Barby l Bei der ersten Berufsfindungsmesse im vergangenen Jahr war Bezirksschornsteinfegermeister Kay Reinefeld auf das Schuldach gestiegen, um einen Test zu machen: Welcher der Schüler ist überhaupt höhentauglich. Denn auch die Branche der Schornsteinfeger ist nicht gerade von einer Bewerbungsflut des Nachwuchses verwöhnt. Um es abzukürzen: Einer der damaligen Zehntklässler ist heute Lehrling bei Reinefeld. Er wurde durch die Berufsfindungsmesse, die 2018 zum ersten Mal in der Christlichen Sekundarschule stattfand.

Auf Geschichten wie diese hofften die Organisatoren auch in diesem Jahr. Anders als bei der Premiere 2018 drängten sich die Acht- bis Zehntklässler der Standorte Barby und Großmühlingen vor den Ständen der Firmen, die allerdings ein paar mehr hätten sein können. Ein Steinmetzbetrieb, der 2018 beinahe mit „Null-Resonanz“ wieder nach Hause fuhr, versuchte es in diesem Jahr gar nicht erst. Die Arbeit sei für viele Jugendliche zu schwer. Die meisten wollen zur Polizei oder nach einem erweiterten Realschulabschluss studieren.

Bürgermeister Torsten Reinharz - er verdiente viele Jahre als Berufsschullehrer seine Brötchen - sagt: „Es gab mal Zeiten, da waren Schüler glücklich, wenn sie eine Firma fanden, die sie einstellte. Heute ist es umgekehrt.“

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Berufe kennenlernen

Den Organisatoren geht es nicht nur um unterschriftsreife Ausbildungsverträge, sondern als erstes um die Besetzung von Praktikumsplätzen. „Die Messe bietet den Schülern die Möglichkeit, etwas aus erster Hand über die Berufe zu erfahren“, unterstreicht Torsten Reinharz. Er hatte nach Gesprächen mit der Barbyer Handwerkerschaft diesen Info-Tag 2018 angeregt. Aufgrund der persönlichen Beratung würden manche Schüler vielleicht über die Berufsbilder mehr nachdenken als zuvor. „Zum Beispiel wer sich darüber im Klaren ist, etwas mit seinen Händen machen zu wollen“, so Schulleiterin Ute Wysocka mit Blick auf einen Handwerksberuf. Darum seien Informationen und Praktika so wichtig für die Berufsorientierung. Sie spricht von einem „Plan B“, wenn „Plan A“ nicht funktioniere. Damit ist gemeint: Klappt es zum Beispiel nicht mit einem Praktikum bei der Polizei, sollten die Schüler in einen anderen Berufszweig hinein schnuppern. Im Idealfall in einen Handwerksberuf.Oder bei einem Pflegedienst.

An den Ständen von Handwerkern, Industrie- oder Pflegeunternehmen sammelten die potenziellen Azubis jede Menge Info-Material. Ob ein Praktikum oder gar eine Bewerbung zur Ausbildung folgen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Richtig mau sah es im vergangenen Jahr noch bei den Pflegeberufen aus, als kaum ein Jugendlicher nachfragte. Das entspreche dem allgemeinen Trend, war die Meinung der Branche. Schulleiterin Ute Wysocka versuchte zu relativieren: „Es ist schwer, junge Leute für etwas zu sensibilisieren, das sie noch gar nicht im Kopf haben.“

Doch in diesem Jahr scheint ein wenig Bewegung in diese Branche herein gekommen zu sein. Nach Beobachtung verschiedener Pflege-Unternehmen sei zumindest das Interesse gestiegen. Zum Beispiel am Stand der Barbyer Reha-Klink, wo Katja Jäger den (überwiegend idealen) jugendlichen Blutdruck maß. Zwar bilde die Klinik selbst nicht aus - Barby sei als Kooperationspartner der Uni-Klinik Magdeburg unterwegs.

Über Mangel an fast ausschließlich männlichem Schülerinteresse brauchte sich die Spedition Steinkühler nicht zu sorgen. Hier versuchte Robin Burghardt im Fahrerhaus eines Trucks die Vorzüge des Berufskraftfahrers über die technische Schiene zu vermitteln.

Natürlich war auch Barbys größtes Unternehmen Cargill wieder vertreten. Der Stärke- und Ethanolhersteller hatte eine Aluminiumwanne auf-gebaut, die es laufenderweise zu überwinden galt. Deren Inhalt blieb an den Schuhen kleben, wenn man zu langsam war. Es handelte sich um Weizenstärke, deren Konsistenz bei schnellem Durchschreiten zu träge war, um an den Sohlen haften zu bleiben. Die Philosophie dieser Übung: Wer schnell ist, bekommt keine Probleme - lahme Enten schon.