Eggersdorf l Sie war schon zu DDR-Zeiten bekannt als die „Lindenwirtin“. Und zwar weit über die Ortsgrenzen hinaus, erzählt Sieglinde Broz. Die gebürtige Eggersdorferin gibt nach einem Leben für und mit dem Landhotel „Zu den zwei Linden“ das Haus in neue Hände.

Lars Krüger heißt ab sofort der neue Besitzer. Der Hecklinger besitzt bereits Monteurswohnungen in Gänsefurth und das Hotel Bördequell in Groß Börnecke. Zu seinem Team gehört die junge Köchin Ramona Festerling.

„Ich freue mich sehr, dass unser Familienbetrieb in so junge, motivierte Hände geht“, sagt Sieglinde Broz. In Zeiten des Fachkräftemangels – von dem auch die Gastronomie betroffen ist – sei das keine Selbstverständlichkeit mehr.

Günstige Lage an der Eisenbahnlinie

Sie verweist dabei auf die lange Geschichte des Hauses. Ihre Großeltern Alwine und Wilhelm Lindner haben im Jahr 1910 begonnen den Gasthof aufzubauen. Früher gab es hier Tanzlokal, Schießstand und Kaffeegarten. „Die Bahn rollt immer“, habe Sieglinde Brozs Mutter Hilde Höschel häufig gesagt - wegen der günstigen Lage direkt an der Eisenbahnlinie.

Sieglinde Broz selbst nahm als junge Frau zunächst die Lehre bei der Damenmaßschneiderei Heinz Bormann in Schönebeck auf. Dort arbeitete sie bis 1963, wechselte dann ins elterliche Restaurant „Linde“. „Ich packte eigentlich bei sämtlichen anfallenden Arbeiten mit an“, so die Eggersdorferin. In der DDR wurde die „Linde“ – so wurde das heutige Hotel damals genannt – als Kommissionshändler geführt. So kehrten damals viele Gespannführer und Traktoristen ein, die Zuckerrüben zum Abtransport per Bahn in die Eggersdorfer Verladestraße brachten. Das Geschäft florierte.

1992 war es dann, als der Gasthof erweitert und als erstes Landhotel in der Region eröffnet wurde. „Die kommenden zehn Jahre waren unsere schönste Zeit“, schwärmt Sieglinde Broz noch heute.

Und dann erzählt sie davon, wie damals noch Sänger aus Wien während der Zeit des Operettensommers im Hotel übernachtet haben. „Sie haben dann im Garten geprobt“, so Sieglinde Broz.

Kennenlernen im Hotel

Und auch ihren Ehemann Peter Broz hat sie im Hotel kennengelernt. „Das war 1961 hier in der Kneipe“, erzählt sie. Der Staßfurter sei auf einer Motorradtour gewesen und sei im Gasthof eingekehrt. Ein Jahr später, zum 12. Mai, heirateten die Eggersdorferin und der Staßfurter.

Das Ehepaar war mit 66 Jahren übrigens bereits einmal in den Ruhestand gegangen. Damals blieb die Suche nach einem Pächter, der das Landhotel dauerhaft weiterführen würde, jedoch erfolglos. „Deshalb haben wir mit 69 Jahren den Betrieb wieder aufgenommen“, so die Eggersdorferin.

Sieglinde Broz ist zudem Mitbegründerin des Vereins „Elbe-Saaleauen“ und hat damals auch die Braunkohlwanderung mit ins Leben gerufen. Eine Tradition, die nun vom „Heimatverein Eggersdorf“ fortgeführt wird. Während es in diesem Jahr nicht der Fall war, hofft sie, dass das Landhotel in den kommenden Jahren trotz des neuen Besitzers wieder bei den Wanderungen berücksichtigt wird.

„Wir haben überhaupt durch den Käufer aus Hecklingen die Hoffnung, dass unser Traditionshaus aus dem Jahr 1910 jetzt mit neuer Inspiration weitergeführt wird und auch weiterhin Erfolg hat“, erzählt Sieglinde Broz.

Der neue Besitzer ist da zuversichtlich. Das Landhotel solle unter der Woche hauptsächlich als Wohnraum für Monteure dienen, am Wochenende könne es dann von Touristen und Reisenden bewohnt werden (das sei natürlich auch unter der Woche nach Absprache möglich).

Auch könne das Hotel für Veranstaltungen wie Hochzeiten gemietet werden – samt Catering, betont Romano Festerling. Insgesamt verfügt das Landhotel über neun Zimmer, zudem kann ein Ferienhaus mit acht Betten gebucht werden.

Dass ihr Hotel mit Lars Krüger in guten Händen ist, daran zweifelt die frischgebackene Rentnerin nicht. Trotz ihrer Freude über einen Nachfolger schaut sie ein bisschen wehmütig, als sie sagt: „Ich bin immer gerne die Lindenwirtin gewesen.“