Calbe l Dieses Jahr hat es geklappt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) war am Sonnabend persönlich beim Neujahrsempfang der Stadt Calbe und der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) zu Gast und nicht nur am Telefon, so wie bei der Veranstaltung im Jahr zuvor. Und auch, wenn die Stimme des Ministerpräsidenten etwas angeschlagen war, so ließ er es sich nicht nehmen, ein paar Worte an die Calbenser zu richten. Unter anderem betonte er, dass das aktuelle Jahr ein wichtiges Jahr sei. Ein Jahr der Kommunal- und Europawahl. Er appellierte dafür, wählen zu gehen, denn „Kommunalwahlen sind das Blut der Demokratie“, so der Ministerpräsident.

Calbes Bürgermeister Sven Hause (parteilos) nutzte den Neujahrsempfang in der Hegersporthalle, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, einen Ausblick auf die nächsten elf Monate zu geben und auch, um engagierte Bürger und Ehrenamtliche auszuzeichnen. So wurde der Wilhelm-Loewe-Preis an Maik Kuplich, Vorsitzender des Verein Teddy-Wünsche, verliehen.

Kinderträume werden wahr

Kuplich und der Verein haben es sich zum Ziel gemacht, die Träume und Wünsche von schwerkranken und behinderten Kindern zu erfüllen. Dazu schlüpft der Vereinsvorsitzende auch gerne mal selbst in ein Teddybären-Kostüm, wenn er den Kindern einen Wunsch erfüllt. Bisher haben Maik Kuplich und seine Mitstreiter schon über 50 Kinder und deren Familien Wünsche erfüllen können. Stadtrat Mario Kannegießer (ALC/SPD) sagte in seiner Laudatio: „Heute stehen Menschen im Rampenlicht, die sonst im Verborgenen wirken. Sie sind die Leuchttürme unserer Gesellschaft.“

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Doch auch allen anderen engagierten Bürgern dankte der Bürgermeister in seiner Rede. So erinnerte Hause an den Einsatz des Verschönerungsvereins, der schon seit Jahren dazu beiträgt, das Stadtbild aufzuhübschen. Der Verein hatte beispielsweise zuletzt die Teichanlage am Blücherstein saniert. Seinen Dank sprach das Stadtoberhaupt auch den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr aus, die während des „Extremsommers“ zu zahlreichen Einsätzen, unter anderem zu mehreren Flächenbränden, ausrückten.

Einsatz für den Ort

Eine andere Gelegenheit, um Einsatz und Gesicht für den Ort zu zeigen, biete sich am 26. Mai, so Hause. „Machen Sie mit! Stellen Sie sich der Wahl für den Stadtrat, die Ortschaftsräte und den Kreistag, um die Geschicke unseres Ortes mit zu lenken und zu leiten! Und gehen Sie natürlich zur Wahl. Bieten Sie keinen Platz für den rechten Rand“, sagte Hause.

Neben engagierten Bürgern wurden aber auch zahlreiche Sportler des TSG an diesem Abend ausgezeichnet (siehe Infokasten). So wurde zum Beispiel der Handballspieler Maximilian Weiß als bester Sportler gewürdigt. Die junge Theresa Böhme hingegen erhielt die Auszeichnung „Beste Nachwuchssportlerin“. Ihr Ehrgeiz und ihre Trainingsdisziplin wurden ihr hoch angerechnet.

Anruf auf Bühne

Aber vor allem für die Handballspieler der C-Jugend hatte sich der Bürgermeister etwas Besonderes einfallen lassen. Als die Sportler mit ihm auf der Bühne stehen, holt Hause sein Handy und einen Zettel hervor. Er tippt auf dem Handy herum und verbindet es mit den Lautsprechern. Aus den Boxen dröhnt: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Das Publikum lacht. „So war das nicht geplant“, räumt Hause ein und wählt erneut. Es klingelt. Wenige Sekunden später meldet sich ein Mann mit „Musche, hallo“ am Telefon. Der Bürgermeister hat nämlich den Handball-Nationalspieler Matthias Musche angerufen.

Leider machen technische Schwierigkeiten der Überraschung einen Strich durch die Rechnung. Zwar kann der Handballspieler von allen im Saal gehört werden, doch das Mikrofon von Hauses Telefon schien nicht zu funktionieren, solange das Handy mit den Boxen verbunden war. Also wurde das Handy wieder abgestöpselt, damit Hause auch mit dem Nationalspieler reden konnte. Außerdem gab der Bürgermeister das Telefon auch an Haseloff weiter, der auch kurz mit Musche sprach und ihn auf einen Kaffee in die Staatskanzlei einlud.

Schwierige Situation

Während des Neujahrsempfangs berichtete der Bürgermeister übrigens auch von wirtschaftlichen Aspekten der Stadt. Zwar halte die positive Entwicklung auf dem lokalen Arbeitsmarkt weiter an und strahle somit Stabilität aus, aber dennoch würde das Eis dünner werden und die Situation für die Arbeitgeber schwieriger, so Sven Hause. „Deshalb rufe ich nicht zuletzt auch im Rahmen eines jährlichen Unternehmertages stets dazu auf, das Potenzial der Auspendler im Auge zu behalten und diese Einwohner für sich zu gewinnen“, sagte der Bürgermeister und versicherte, dass auch 2019 der Unternehmertag wieder stattfinden werde.

Außerdem bedankte sich das Stadtoberhaupt bei allen Arbeitgebern in der Stadt und hob hervor, dass diese zur wirtschaftlichen Stabilität und zur guten Entwicklung von Calbe beitragen. Dies äußere sich auch in Form stabiler Zahlen bei den Gewerbesteuereinnahmen. „Der Vergleich mit einer Großstadt wäre selbstverständlich unverhältnismäßig, aber wir bewegen uns nunmehr seit einigen Jahren bei rund zwei Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen, verbunden mit einer leicht steigenden Tendenz“, sagte Hause.

Ausblick auf 2019

Der Bürgermeister warf aber auch einen Blick nach vorn. „Bis voraussichtlich Ende 2020 wird auf der Basis einer sehr feingliedrigen Struktur und in finanzieller Kooperation des Landes Sachsen-Anhalt, der Deutschen Bahn sowie der Stadt Calbe ein modernes Bahnhofsgelände und -umfeld in Calbe Ost entstehen“, kündigte Hause an. Allerdings sei der Weg zu diesem Vorhaben steiniger, als gedacht. Hause sprach davon, dass noch „dicke Bretter gebohrt werden müssen“.

Auch auf die Baustelle an der Landesstraße 68 in Richtung Barby ging der Bürgermeister ein. Bis zum 14. Mai sollen die Knotenpunkte Doppstadt Gewerbegebiet Calbe Nord sowie das Abfräsen und die Fahrbahnerneuerung bis zum Bahnübergang abgeschlossen sein. Dann richtete Hause das Wort an Stefan Hörold vom Landesstraßenbaubetrieb: „Diesen Tag und diese Zielstellung werde ich mir gut merken – denn da habe ich Geburtstag!“

Altersgerechter Wohnungsbau

Ein anderes Projekt, das in Angriff genommen wird, ist der Wohnungsbau. So wolle der Pflegedienstleister Koschmieder bis Ende des Jahres 36 altersgerechte und barrierefreie Wohnungen in der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße errichten. Dies bezeichnete der Bürgermeister als „mutige Entscheidung“ und als „Fortsetzung des jahrelangen Engagements in der Pflege und Betreuung älterer Menschen in Calbe“.

Doch auch abseits der Ehrungen, Auszeichnungen und Erläuterungen war auf der Bühne allerhand los. So sorgten zum Beispiel Luise und Adele Baack für musikalische Einlagen mit Piano, Gitarre und Gesang. Und auch die Bands „Noch ist Zeit“ mit Antje Reich und Christopher Conrad und „Ventura Fox“ trugen zum musikalischen Rahmenprogramm bei.

Artistik und Kabarett

Für Staunen sorgte außerdem der Auftritt der Nachwuchskünstler des Zirkus Probst. Alexander (16) und Geraldine (12) Probst führten verschiedene artistische Kunststücke vor und beeindruckten mit Körperbeherrschung und Geschick. Der Kabarettist Frank Hengstmann sorgte mit spitzer Zunge für zahlreiche Lacher im Publikum. In seinem Programm bekamen nicht nur der Salzlandkreis, sondern auch zahlreiche andere Regionen wie Altmark, Börde oder Harz ihr Fett weg.