Schönebeck/Calbe/Bernburg l So richtig ansprechbar war Helmut Marx am Tourtag nicht. Es waren „tausend Dinge“, die er während der Rallye managen musste. Was aber eigentlich gar nichts gegen die Arbeit im Vorfeld war. Der 68-Jährige testete nicht nur die 134 Kilometer lange Route auf Eignung für zum Teil sehr alte Autos, warb 13 Sponsoren, traf Absprachen mit Vereinen, freiwilligen Feuerwehren oder anderen gutwilligen Helfern und Gastgebern. Er musste auch Quartiere für einen Teil der Oldie-Fahrer buchen, einen „Lumpensammler“ für den Fall chartern, dass eines der alten Autos liegen bleibt und solche überflüssigen Dinge wie Datenschutzeinwilligungen unterschreiben lassen. Die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen.

Zufriedene Teilnehmer-Gesichter oder Menschen, die am Straßenrand standen und den Oldies zu winkten, waren die Mühen wert. Was auch den ersten Kulturmann des Landes, Gunnar Schellenberger (58), veranlasste, anerkennende Worte zu finden. Im nächsten Jahr solle die Tour unbedingt am Rinheiligtum Pömmelte Station machen, bediente Schellenberger sein Lieblingsthema. Der Schirmherr erinnerte sich bei all den alten, aber schmucken Oldtimern an seine eigene Benzin-Vergangenheit in Sachsen. Sein erstes Auto sei ein Trabant-Kombi gewesen, das erste Motorrad eine MZ mit Büffeltank.

Aufsehen mit "Ford T"

Die Tour führte von Schönebeck aus nach Chörau (bei Köthen), wo der Museumshof besucht wurde. Dort befindet sich ein interessantes Museum, das unter anderem eine riesige DDR-Fernsehgerätesammlung beherbergt. Weiter ging es zum Barockschloss Biendorf. Zu DDR-Zeiten eine Landwirtschaftsschule, gehört es heute der niederländischen Familie van de Merwe. Hier sorgte - wie viele andere Rallyeteilnehmer auch - der Dessauer Frank Niemann mit seinem „Fort T“ für Aufsehen. Dieses Modell ließe sich nicht so leicht stehlen, da der konventionell gestrickte Fahrzeugdieb damit überhaupt nicht klar käme. Das einfache Umlaufrädergetriebe wird ebenso wie der Rückwärtsgang mit Pedalen bedient. Gas gibt man mit einem Handhebel. Der „Fort T“ gilt als erstes Zeugnis industrieller Massenproduktion in den USA.

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Interessant auch der 81 Jahre alte „Škoda Popular“ des Badeborners Gerhard Porth. Die Besonderheit des Autos: Es besitzt eine blechummantelte Holzkarosse. Porth kaufte es, nachdem es abgebrannt war. Dem pensionierten Elektriker gelang es dennoch, nahezu alle Teile in jahrelanger Fleißarbeit wieder aufzuarbeiten.

Solchen Mühen brauchte sich Rüdiger Uhlmann aus Calbe nicht zu unterwerfen. Er nahm mit seinem „Wolga M 21“ teil. Die 1,4 Tonnen schwere sowjetische Karosse von 1966 leistete mit ihrem 2,5 Liter Motor 55 kW. Damals kaufte ihn der aus Barby stammende Calbenser im HO-Fahrzeughaus Schönebeck. Die Rechnung, die mit dem Kassenzettel eines heutigen Restpostenmarktes vergleichbar ist, weist 22 401,66 Mark aus. Rüdiger Uhlmann besitzt sie noch heute. „Ich musste nur fünf Monate auf das Auto warten“, erinnert sich der ehemalige Schweißingenieur. Was für DDR-Anmeldezeiten nahezu Lichtgeschwindigkeit war. Der „Wolga“ hat eine Dreigang-Schaltung und ist heute weitestgehend im Originalzustand. 1966 liefen in Barby nur zwei dieser robusten 12-Liter-Schlucker.

Viele Ecken kennengelernt

Weitere Stationen des Tages waren das Schloss Bernburg, die Zwiebelhalle Calbe und der Kurpark Bad Salzelmen. Am Ende hatten die Teilnehmer knapp 140 Kilometer auf dem Tacho (so sie überhaupt einen hatten).

Die Teilnehmer der „Schlösser-Prinzessinnen-Oldtimerrallye“ lernten Ecken der Region kennen, in denen sie teilweise noch nie waren. Was auch das Anliegen von Helmut Marx und Gunnar Schellenberger ist. Letzterer: „Damit wird Werbung für unser schönes Bundesland gemacht!“