20-Millionen-Euro-Investition in Biomethan-Raffinerie im Bauausschuss der Salzstadt vorgestellt

Nordmethan sagt Glöthe adé und will nun in Staßfurt produzieren - geruchlos

Von Falk Rockmann

Die Gegner der Biomethan-Raffinerie, die die Nordmethan GmbH ursprünglich in Glöthe geplant hatte, werden aufatmen. Der Investor gab diesen Standort auf, weil es dort unüberbrückbare Hindernisse mit einer Zufahrt gegeben habe, so Prokurist Dirk Tempke. Im Staßfurter Bauausschuss bot er Montagabend an, die Anlage nun hier am nordöstlichen Stadtrand zu bauen. Die Herstellung des Gases und die Lagerung der Rohstoffe würden geruchlos vonstatten gehen, betonte Tempke ausdrücklich.

Staßfurt/Glöthe. Es sei auf keinen Fall eine Biogasanlage geplant, wie man sie von der Landwirtschaft her kenne, unterstrich Tempke gleich zu Beginn seiner Ausführungen. Sowohl Fermenter als auch Silos würden absolut geruchsneutral arbeiten. Die Gärreste würden als Dünger ebenfalls geruchsneutral von der Landwirtschaft genutzt werden. "Wir verwenden keine Gülle und keine Klärschlämme, sondern nur nachwachsende Rohstoffe und pflanzliche Nebenprodukte zur Produktion des Biomethangases."

Der Vertreter des Investors erklärte weiter, dass man dazu zwei Ernten im Jahr benötige. Gerste und Roggen im Juni/Juli, Mais und andere Feldfrüchte im September/Oktober. Genmais werde nicht verarbeitet.

Eventuellen Vorbehalten zum Thema "Tank oder Teller", also wofür die Landwirtschaft produziert, entgegnete er vorsorglich: "Die mit uns kooperierenden Landwirte bestellen nur etwa zehn Prozent ihrer Anbauflächen für die Methangasanlage. Rund um Könnern, wo unsere Referenzanlage steht - eine der vier momentan größten in Deutschland - arbeiten wir mit 40 Landwirten zusammen, die nicht weiter als 20 Kilometer entfernt sind." Das solle dann auch für die Staßfurter Anlage so gehandhabt werden. Die Aufträge würden also in der Region verbleiben. Das betreffe ebenso Handwerker und Dienstleister.

Und Dirk Tempke machte auf noch einen Vorteil für die Stadt aufmerksam. Da eine eigenständige Produktionsgesellschaft für die Anlage in Staßfurt gegründet werde, würden auch die Gewerbesteuern ins hiesige Stadtsäckel fließen, wenn die Anlage nach etwa drei Jahren entsprechende Gewinne abwerfe.

Bevor die Ausschussmitglieder nach den Transportgrößen und -wegen zur Raffinerie, die gleich neben der Photovoltaik-Anlage im Gewerbegebiet Staßfurt-Nordost entstehen soll, fragen konnten, informierte der Nordmethan-Mann auch darüber. "Wir benötigen etwa 50 000 bis 60 000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe im Jahr. Zum Vergleich: Die Zuckerfabrik in Könnern verarbeitet jährlich 1,5 Millionen Tonnen." Für die Raffinerie in Könnern habe Nordmethan zudem Spediteure mit Audit unter Vertrag. Die Zulieferwege in Staßfurt würden über den Gewerbering laufen.

Zur Anlage selbst nannte Tempke noch einige Zahlen. 20 Millionen Euro will Nordmethan in Staßfurt investieren. Zehn Arbeits- und zwei Ausbildungsplätze werden geschaffen. Mit sechs Fermentern würde die Anlage halb so groß werden wie die in Könnern. Auch die Silos werden weniger. Der technische Fortschritt komme auch hier zum Tragen. Die Produktionskapazität soll 6,1 Millionen Nm3 (Normkubikmeter) betragen. 12 000 bis 14 000 Haushalte könnten mit der produzierten Menge versorgt werden.

Das Gas, das Nordmethan herstellt, besteht zu 99 Prozent aus reinem Biogas. Es wird in die Netze der Versorger eingespeist, im Fall Staßfurt dann in das der Erdgas Mittelsachsen GmbH. Deren Leitung liegt nur gut 300 Meter entfernt.

Wenn alles nach Plan läuft, der Stadtrat eventuell bei einer seiner nächsten Sitzungen grünes Licht gibt und Genehmigungen - unter anderem nach Bundes-Immissionsschutzverfahren - erfolgreich verlaufen, soll die Raffinerie 2013 in Betrieb gehen.

Der Bauausschussvorsitzende Klaus Stops bat die Ausschussmitglieder, "das positive Gefühl, was hier vermittelt wurde", in die Fraktionen zu tragen.