweise deutlich.

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15 mal 27 Meter

Nun also ein Neubau, der den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht werden dürfte. Das sieht man an den Nutzungsflächen mit allen Kabinen und Nebenräumen: die alte Sporthalle hatte ein Flächenmaß von 586, die neue von 869 Quadratmetern. „Die Vergrößerung des Flächenbedarfs begründet sich in erster Linie in der Ausweisung der Mindestgröße einer Einfeldsporthalle“, erklärte der Projektplaner vor einem Jahr. Damit orientierte man sich an der zeitgemäßen DIN-Vorgabe. Der Fördermittelgeber sei mit dieser etwas größeren Anlage der Stadt entgegen gekommen. Die alte Sporthalle hatte eine Spielfläche von 10 mal 20 Meter – die neue wird 15 mal 27 Meter haben.

„Der Neubau deckt die Bedürfnisse des Schulsports und auch die der verschiedenen Abteilungen ab“, erklärt Steffen Grafe. Angegliedert ist ein Sozialtrakt für den Vereinssport von Freiland-Sportarten wie Fußball oder Volleyball. Davon getrennt befinden sich auf der Ostseite die Sanitär- und Umkleideräume für den Schulsport. Hier ist gegenwärtig eine Ranieser Sanitärfirma dabei, den Duscheneinbau vorzubereiten. Dieser Objektteil ist schon mollig warm, allerdings noch provisorisch beheizt. „Wie das bei Neubauten heute vorgeschrieben ist, greift hier das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“, deutet Steffen Grafe auf dick isolierte Rohre einer Wärmepumpe. Sie steht außerhalb des Gebäudes, die Tiefenbohrung für die Erdwärmesonde erfolgt demnächst. In Kombination mit einer Gastherme werden später Wasser erwärmt (Fußbodenheizung im Hallenbereich) und Räume geheizt.

Das Innere der Halle zeichnet sich gegenüber dem Vorgängerbau durch einen größeren Tageslichteinfall aus. Dafür sorgen acht große Oberlicht-Fenster. Die Porenbetonwände werden bis in eine Höhe von zwei Meter mit sogenannten Prallwänden aus Holz verkleidet. Einbauten wie Kletterstangen, Sprossenwand, Volley- und Basketballtechnik werden wie im Vorgängerbau vorhanden sein. „Das wird vor allem für den Schulsport gebraucht“, so Grafe.

Wie eine Badewanne

Bevor man an solche „Feinheiten“ denken kann, müssen aber noch die Porenbeton- und Ziegelsteinwände geputzt werden. „Da geht die Firma erst ab einer bestimmten Materialfeuchtigkeit ran“, zeigt der SSV-Vorsitzende auf durchfeuchtete Steine. Denn anderenfalls würde der Putz nicht halten. „Als das Dach noch nicht drauf war, stand hier das Wasser wie in einer Badewanne“, sagt Steffen Grafe. So hätten fast 20 Zentimeter Wasser eher an ein Schwimmbad und nicht an eine Sporthalle erinnert. Erst durch den Einsatz von Pumpen sei der Boden halbwegs trocken geworden.

Der Hallenbau hatte sich immer wieder verzögert, was an den Nerven der Sportler zerrte. Im Zuge der Detailplanung musste zum Beispiel ein Bodengutachten in Auftrag gegeben werden. Die Folge: Am Bauort wurden Erde und Sand bis zu einer Tiefe von 2,30 Meter ausgetauscht, weil Bodenbelastungen festgestellt wurden.