Neundorf l Manchmal tauchen sie überraschend auf. Und immer im Schwarm. Da „fliegen“ momentan Stare mit, Spatzen und Schwalben. Vermehrt in der Heimatfest-Saison. Denn die hat sich die Simson-Familie aus „Krähenstedt“ vorerst zum Ziel gesetzt. Es geht um die Vogelfreunde Neundorf, Zweirad-Fans, die „aus einem Spleen heraus“, wie Gunnar Goldschmidt es ausdrückt, vor etwa einem Jahr ihr neues Hobby entdeckt haben.

Der erste Ausflug führte die Vogelfreunde im Juni zum Heimatfest nach Rathmannsdorf. Nachdem bei der Vier-Kilometer-Tour alles gut gegangen war, nahmen sie nun am Sonntag die acht Kilometer nach Giersleben in Angriff. Beim nächsten Ausflug soll noch eine Schippe draufgelegt werden. Dann geht‘s über Staßfurt nach Hohenerxleben zum dortigen Heimatfest (erstes August-Wochenende) – immerhin mehr als zehn Kilometer! Und natürlich zurück!

Nur bis Netto ist zu wenig

Nicht, dass die Neundorfer ihre Umgebung nicht kennen. „Es macht einfach Spaß“, erklärt Ulrich Goldschmidt, „Und ehe sich die Mopeds wieder kaputt stehen...“ Die weiteste Strecke war übrigens Nienburg für ihn und seinen „SR-Peng“ – „Nur bis Netto ist zu wenig.“

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Übertreiben wollen es die Neundorfer aber auch nicht. Ihre Gefährte sind schon fast 60 Jahre alt wie der „SR-Peng“, ein Moped, Baujahr 1962. Genauer: ein SR (für Simson-Rheinmetall) 2E (Export) mit Einzylinder-Zweitakt-Motor und 1,8 PS. Als Maximalgeschwindigkeit gab der Hersteller aus Suhl damals 45 km/h an. Das ist sie auch überland, auf die sich die Zweiradfreunde geeinigt haben. Und das ist ein Grund, warum sie keine Motorräder in ihre Reihe aufnehmen wollen. „Die wären zu schnell“, erklärt Uli Goldschmidt.

Habicht und Sperber fehlen noch in der Famili

Gern gesehen wären noch weitere Vertreter der Simson-Vogelfamilie insbesondere Habicht und Sperber. „Und ein Simson-Duo wäre noch ein Traum“, schwärmt Ulis Sohn Gunnar. Als Krönung dürfte es auch noch ein SR 1 sein.

Die Zweiradfreunde finden jedenfalls positive Echos auf den Festplätzen – Kati Melswich meinte am Sonntag in Giersleben: „Schön, wenn sich neue Vereine kennenlernen bei solchen Anlässen.“ Und auch die eigenen Frauen zeigen Verständnis für das Hobby. „Die Mopeds aus DDR-Zeiten standen teilweise lange genug nur in den Garagen rum. Warum sollen die nicht bewegt werden?“, meint Doreen Sichting.

Sie fährt schneller und sie sieht besser

Erinnerungen fahren derweil auch immer mit. Uli Goldschmidt zum Beispiel hat seinen ersten Spatz mit Ferienarbeit verdient. „Wir waren damals als 14-Jährige von der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, d.A.) angesprochen worden, ob wir nicht die Fahrerlaubnis für den Trecker machen wollen. Für eine Gebühr von fünf Ostmark! Das bedeutete außerdem, dass man damit Moped fahren durfte. Bedingung: Ferienarbeit als Erntehelfer auf dem Trecker. Aber auch dabei haben uns nicht kaputt gemacht.“

Der Älteste in der Vogelfamilie ist Reiner Wilke mit 74 Jahren und einem Spatz, der Jüngste Gorden Hesse (15) mit einem S 51 Enduro. Auch Lukas Knauf weiß übrigens mit seinen 17 Jahren die „Simi“ zu schätzen: „Sie fährt schneller als ein ,Wessi-Roller‘. Sie sieht besser aus, und man kann sie sogar selbst reparieren.“