Barby l Der „Stargast“ kommt zu spät. Deshalb raschelt es, und tuschelt es in einer Tour, zu Beginn des Neujahrsempfangs der Sozialdemokraten des Salzlandkreies, der im „Grünen Anker“ in Barby am Sonnabend statt fand. Der Stargast ist in diesem Jahr Sigmar Gabriel, der ehemalige Vizekanzler der Bundesrepublik. Der Saal ist randvoll besetzt.

Die Vorsitzende des Ortsverbandes Elbe-Saale, Ilona Döring, sagt zum Motto des Neujahrsempfangs, der 2019 bevorstehenden Kommunal- und Europawahl: „Wir befinden uns in Barby im Herzen Europas“. Auch wenn stagnierende Umfragewerte, der Brexit und das „Säbelrasseln“in der Welt Themen unter den Sozialdemokraten sind, wolle man kommunal bleiben. Die Teilnehmer beschreibt sie als eine Mischung aus „SPD-Mitgliedern und Sympathisanten“.

Lob für die Region

Bevor Sigmar Gabriel Wahlkampfinhalte für 2019 anreißt, ist er zunächst voll des Lobes für die Region. „Ich war schon in Barby und Schönebeck, die Elbregion kann sich sehen lassen“, so der ehemalige Bundesparteivorsitzende, Außenminister und Vize-Kanzler. Er erinnerte außerdem daran, dass er vier Jahre in Magdeburg gewohnt hat. Dort wäre er auch gern geblieben. „Die Stadt hat sich toll gemacht“, so Gabriel. Doch weil seine Frau, eine Hallenserin, ein Angebot in Goslar bekam, lebt das Paar jetzt dort.

Seine Partei, die SPD, solle wieder eine Partei der Arbeit werden, für eine Partei der Arbeiter gäbe es nicht mehr genügend Arbeiter. Das hieße zum Beispiel konkret, Leute die ihr Leben lang gearbeitet hätten, müssten höhere Renten bekommen. Besonderen Beifall erntet er auch für sein Plädoyer, der Bund müsse den Ländern Mittel gegen den Lehrermangel geben. Als ihm am Ende der Kreisvorsitzende ein Kochbuch mit regionalen Köstlichkeiten und ein Knotenübungsgerät namens „Knotenfloh“ überreicht, mit der Bemerkung: „das ist wie Stricken für Männer“, wird ein entspannt wirkendes Gelächter im Saal laut.

Jugend soll stolz sein

Der Landrat des Salzlandkreises, Markus Bauer, greift in seiner Rede den unlängst von einem Wissenschaftler vorgebrachten Vorschlag, Subventionen in die Städte anstatt an das Land zu geben, auf. Man müsse in der Region den Jugendlichen Chancen bieten, sodass sie zwar ins Ausland gehen, aber danach gern wieder zurückkehren. „Naturverbundenheit macht die Region aus“. Stolz solle die Jugend sagen: „Ich komme aus dem Salzlandkreis.“

Keine Rede hielt der ebenfalls anwesende Landesvorsitzende Burkhard Lischka, der vor einigen Tagen angekündigt hatte, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Er hätte es gern getan, aber es hätte nicht zu viele Reden geben sollen. „Ich werde aber in der Zukunft zu den Neujahrsempfängen kommen und so wie viele andere ehrenamtlich politisch arbeiten“. Der Kreisvorsitzende Roger Stöcker, findet auch ein paar Worte für ihn: „Er wird uns noch erhalten bleiben. Es ist kein Abgesang. Es sind gerade keine einfachen Zeiten für uns“, so Stöcker. Der Wähler sei unsicher, wo die SPD gerade steht. Themen wie Chancengleicheit müssten deshalb wieder auf die Agenda.

Spott über GroKo

Spritzig wurde es bei der letzten Rede noch einmal, als der Bürgermeister von Barbys Partnergemeinde „Schöppenstedt“, Karl-Heinz Mühe, sprach. Er war im vergangenen Jahr noch Befürworter der Großen Koalition gewesen. Nun sei er aber stolz auf die Ortsvorsitzende: „Letztes Jahr sagte Ilona: ,Wir sind gegen die GroKo. Ich glaube, sie hatte Recht. Wenig Beifall, ich weiß.“ Und er fällt tatsächlich verhalten aus.